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Noch offen: Isental

Heiner Müller-Ermann koordiniert seit 23 Jahren den Widerstand im Isental.


Generationenprojekt - mit den lustigeren Leuten

Im Interview: Heiner Müller-Ermann arbeitet als Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Im Bund Naturschutz und der "Aktionsgemeinschaft gegen die A 94" engagiert er sich für den Erhalt des Isentals.


Seit 1979 geht nun schon der Kampf gegen die Isentalautobahn. Wie kann das so lange durchgehalten werden?

Gott sei Dank, dass am Anfang niemand wusste, dass dies ein Generationenprojekt wird. Aber so sind wir einfach immer mitgewachsen mit diesem Widerstand. Wir konnten dann ja nicht einfach irgendwann aufhören.


Generationenprojekt, das heißt...

...es gibt Familien, da ist der Großvater heute noch dabei, dann natürlich die mittlere Generation und bei einigen packen jetzt schon die Enkel mit 16, 17 Jahren mit an.


Und seit wann sind Sie der Sprecher des A-94-Widerstands?

Wir sind eine klassische Bürgerinitiative, in der gleichzeitig die meisten auch Bund Naturschutz-Mitglieder sind. Wir haben keine Hierarchien, keinen Vorstand oder ähnliches. Na gut, seit 23 Jahren kümmere ich mich halt ein bisschen intensiver um die ganze Geschichte. Irgendeiner muss das ja koordinieren. Aber insgesamt gilt bei uns das einfache Prinzip: Wer intensiv mitarbeitet, der kann auch mitbestimmen.


Funktioniert das wirklich so informell? Gibt’s da keine Zuständigkeitsprobleme?

Ach, wissen Sie, wenn man eine nicht gerade unbedeutende bayerische Regierungspartei als Gegenspieler hat, dann kann man sich solche Mätzchen nicht leisten. Wir wissen, dass wir unsere Heimat vor der gigantischen Zerstörung bewahren wollen, damit haben wir genug zu tun.


Woher kommt denn eigentlich Ihr Engagement, Ihre Hartnäckigkeit?

Nun, ich bin ja nicht mehr der jüngste. Ende der sechziger Jahre bin ich als 19-Jähriger in eine nicht ganz so große bayerische Volkspartei eingetreten und erfahre da seit 40 Jahren alle Freuden und Leiden. Im Bund Naturschutz bin ich seit den siebziger Jahren. Ich stamme aus einem CSU-Elternhaus, meine Frau ist eine aktive Grüne, seit es die Grünen gibt. Ich war eineinhalb Jahre bei der Bundeswehr und bin immer noch katholisch. Da haut einen so leicht nichts um.

Heiner Müller-Ermann

Wie oft treffen Sie sich?

Wir haben keine Regeltermine. Der harte Kern ist immer so groß, dass er gerade noch in die Ermannsche Küche passt. Das sind also rund 15 Leute. Da kann man noch ohne Redeliste diskutieren. Und ich lade zu den Treffen ein, wenn etwas anliegt. Dann sagt am Anfang jeder, was besprochen werden soll und im Lauf des Abends ...


...arbeiten Sie die Tagesordnung ab?

Ehrlich gesagt, geht das bei uns ein bisschen angenehmer zu. Wir gleiten nämlich meist so zwischen zehn und elf unbemerkt in den gemütlichen Teil hinüber. Wir haben in Dorfen ein gutes Bier, das hat uns schon viel geholfen. Denn gerade in so einer halboffiziellen Übergangsphase da kommen uns oft die besten Ideen.


Zum Beispiel?

Nehmen Sie nur unsere „Freiwillige Zwangsspende“. Bei allen Großveranstaltungen freuen sich die Besucher schon, dass sie ihre Solidarität beweisen können. Von Isentalaktien bis zu Brotzeitbretteln, Kunstpostkarten, Steine des Widerstands, Bierkrüge. Honig zur Stärkung der Abwehrkräfte, Spielkarten mit Isentalmotiv und so weiter – jeweils 15 Euro. Da verlässt keiner den Saal, bevor er nicht...


Die ganzen Verfahren werden ja ganz schön ins Geld gegangen sein.

Wir haben bis jetzt allein für die Verfahren rund 800 000 Euro ausgegeben. Davon haben die eine Hälfte die neun Bäuerinnen und Bauern finanziert, die für uns alle die Klagen führen. Die andere Hälfte haben wir durch Spenden zusammengetrommelt. Wenn da mal ein Tausender kommt, ist es natürlich schön, aber das meiste kommt durch Kleinspenden der vielen jahrzehntelangen Unterstützer. Neulich hat eine Studentin 500 Euro überwiesen – es war das Weihnachtsgeschenk vom Opa. Und ein Zivi schickte uns seinen Novembersold.
Wenn Sie so etwas erleben, dann erübrigt sich die Frage, wie man so lange durchhalten kann.


Dennoch, werden Sie nicht manchmal müde, nach Jahrzehnten?

Natürlich kann das manchmal auch nerven. Und tagsüber muss man ja auch noch in die Arbeit gehen. Aber wenn Sie dann am Sonntag wieder durchs Isental gehen oder durch die anderen Täler, dann brauchen Sie keine pharmazeutischen Stimmungsaufheller. Da spüren Sie, um was es geht. Das lassen wir uns nicht zerstören von Menschen, die die Natur nur noch aus der Dienstwagenperspektive kennen.


Ist es jetzt nach den Gerichtsentscheidungen die Menschen bei Ihnen überhaupt noch motivieren?

Da brauchen Sie keine Sorge zu haben. Die Leute kommen ja zu uns, zum harten Kern und sagen: Macht nur weiter, lasst Euch nicht unterkriegen. Und so machen wir halt weiter. Und zwar nicht mit verkniffenem Gesicht. Gehen Sie auf einen CSU-Empfang oder in die Kantine der Autobahndirektion. Und dann kommen Sie mal zu unsern Anti-A-94-Festen. Dann werden sie sehen, wo die lustigeren Leute sind.

 

 

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