Bringt Glück und Kinder: Der Weißstorch fühlt sich im Isental noch wohl und sorgt hier auch für eigenen Nachwuchs.
Naturlandschaft Isental
Bayern wie aus dem Bilderbuch: Sanfte Hügel, an deren Hänge sich kleine Felder, Wiesen und Wälder schmiegen. Hinter knorrigen Obstbäumen schauen schöne alte Höfe ins Land. In ihrem Tal mäandert die Isen durch Auwälder, Schilf und Moore. Das Isental gilt als eine der letzten großflächig erhaltenen Natur- und Kulturlandschaften Südbayerns – ein kleines Paradies für Menschen und Blaukehlchen, Waldschnepfen und Bachmuscheln.
Auf den ersten Blick mag das Isental mit den angrenzenden Kulturlandschaften zwar schön, aber relativ gewöhnlich erscheinen. Erst bei genauerer Betrachtung fallen die vielfältig strukturierten Lebensraumtypen mit Niedermooren, Altwassern, Auwäldern und Feuchtwiesen ins Auge. Aufgrund der vielen unterschiedlichen und verzahnten Lebensraumtypen konnten sich im Isental und seinen Nebenbächen zahlreiche deutschland- und europaweit gefährdete Tiere und Pflanzen etablieren.
Über 66 verschiedene Vogelarten konnten im Isental, häufig sogar sehr individuenreich, nachgewiesen werden. Hierzu zählen unter anderem seltene Arten wie der blau schillernde Eisvogel, der langschnäbelige Große Brachvogel sowie das Blaukehlchen mit seiner markant blauen Brust. Auch große und seltene Vögel wie der Weißstorch und sein dunkler verwandte der Schwarzstorch sind häufig im Isental auf Nahrungssuche zu finden.
Heimat vom Aussterben bedrohter Tiere
In den Flüssen selbst sind deutschlandweit stark gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Fischarten vorzufinden. Besonders zu erwähnen sind hier die Nase, die Elritze, die Äsche und der Schneider. Auch bei den anderen Tiergruppen, den Pflanzen, Amphibien, Säugetieren, Libellen, Laufkäfern, Schmetterlingen und Muscheln sind zahlreiche und auch besonders schützenswerte Arten im Isental beheimatet, darunter auch Arten von europaweiter Bedeutung.
Hierzu zählen die bräunliche Bachmuschel (Unio crassus), die auf eine sehr hohe Wasserqualität angewiesen ist. Sie ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht und im Isental nur noch in wenigen Flussabschnitten zu finden. Die Fledermausart Großes Mausohr (Myotis myotis) ist nach den europäischen Flora-Fauna-Habitat Richtlinien unter besonderen Schutz gestellt. Eine Kolonie mit über hundert Weibchen nützt an einen Nebenbach der Isen die angrenzenden Hangwälder als Nahrungsbiotop zur Aufzucht ihrer Jungtiere in einem Kirchturm.
Raffinierter Schmetterling
Auf den wechselfeuchten und teils überfluteten Wiesen und Mooren nahe der Isen sowie an Seitenhängen des Tals findet sich eine Schmetterlingsart, die sich ihren speziellen Lebensraum in besonderer Weise zunutze macht. Der ebenfalls europaweit geschützte Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) ist bei der Fortpflanzung auf eine einzige Pflanzenart, dem Großen Wiesenknopf mit seinen markanten braunroten Blütenköpfen, zur Eiablage angewiesen.
Sobald die Raupen geschlüpft sind, fressen sie die Blütenköpfe, lassen sich schließlich fallen und warten am Boden, bis spezielle Wirtsameisen sie in ihren Bau tragen. Dort imitieren sie in perfekter Weise den Nestgeruch der Ameisen, ernähren sich über Monate von deren Brut und scheiden im Gegenzug ein zuckerhaltiges Sekret aus. Wenn sich die Raupe im Frühjahr verpuppt, verliert sie ihre Tarnung. Dann muss sie den Bau schnell verlassen, bevor sie als Schmetterling selbst zur Beute wird.
Intakte Landschaft
Neben den unterschiedlichen verzahnten Lebensraumtypen ist jedoch vor allem die Unzerschnittenheit des Gebietes ein herausragendes naturschutzfachliches Kriterium. Lebensraumkomplexe mit einer Größe von annähernd 100 Quadratkilometer die nicht von größeren Infrastrukturmaßnahmen durchschnitten werden sind deutschlandweit sehr selten und werden sukzessive von neu geplanten Projekten zerstört.