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Hafenlohrtal: Kleinod voller Leben

Hätten die BN-Aktivisten in Main-Spessart und Aschaffenburg die Staatsregierung in harten Auseinandersetzungen nicht davon abgebracht, die ökologisch fatalen Pläne eines Speicherbaus im Hafenlohrtal zu realisieren, wäre ein einmaliges Refugium für Tiere und Pflanzen zugrunde gegangen. Den letzten Bewies hierfür lieferte der GEO-Tag der Artenvielfalt, der im Juni 2006 im Hafenlohrtal stattfand. Was hier gefunden wurde, so Dr. Klaus Mandery, BN-Vorsitzender der Kreisgruppe Haßberge, übertraf alle Erwartungen.

Für abendliche Konzerte im Hafenlohrtal sorgen Teichfrösche; als weitere Amphibien sind Berg- und Fadenmolche, Erdkröten, Feuersalamander, Gras-, Wasser- und Seefrösche zu finden. Auch stießen die Artenspezialisten auf drei Reptilien: Blindschleichen, Ringelnattern und Waldeidechse haben im Hafenlohrtal ein Zuhause gefunden. Groß war die Anzahl der entdeckten Vogelarten, darunter Graureiher und Trauerfliegenschnäpper.

Als Abenteuer gestaltete sich der Artenschutztag dadurch, dass die insgesamt 50 Arten-Spezialisten aus ganz Deutschland im Hafenlohrtal auf Tiere und Pflanzen trafen, von denen sie niemals gedacht hätten, dass sie dort existieren. Klaus Mandery: „Jeder der Teilnehmer mobilisierte, was er konnte, und legte sich für die Artenvielfalt ins Zeug. Nur so ist es zu erklären, dass bei dieser Veranstaltung über 1.600 Arten gefunden wurden – und ‚Highlights’, biologische Besonderheiten obendrein!“ Zum Beispiel der Pilz Sphaerellothecium propinquellum, der auf Flechten lebt. Noch nie zuvor wurde er in Franken entdeckt. Ebenfalls eine Neuentdeckung: Der Bodenstreu-Kleinrüssler Ceutorhynchus scrobicollis, der an der Knoblauchrauke lebt.

Leider tot war der Stierkäfer, den Klaus Mandery im Naturschutzgebiet Weihersgrund entdeckte, aber dennoch war der Artenspezialist froh, auf das Insekt gestoßen zu sein. 30 Jahre ist es her, dass zuletzt im Spessart ein Stierkäfer (Typhoeus typhoeus) aufgespürt wurde. Zum achten Mal in Bayern seit den Aufzeichnungen aus dem Jahr 1850 entdeckten die Artendetektive vom GEO-Tag schließlich die Raubfliege im Hafenlohrtal. Klaus Mandery stieß im Weihersgrund auf das Insekt, Dr. Klaus von der Dunk, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen, konnte das Tier identifizieren. 1990 war die Raubfliege zuletzt in Bayern gesehen worden.