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Der Biber

 

Steckbrief der Woche: Biber (Castor sp.)

 

Klasse: Säugetiere (Mammalia)

Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)

Unterordnung: Biberverwandte (Castorimorpha)

Familie: Biber (Castoridae)

 

Körperbau und Merkmale

Als größtes einheimisches Nagetier kann der Biber bis zu 1,40 m lang und 35 kg schwer werden. Davon beträgt die  Schwanzlänge 30-40 cm.

Charakteristisch für ihn als Nager sind seine sehr großen, ständig nachwachsenden und mit einer dicken orangeroten Schmelzschicht versehenen Nagezähne.

Biber sind perfekt an ihren Lebensraum Wasser angepasst. So ist der gesamte Körper mit sehr dichtem braunem wasserabstoßendem Fell bedeckt, das vor Auskühlung und Nässe schützt. Die Bauchseite ist sehr viel stärker behaart als die Rückenseite.

Der abgeplattete, keulenförmige Schwanz (Kelle) des Bibers ist breit, unbehaart und mit Schuppen bedeckt. Er dient ihm im Wasser als Ruder. Aber auch zur Fettspeicherung und Temperaturregulation wird er benötigt.

Ferner trägt der Biber nur zwischen den Zehen seiner Hinterfüße Schwimmhäute. Die Vorderextremitäten benutzt er wie Hände. Um sein Fell „bürsten“ zu können, ist die zweite Zehe der Hinterfüße mit einer Doppelkralle ausgestattet. Die wasserabweisende Wirkung seines Fells hält der Biber aufrecht, indem er den Pelz nach der Reinigung mit Bibergeil (Castoreum) pflegt. Dieses aus der Volksmedizin bekannte und als wundersam wirkendes Heilmittel geschätzte Sekret entstammt den Afterdrüsen des Bibers.

Biber sind sehr gute Taucher und Schwimmer. Unter Wasser schützen sie ihre Augen, indem sie eine hauchdünne, transparente Haut (Nickhaut) vor die Augen schieben. Zum Schutz vor Wassereintritt können sie außerdem ihre Ohren und Nasenlöcher verschließen. Biber können bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben, im Normalfall sind es aber zwei bis drei Minuten.  

 

Lebensraum

Fließende aber auch stehende Gewässer, wie Flussauen und Seeufer, sind die bevorzugten Verbreitungsgebiete des Bibers. Da sich Biber nur schwerfällig an Land fortbewegen, entfernen sie sich in einem optimalen Lebensraum nur selten weiter als 20 Meter vom Ufer. 

  

Lebensweise

Die für den Biber typische Behausung, die Biberburg, wird aus abgenagten Ästen, Zweigen sowie Schlamm hergestellt. Ist der Untergrund weich genug, so baut der Biber mitunter auch Wohnröhren. Der Eingang der Biberbehausung aber liegt im Allgemeinen zum Schutz vor Feinden unter der Wasseroberfläche. Um dieses zu gewährleisten, legt er Dämme an und reguliert somit den Wasserstand seines Wohngewässers. Fällt die Behausung dennoch trocken, wird sie verlassen, da sonst Feinde Zugang hätten.Im Oberlauf kleinerer Gewässer entsteht durch die Dammbauaktivitäten des Bibers eine Vielzahl von kleinen natürlichen Rückhalteräumen bei Regen.

Der Biber lebt in Familienverbänden mit dem Nachwuchs des aktuellen und des vorigen Jahres zusammen. Sind die Jungen zwei Jahre alt, werden sie von den Eltern vertrieben, um Platz für die nächste Generation zu schaffen. Sie besiedeln neue Reviere und gründen schließlich andernorts eine eigene Familie.

Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv. Seine enorme Beißkraft erlaubt es ihm, in einer Nacht Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu einem Meter zu fällen.

Da er keinen Winterschlaf, sondern eine Winterruhe hält, muss der Biber für diese Zeit einen Nahrungsvorrat anlegen. So deponiert er ab dem Herbst Äste und Zweige direkt vor dem Eingang seiner Burg.

 

Fortpflanzung

Im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren werden die jungen Biber geschlechtsreif. Sie sind monogame Tiere, bleiben also ein Leben lang mit demselben Partner zusammen.

Zwischen April und Juni kommen nach einer Tragzeit von ca. drei Monaten zwei bis vier Junge zur Welt. Bei ihrer Geburt sind sie schon recht weit entwickelt. So können sie bereits sehen und sind behaart. Im Alter von einem Monat können sie dann schwimmen und sich ihre eigene Nahrung beschaffen.

 

Nahrung

Biber sind streng herbivor (pflanzenfressend). In den Sommermonaten ernähren sich diese großen Nager vor allem von Sumpf- und Wasserpflanzen, Blättern, Zweigen und Schösslingen. Auch Mais und Zuckerrüben stehen auf ihrem Speiseplan, wenn sie direkt am Gewässer angebaut werden. In den Wintermonaten, wenn sie während ihrer Winterruhe erwachen, um von ihren gesammelten Vorräten zu fressen, verzehren die Biber vorwiegend Rinde.

 

Gefährdung/Bestand in Europa

Einst in ganz Eurasien verbreitet, war der Biber durch menschliche Verfolgung fast vollständig ausgerottet. Vor allem wegen des Bibergeils wurde er verfolgt. Aber auch ihr wertvoller Pelz sowie die von ihnen verursachten Schäden an Bäumen und Ufern waren ursächlich für ihre starke Bejagung. Ferner trug die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Flussbegradigungen und Auwaldbeseitigungen zur Destabilisierung des Bestandes bei.

Diesem drastischen Rückgang konnte nur durch konsequenten Schutz und Auswilderungen entgegengewirkt werden. So ist der Biber in den letzten Jahrzehnten wieder heimisch geworden. Heute leben sie wieder in fast ganz Europa.

 

 

Engagement des Bund Naturschutz in Bayern:

In Bayern wurde der Biber nach vollständiger Ausrottung durch eine Wiederansiedlung durch den BN und die zuständigen Behörden in den 60er Jahren wieder heimisch. Mit Ausbreitung des Bibers traten Konflikte mit Landnutzern auf. Der Biber zeigt uns, wo der Mensch die Landschaft zu intensiv nutzt (Maisanbau bis ans Ufer etc.). Von nötigen Pufferstreifen ums Gewässer profitiert nicht nur der Biber, sondern auch die Gewässerqualität und alle Lebewesen. Der BN hat zur Lösung von Konflikten ein Bibermanagement erarbeitet und finanziert (mit Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds) zwei Biberberater in Bayern. Mehr unter: Bibermanagement.

 

Übrigens

  • ·    Die Kommunikation miteinander erfolgt bei den Bibern über Duftsignale und Töne. Lautes Aufschlagen mit der Kelle auf das Wasser dient dem Biber als Warnsignal für seine Artgenossen.
  • ·    Beim Schwimmen ragt nur der Kopf des Bibers aus dem Wasser. Dies ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal zur Unterscheidung von Bisam und Nutria, bei denen Kopf und Rücken aus dem Wasser ragen.
  • ·    Im Mittelalter erfuhr der Biber eine starke Dezimierung, indem er aufgrund seines schuppigen Schwanzes zum Fisch erklärt wurde. So konnte in der Fastenzeit legal sein Fleisch gegessen werden. 
  •      Der lateinische Gattungsname „Castor“ hat seinen Ursprung in dem lateinischen Verb „castrare“, welches schneiden bedeutet. Somit spricht schon der Name des Bibers von ihm als „Schneider“, der sicherlich aufgrund seiner Nagekünste entstand.
 

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