Gimpel oder Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)
Körperbau und Merkmale
Der Gimpel hat einen gedrungenen Körperbau mit kurzem Hals und dünnen Füßen. Die Brust des Gimpelmännchens ist leuchtend rot, ebenso wie seine Wangen, Flanken und der Oberbauch. Da diese Färbung zusammen mit der gedrungenen Gestalt an einen Domherrn erinnert, wird der Gimpel auch Dompfaff genannt. Das Weibchen hat einen bräunlichgrauen Rücken. Brust, Flanken und Unterseite haben eine helle graubraune Färbung mit einem ganz leichten Stich ins Rötliche. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben eine schwarze Kopfplatte, ein schwarzes Kinn und einen kurzen, sehr kräftigen schwarzen Schnabel. Die Jungvögel ähneln dem Weibchen, allerdings fehlt ihnen die schwarze Kopfplatte. Gimpel werden etwa 15 bis 19 Zentimeter lang, mit einer Flügelspannweite von etwa 22 bis 26 Zentimeter. Sie wiegen um die 26 Gramm.
Verbreitung und Lebensraum
In ganz Europa findet man neun bis zehn Unterarten des Gimpels, mit Ausnahme der Mittelmeerregion. Der Gimpel besiedelt aber auch Vorderasien, Ostasien und Sibirien. Er fehlt in baumarmen Gebieten und nördlich der Waldzone. Die nördlichen Populationen sind Teilzieher, ansonsten ist der Gimpel ein Standvogel.
Der Gimpel brütet in Nadel- und Mischwäldern und an den Rändern von Lichtungen, an Kahlschlägen sowie an Wegen und Schneisen. Er kommt auch in Parkanlagen und Gärten vor, allerdings müssen dann Nadelbäume vorhanden sein. Der Gimpel wird immer häufiger auch in Großstädten beobachtet.
Entwicklung/Fortpflanzung/Lebensweise
Gimpel haben ein aufwändiges Paarbildungsritual. Zunächst fliegt das Weibchen drohend und mit aufgerissenem Schnabel auf das Männchen zu. Dieses reagiert normalerweise entweder durch rasches Wegfliegen oder Imponieren. Ergreift es nicht rechtzeitig die Flucht, kann es schwer verletzt oder gar getötet werden. Ist das Männchen am Weibchen interessiert, weicht es etwas zurück. Von dort aus versucht es seinerseits mit aufgeblähtem Bauchgefieder und mit zum Weibchen hingedrehten Schwanz den Abstand zu verkürzen, bis das Weibchen die Feindseligkeit einstellt. Nachdem es das Weibchen erreicht hat, berührt es dessen Schnabel, wendet sich schnell von ihm weg und hüpft zur Seite. Reagiert dieses mit derselben Geste, wird dieses Ritual mehrmals wiederholt. Zwischendurch fliegt einer der beiden kurz weg, kehrt jedoch rasch zurück, um mit dem Schnäbeln fortzufahren. Haben sich die Vögel füreinander entschieden haben, kommt es zum Zärtlichkeitsfüttern. Dabei benimmt sich das Weibchen wie ein Jungvogel und wird vom Männchen aus dem Kropf gefüttert. Die Paarbildung beginnt vermutlich teilweise schon vor Einbruch des Winters, meist aber im Februar.
Das Männchen leitet es die Balz ein, indem es dem Weibchen einen Halm anbietet. Nimmt das Weibchen die Gabe an, beginnt es mit dem Männchen zu schnäbeln. Hat die Halmbalz zum Gleichklang geführt, fliegen beide Partner mit Nistmaterial umher. Zur Paarung fordert das Weibchen auf, indem es das Männchen mit Zärtlichkeitslauten anlockt und sich für die Paarung niederduckt.
Beim Nestbau wird das Weibchen vom Männchen nur symbolisch unterstützt – es nimmt ab und zu einen Halm in den Schnabel und lässt ihn nach kurzer Zeit wieder fallen. Das Weibchen legt vier bis sechs Eier in das Nest. Dies zieht sich über einige Tage hin. Nachdem das letzte Ei gelegt ist, beginnt das Weibchen das Gelege zu bebrüten. Während der Brut wird es vom Männchen gefüttert. Die Brutdauer beträgt 13 bis 14 Tage. Die Jungvögel werden blind und nackt geboren. In den ersten sechs Tagen hudert und füttert das Weibchen sie aus dem Kropf mit dem, was es regelmäßig vom Männchen erhält. Die Nahrung setzt sich am Anfang aus Blattläusen, Ameisen und kleinen Gehäuseschnecken zusammen. Am achten Tag öffnen die bräunlich gefärbten Jungen die Augen und sperren direkt an. Die Altvögel fliegen nun gemeinsam auf Futtersuche und kehren gemeinsam zum Füttern zurück. Die Nahrung besteht inzwischen überwiegend aus Sämereien. Ab dem sechzehnten oder siebzehnten Tag können die Nestlinge bei Gefahr das Nest verlassen. Manchmal sind sie schon am zwölften Tag dazu imstande. Nach dem Ausfliegen sitzen die Jungen im Geäst und lassen regelmäßig ihren Standortlaut hören, damit die Altvögel sie mit Futter versorgen. Ab dem 20. bis 24. Tag nehmen die Jungen eigenständig Nahrung auf, am 35. Tag sind sie selbständig. Gefahr droht ihnen von Katzen, Greifvögeln und Mardern. Freilebende Vögel werden maximal sechs bis acht Jahre alt. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt jedoch nur drei Jahre. In Gefangenschaft sind bis zu 17 Jahre möglich.
Nahrung
Die Nahrung des Gimpels besteht aus Samen, Früchten und Knospen. Gelegentlich frisst er aber auch Insekten. Er bevorzugt die Samen von Brennnesselgewächsen, Brombeeren und der Birke. Im Sommer ernährt er sich besonders gerne von den Samen des Löwenzahns, der Vogelmiere und des Hirtentäschels. Im Winter und Frühjahr frisst er die Knospen von Obstbäumen. In Anbetracht dieser Nahrungsgewohnheiten kann jeder Gartenbesitzer leicht etwas für den Gimpel tun, zum Beispiel verblühte Blumen stehen lassen und Stauden vor dem Winter nicht komplett zurückschneiden.
Gesang
Der Gesang des Gimpels ist sehr leise und bei der Reviermarkierung wahrscheinlich nicht von Bedeutung. Er besteht aus pfeifenden Tönen, die von krächzenden Lauten unterbrochen werden. Die Weibchen, die bis Ende Februar ebenso anhalten singen wie die Männchen, stellen zu Beginn der Paarungszeit den Gesang ein.
Gefährdung/Bestand in Europa
Die europäische Gimpelpopulation umfasst etwa 15 Millionen bis 28 Millionen Individuen. Die Art wird als nicht gefährdet eingestuft.
Weitere Infos/Übrigens/weiterführende Informationen/Wissenswertes
Im 19. Jahrhundert wurde der Gimpel gerne in Handwerksstuben gehalten. Ihm wurde beigebracht, bestimmte Lieder zu pfeifen. Dafür wurde er noch vor dem Ausfliegen aus dem Nest geholt und ihm mehrmals täglich ein Lied stückchenweise vorgepfiffen. Begabte Gimpel konnten bis zu drei Lieder beherrschen. Auch heute noch wird der Gimpel als Käfigvogel gehalten. Wildfänge sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz jedoch illegal.
Quellen
http://de.wikipedia.org/
http://www.nabu.de
http://www.natur-lexikon.com
Steinbachs Naturführer „Landvögel“, Ulmer Verlag 2001