um 1900 Immer deutlicher dringt ins Bewußtsein, daß die Natur durch die rasche industrielle Entwicklung gefährdet ist.
1904 Ernst Rudorff gründet den "Deutschen Bund Heimatschutz". Ein Jahr später wird in Bayern der Landesausschuß für Naturpflege ins Leben gerufen. Seine Hauptaufgaben: Schutz von seltenen Bäumen und bedeutungsvollen Landschaften in Bayern sowie die Erstellung von Gutach-ten für Behörden.
> 1913 München, Sitzungssaal des bayerischen Innenministeriums am 26. Juni : Auf Anregung des königlichen Regierungsrates Reubold treffen sich Vertreter des Landesausschusses für Naturpflege, der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, der Bayerischen Ornithologischen Gesellschaft und des Vereins für Naturkunde. Sie wollen einen Naturschutzverein gründen, um die Tätigkeit des Landesausschusses für Naturpflege auf eine breitere Grundlage zu stellen und wirkungsvoller gegenüber Industrie, Wirtschaft und Behörden auftreten zu können: Der "Bund Naturschutz in Bayern e. V." (BN) entsteht. Das "Protektorat", also die Schirmherrschaft, übernimmt "Seine Königliche Hoheit", Kronprinz Rupprecht von Bayern. Am 15. Juli wird die Satzung des Vereins im Registergericht München eingetragen. Die Ziele lauten: Schutz der Naturdenkmale in Bayern, Beschaffung von Mitteln zur Verhinderung schädigender Eingriffe in die Natur, Aufklärung über die Bedeutung des Naturschutzes, Aufruf zu Stiftungen für den Naturschutz. Erster Vorsitzender des BN wird Professor Karl Freiherr von Tubeuf , ein Münchner Forstwissenschaftler, der aus heutiger Sicht sehr modern anmutende Gedanken äußert: "Viele Verantwortliche halten die Natur noch immer für einen miserablen Verhau, so daß wir uns als Gegenbewegung, als Opposition, zur Begradigung, Bereinigung und Entwässerung verstehen müssen. Viele Techniker sehen in der Erschließung noch immer die Ordnung und nicht den Kahlschlag, weil ihre Seelen so monoton geworden sind wie die Kartoffelschläge und so einfältig wie die neuen Autostraßen."
1916/17 Der BN-Vorsitzende von Tubeuf verhindert, daß in die Felswand am Königssee ein riesiger assyrischer Löwe zur Kriegserrinnerung eingemeißelt wird. Von Tubeuf stellt den Antrag, das gesamte Gebiet um den Königsee mit einer Fläche von rund 20.500 Hektar unter Naturschutz zu stellen. Innerhalb weniger Jahre ist das Vorhaben erfolgreich, das Naturschutzgebiet Königssee bildet die Basis für den 1976 eingerichteten Nationalpark Berchtesgaden.
1918 Am 10. Oktober erscheint zum ersten Mal für die damals 900 Mitglieder die Vereinszeitschrift "Blätter für Naturschutz und Naturpflege" . Seit 1976 heißt das Verbandsorgan "Natur + Umwelt".
1933 Der Bund Naturschutz wird von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet. Er beginnt mit dem Ankauf von Schutzgebieten , erstmals an der Gfällach im Landkreis Erding.
1934 Ministerialrat Professor Theodor Künkele , ein für den Naturschutz engagierter Forstmann, löst Staatsrat Ritter Eduard von Reuter im November 1934 als Vorsitzender ab. Während der Amtszeit Künkeles gelingt es, ein wichtiges Gebiet in der Ascholdinger Au südlich München anzukaufen.
1938 Der Buchdruckereibesitzer Dr. Hans Hohenesser wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er führt den Verband ohne Auflösung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. 1939 kauft der Bund Naturschutz den Thiertaler Berg und das Affental in Unterfranken an.
1945 Die Nachkriegsära leitet der Biologe und Fachschriftsteller Dr. Hans Walter Frickhinger als neuer Vorsitzender ein. In Seeon entsteht eine biologische Station , in Wartaweil die Lehr- und Forschungsstätte für Naturschutz.
1955 Universitätsprofessor Dr. Eduard Brenner , ehemals Staatssekretär, wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Ägide rettet der Bund Naturschutz die Litzauer Schleife am Lech bei Schongau vor der Zerstörung und kämpft gegen zahlreiche Schwarzbauten im Außenbereich.
1958 Der Landschaftsarchitekt Professor Alwin Seifert übernimmt den BN-Vorsitz bis Mai 1963. Die Naturschutzgebiete Höfats, Gungoldinger Heide, Schellenbergmoos und Löser Hang bei Brückenau werden gesichert .
1963 Dr. Johann Mang , Regierungspräsident von Oberbayern, wird 1.Vorsitzender. Noch stärker als seine Vorgänger vertritt er eine sehr staatsfreundliche Verbandslinie und vertraut voll auf den behördlichen Naturschutz. Dagegen formiert sich zunehmend innerverbandliche Opposition, die "Grüne Aktion ".
1966 Der Bund Naturschutz startet sein Projekt zur Wiedereinbürgerung von Bibern in Bayern , initiiert von Hubert Weinzierl, dem späteren BN-Vor-sitzenden. |