Aus für Transrapid
Bundesverkehrsminister Tiefensee hat angekündigt, dass die Transrapid-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen nicht gebaut wird. Die Industrie hatte eingestanden, dass die Kosten viel höher liegen als bisher zugegeben. Das Aus für den Transrapid ist ein Erfolg auch für den Bund Naturschutz, der seit langem auf die bislang völlig unrealistischen Kostenangaben der Transrapid-Befürworter hinwies und das Milliarden-Prestigeprojekt ablehnt.
"Das Münchner Magnetschwebebahnprojekt ist gescheitert", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nach einem Krisentreffen am 27. März im Bundesverkehrsministerium. Bei der Sitzung hatten die Industrievertreter erklärt, dass sich die Kosten nicht wie bisher von ihnen berechnet auf 1,85 Milliarden Euro belaufen, sondern auf deutlich über drei Milliarden Euro. An der Sitzung nahm auch der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) teil.
Die Magnetschwebebahn war ein reines Prestigeprojekt der bayerischen CSU-Regierung, insbesondere des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Das Aus für das Projekt ist eine schwere Niederlage für die bayerische Staatsregierung. Die Gegner - darunter der Bund Naturschutz, der Aktionskreis contra Transrapid, alle Landtagsparteien außer CSU und FDP sowie weitere Verbände und Gewerkschaften - hatten stets auf die unrealistischen Kostenangaben der Transrapid-Befürworter hingewiesen und die Schwebebahn unter anderem deshalb abgelehnt.
Unrealistische Kostenkalkulation
Die bislang von offizieller Seite verkündeten Kosten von 1,85 Milliarden Euro waren in einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2002 ermittelt worden. Dass die Münchner Transrapid-Strecke nun - wenig überraschend - mehr als drei Milliarden Euro kosten soll, liegt zum einen an der bisher in den offiziellen Angaben nicht eingerechneten Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent und zum anderen an einer Vervielfachung des Kupfer-Preises, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. In den vergangenen Jahren wurden bereits der Metrorapid in Nordrhein-Westfalen und die Transrapid-Strecke Berlin-Hamburg wegen zu hoher Kosten verworfen.
„Unsere Argumente gegen das geplante milliardenschwere Prestigeprojekt wurden voll bestätigt, die Kostenschätzung von 1,85 Milliarden Euro war völlig unseriös. Die von der Bayerischen Staatsregierung und dem CSU-Chef Erwin Huber gemeinsam mit der Transapid-Baulobby aufgebaute Pro-Rapid-Kampagne ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen“, erklärte der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Prof. Dr. Hubert Weiger.
Geld soll S-Bahn und Nahverkehrsprojekten zugute kommen
Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter und stellvertretender Beauftragter des Volksbegehrens "Für Bayern – Nein zur Transrapid“ freut sich: "Das Volksbegehren und der langjährige Widerstand des Bundes Naturschutz haben zum Erfolg geführt. Das Planfeststellungsverfahren muss nun sofort eingestellt werden, damit endlich Rechtssicherheit geschaffen und die Steuergeldverschwendung für die weitere Planung gestoppt wird“.
„Wir fordern, dass die eingesparten bayerischen Gelder zusammen mit einem Teil der Bundesgelder für den Ausbau und die Modernisierung des bayerischen Schienennetzes eingesetzt werden", sagte Weiger. "Dazu gehören eine Express-S-Bahn zum Münchner Flughafen genauso wie der Ausbau der Strecke München-Mühldorf und eine Regio-S-Bahn für den Raum Augsburg. Diese Investitionen bringen Vorteile für die Umwelt, die Bahnkunden und schaffen Güterverkehr von der Straße auf die Schiene“.
Eine Umfrage auf der BN-Website hatte gezeigt, dass eine Mehrheit den Transrapid ablehnt: 93 Prozent stimmten dafür, das Geld lieber für eine S-Bahn zum Flughafen sowie Bus und Bahn in ganz Bayern zu verwenden.