Die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Gattung: Pyrrhocorax
Körperbau und Merkmale
Der deutsche Name der Alpendohle ist etwas irreführend. So ist sie weniger nahe mit der Dohle (Corvus monedula) als mit der Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax) verwandt. Dieser verwandtschaftliche Unterschied macht sich vor allem auch in Form und Farbe des Schnabels bemerkbar. Während die Alpendohle einen gelben geraden Schnabel hat, ist er bei der Alpenkrähe rot und gebogen.
Das Gefieder der erwachsenen Vögel ist vollkommen schwarz und glänzend. Die Beine sind orange-rot. Die Jungvögel haben einen gräulich bis bräunlichen Schnabel und dunkle Beine.
Alpendohlen werden, einschließlich des 12-14 cm langen Schwanzes, 36-39 cm groß. Sie haben eine Flügelspannweite von ca. 70-85 cm. Beide Geschlechter sehen gleich aus.
Verbreitung und Lebensraum
Alpendohlen leben nur im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze. So findet man sie in Europa vor allem in den Alpen, den Pyrenäen, den Abbruzen und auf dem Balkan. Sie leben ausschließlich im Hochgebirge, oberhalb der Baumgrenze. Dort erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet bis auf eine Höhe von 4000 m.
Auch die Brutgebiete dieser Vögel ziehen sich bis zur Schneegrenze. Sie brüten meist in Kolonien auf Geröllhalden und in Felswänden.
Fortpflanzung und Lebensweise
Die Paarbildung unter den Alpendohlen ist zumeist dauerhaft, so dass man von einer monogamen Dauerehe spricht. Um das Nest vor Räubern zu schützen, wird es auf einem Absatz in einer Felshöhle oder –nische, an Gebäuden oder in einer tiefen Felsspalte angelegt. Den Nistplatz sucht das Weibchen aus und wird meistens mehrere aufeinanderfolgende Jahre benutzt. Der Nestrohbau findet ab März statt und wird zunächst von beiden Partnern gemeinsam angefertigt. Später hilft das Männchen nur noch bei der Materialbeschaffung.
Es gibt nur eine Jahresbrut im Arpil/Mai Sie umfasst vier bis fünf Eier. Spätestens nach dem Legen des dritten Eies beginnt das Weibchen mit dem Brüten. Die Brutzeit dauert etwa 17-21 Tage. In dieser Zeit wird das Weibchen von dem Männchen gefüttert. Nach dem Schlüpfen verbleiben die Jungen noch weitere ca. 30 Tage im Nest und werden von beiden Elternteilen gefüttert. Auch nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungvögel noch einige Zeit von ihren Eltern mit Nahrung versorgt.
Die Alpendohle ist ein Stand- oder auch Jahresvogel. Nur bei ungünstigen Wetterbedingungen ziehen sie sich in die tieferen Lagen zurück.
Nahrung
Alpendohlen sind Allesfresser. Sie fressen Insekten, Spinnen, Schnecken aber auch Aas. Gerade im Herbst und Winter ernähren sie sich verstärkt vegetarisch. So zählen in dieser Zeit Flechten, Blätter, Beeren, Obst und Knospen zu ihrer Nahrung.
Durch den stärker werdenden Tourismus haben sich die Alpendohlen zunehmend an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt. So hat sich auch ihr Nahrungsspektrum auf Abfälle von Touristen und Berghütten erweitert.
Gefährdung und Bestand in Deutschland
Der Gesamtbestand Europas umfasst ca. 130.000 bis 310.000 Brutpaare. In Deutschland brüten davon etwa 2.000 bis 4.000 Paare.
Aufgrund ihrer weiten europäischen aber auch globalen Verbreitung wird die Alpendohle von IUCN (International Union fort he Conservation of Nature and Natural Resources), basierend auf der Einschätzung von BirdLife International als „least concern“ – nicht gefährdet – eingestuft.
Wissenswertes
Alpendohlen sind wahre Flugkünstler. Oft nutzen die geselligen Vögel, die gerne in größeren Schwärmen fliegen, die Luftströmung zum Segeln.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
Der große Vogelatlas, 2006, Eugen Ulmer KG
Die Kosmos Vogelenzyklopädie, 2003, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com