Europäische Eibe (Taxus baccata)
Klasse: Pinopsida
Ordnung: Kiefernartige (Pinales)
Familie: Eibengewächse (Taxaceae)
Gestalt und Merkmale
Die Europäische Eibe (Gewöhnliche Eibe) wird bis zu 20 Meter hoch. Eiben können aber auch als Sträucher wachsen. Die Rinde der Eibe ist graubraun bis braun und löst sich in Schuppen vom Stamm, ähnlich wie bei einer Platane. Die Eibe ist ein immergrüner Nadelbaum, ihre Nadeln sind an der Oberseite dunkelgrün, glänzend und an der Unterseite gelbgrün. Sie ist zweihäusig, das bedeutet, dass weibliche und männliche Blüten an verschiedenen Bäumen wachsen. Die nussähnlichen Samen der Eibe sind bläulich-schwarz und sitzen einzeln an den Zweigen. Zur Reifezeit sind sie von dem charakteristischen roten Fruchtmantel umgeben. Dieser rote Fruchtmantel ist der einzige Teil der Eibe, der nicht giftig ist. Die Nadeln der Eibe führen keine Harzkanäle, anders als zum Beispiel bei Zypressen. Die Nadeln duften daher nicht, wenn man sie zerreibt.
Verbreitung und Lebensraum
Die Europäische Eibe ist in Mitteleuropa die bekannteste Vertreterin aus der Familie der Eibengewächse. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Atlasgebirge in Nordwestafrika über Europa, Kleinasien bis in den Kaukasus und den Nordiran. Ihr Verbreitungsgebiet in Europa ist nicht zusammenhängend. Es wird wesentlich durch ihre geringe Frosthärte bestimmt. Sie gedeiht vor allem dort, wo sich das Klima durch milde Winter, kühle Sommer, viel Regen und hohe Luftfeuchtigkeit auszeichnet. Die Eibe ist die schattenverträglichste Baumart Europas. Sie liebt tiefgründige, lockere, nährstoffreiche Böden. Sie steht nie im Reinbestand, sondern immer einzeln oder gruppenweise im Unterwuchs von Buchen- und Mischwäldern. Eiben finden sich häufig in Parkanlagen und Gärten. Sie werden heute vor allem als Hecken gepflanzt.
In Bayern gibt es noch schöne Bestände der Eibe, einer der bekanntesten ist sicher der "Paterzeller Eibenwald", der mittlerweile als europäisches Schutzgebiet geschützt ist.
Entwicklung/Fortpflanzung/Lebensweise
Der Zeitpunkt des ersten Blütenstandes variiert bei Eiben, abhängig von den Standortbedingungen. Unter optimalen Standortbedingungen tragen Eiben mit 15 bis 30 Jahren das erste Mal Blüten. Unter schlechteren Standortbedingungen kann sich die Geschlechtsreife hinauszögern. Die nur 1 bis 1,5 Millimeter großen weiblichen Blüten werden im Laufe der zweiten Sommerhälfte ausgebildet. Die männlichen Blüten weisen einen Durchmesser von etwa vier Millimetern auf. Sie enthalten sechs bis vierzehn schildförmige Staubblätter, die jeweils sechs bis acht gelbliche Pollensäcke tragen. Zur Blütezeit bilden sich an der weiblichen Blüte ein klebriger Bestäubungstropfen. Wenn sich die männlichen Pollensäcke durch Wärme öffnen, werden die Pollenkörner bereits durch geringe Windbewegungen fortgetragen. Der klebrige Berührungstropfen nimmt die anfliegenden Pollen auf. Die Blütezeit fällt in den Zeitraum von März bis April. Bei dieser frühen Blütezeit tragen Laubbäume in der Regel noch keine Blätter. So kann der Pollenflug weitgehend ungehindert stattfinden. Die Samen reifen von August bis Oktober und keimen erst im zweiten Frühjahr. Die Samenverbreitung erfolgt durch Vögel, die vom süßen Fruchtmantel angelockt werden.
Gefährdung/Bestand in Europa
Eiben wachsen extrem langsam und können über 1000 Jahre alt werden. In den heutigen Wirtschaftswäldern sind sie besonders durch ihr langsames Wachstum überaus selten. Die Europäische Eibe wird in Deutschland und Bayern als gefährdet eingestuft (Rote Liste Kategorie 3). Die Gründe für die Gefährdung der Eibe sind vielfältig. Eiben mögen keine Lichtstellung, besonders durch Kahlschlag, und Verbiss durch Rot- und Rehwild überstehen sie nur bis zu einem gewissen Grad. Ein weiterer Grund für den Rückgang der Eibenbestände ist die intensive Nutzung der Eiben im Mittelalter, denn Eibenholz wurde wegen seiner Elastizität sehr gerne für den Bogenbau verwendet. Auch das Vernichten der Eiben durch Pferdebesitzer, zum Schutz der Pferde, trug zum Seltenwerden der Eibe bei.
Weitere Infos/Übrigens/weiterführende Informationen/Wissenswertes
Alle Teile der Eibe sind giftig, bis auf den roten Fruchtmantel. Dieser schmeckt süßlich, allerdings mit einem kratzenden Beigeschmack. In einigen Gebieten Deutschlands werden diese Scheinfrüchte der Eibe zu Marmelade verarbeitet. Aber Aufpassen: Die giftigen Samenkörner im inneren der Frucht müssen vor dem Kochen entfernt werden! Rehe scheinen gegen das Gift der Eibe immun zu sein. Besonders schädlich ist es für Pferde. Daher wurden die Eiben zu Zeiten der Pferdefuhrwerke oft vernichtet, weil man Angst hatte dass die Pferde die Nadeln fressen und daran sterben. Die Eibe hat auch eine Geschichte als Heilpflanze. Wegen der starken Giftwirkung wird die Eibe heute in der Pflanzenheilkunde nicht mehr eingesetzt, in der Behandlung von Krebs werden ihre Wirkstoffe zur Herstellung von Medikamenten mit Erfolg in der Schulmedizin eingesetzt.
Quellen
http://de.wikipedia.org/
www.heilkraeuter.de/lexikon/eibe.htm
http://www.sdw.de/wald/baum_infos/faltblatt-eibe/taxus.htm
Steinbachs Naturführer „Bäume“. Erkennen und bestimmen. Mosaik Verlag, 2001
Eckhard Jedicke (Hrsg.): Die Roten Listen. Ulmer Verlag, 1997