Der Fischotter (Lutra lutra)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Altweltotter (Lutra)
Körperbau und Merkmale
Einschließlich seines ca. 40 cm langen, kegelförmigen Schwanzes erreicht der Fischotter eine Körpergröße von etwa 90 cm. Der Schwanz dient ihm beim Schwimmen und Tauchen zur Stabilisierung und Steuerung. Er hat eine Schulterhöhe von 25 bis 30 cm. Die Beine sind verhältnismäßig kurz.
Das Körpergewicht eines erwachsenen Fischotters kann bis zu 12 kg betragen.
Sein Rückenfell ist dunkelbraun, auf der Bauchseite ist es heller. An Kehle und Kinn zeichnen sich weißgraue Flecken ab.
Der Fischotter ist an ein Leben im Wasser angepasst. Zwischen den Zehen der Vorder- und Hinterbeine trägt er Schwimmhäute. Da er im Gegensatz zu anderen aquatisch (ausschließlich im Wasser lebend) oder semiaquatisch (zeitweise im Wasser lebend) lebenden Tieren keine dicke Fettschicht zur Wärmeisolation ausgebildet hat, ist er auf die schützende Funktion seines Pelzes angewiesen. Die Haare fassen wie bei einem Reißverschluss ineinander. Das so entstehende dichte Geflecht ist stark wasserabweisend und kann Luftblasen zur Isolation einschließen. Die langen Tasthaare an der Schnauze des Otters helfen ihm bei der Orientierung und bei der Suche nach Nahrung im trüben Wasser.
Verbreitung und Lebensraum
Der Fischotter kommt in fast ganz Europa vor. Nur auf Island und den Mittelmeerinseln fehlt er. Auch findet man ihn in Nordafrika, Kleinasien und in östlicher Ausbreitung bis nach Japan. Er meidet allerdings die Wüsten und Steppen Zentralasiens.
In vielen Regionen seines Verbreitungsgebietes ist der Fischotter bedroht. Größere Population gibt es in Mitteleuropa nur noch in Tschechien, in Ostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Ostsachsen) und im Bayerischen Wald. Einige Restpopulationen findet man auch noch in Österreich. In der Schweiz starb der Fischotter bereits im Jahre 1989 aus.
Der Lebensraum des Otters richtet sich vor allem nach dem Angebot der als Nahrung dienenden Fische. Er bewohnt stehende wie auch fließende Gewässer, wie z.B. Flüsse, Bäche, Seen, Sümpfe, Flussmündungen und Meeresufer. An Binnengewässern ist eine flache, dicht bewachsene aber auch abwechslungsreiche Ufer- aber auch Gewässerstruktur essentiell. Er bevorzugt bewaldete, busch- oder schilfbestandene Ufer.
Fortpflanzung und Lebensweise
Die Anwesenheit eines Fischotters ist meist nur durch seine ausgetretenen Ottersteige (Wanderwege der Otter) erkennbar. Die gut im Unterholz getarnten Ausstiege an den Ufern der von ihm bewohnten Gewässer sind kaum zu erkennen.
Der ursprünglich tag- und dämmerungsaktive Fischotter ist durch jahrhundertelange Verfolgung durch den Menschen zu einem dämmerungs- und nachtaktiven Tier geworden. Sie sind sehr territorial und leben einzeln. Die Reviere der Ottermännchen ziehen sich zwischen 30 und 40 km an den Ufern ihrer Wohngewässer entlang. Alle etwa 1000 m braucht der Otter einen Unterschlupf, um dort eine Möglichkeit zu haben zu schlafen oder sich zu verstecken. In einer einzigen Nacht legen die Männchen bis zu 15 km zurück. Die Reviere der Weibchen liegen innerhalb derer der Männchen und dehnen sich über eine Strecke von ca. sieben Kilometern.
Die Hauptpaarungszeit (Ranz) des Fischotters liegt zwischen Februar und März. Die Tragzeit beträgt zwischen 58-62 Tage, so dass die Weibchen zwischen April und Juni ein bis drei Junge zur Welt bringen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt blind und öffnet im Alter von ungefähr 31-35 Tagen die Augen. Ab der sechsten Lebenswoche verlassen sie erstmals den Bau und unternehmen die ersten Schwimmversuche. Sie werden zwischen acht und vierzehn Wochen von der Mutter gesäugt. Mit neun Monaten sind sie selbständig, bleiben aber bis zum Alter von vierzehn Monate bei ihrer Mutter, um die Jagd zu erlernen.
Männliche Fischotter werden im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst in ihrem dritten Jahr.
Fischotter sind sehr spielfreudig. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher. Bei einem Tauchgang können sie bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben und dabei 18 m tief tauchen. Ohren und Nasenöffnungen können sie dabei verschließen. Beim Schwimmen ragen nur der Kopf und der Hals aus dem Wasser, der Rest des Körpers bleibt unter Wasser.
Nahrung
Das Nahrungsspektrum des Fischotters ist recht vielseitig. Er frisst vor allem das, was er am leichtesten erbeuten kann. So ernährt er sich vor allem von Fischen, aber auch Fröschen, Krebsen, Mäusen, Ratten, Insekten und Wasservögeln. Da er beim Fischfang vor allem schwache und langsame Exemplare erbeutet, sorgt er für die Gesunderhaltung der Fischbestände. Kleinere Beutetiere vertilgt er direkt im Wasser, größere bringt er an Land und verspeist sie dort.
Gefährdung und Bestand in Europa
Der deutsche Gesamtbestand des Fischotters wird auf etwa 700-1.200 Tiere geschätzt.
In Deutschland fällt der Fischotter zwar immer noch unter das deutsche Jagdgesetz, doch ist die Jagd seit 1968 untersagt. Trotz der schon seit Jahren andauernden Schutzmaßnahmen, gingen und gehen die Otterbestände in Deutschland, wie auch im Rest Europas, stetig zurück. Grund dafür ist die drastische Verringerung bzw. die Zerstörung von für den Fischotter geeigneten Lebensräumen durch Verbauungen, Trockenlegungen und Abholzung. Zusätzlich machen Verschmutzungen des Wassers dem Otter schwer zu schaffen. Durch Einleitung von z.B. Schwermetallen und Pestiziden ins Wasser wurde die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere stark beeinträchtigt. Aber auch der Straßenverkehr stellt eine große Gefahr dar. Da Otter Brücken niemals im Wasser unterqueren, finden sie oftmals bei dem Versuch die Brücke zu überqueren und dabei die Straße zu passieren den Tod.
Nach Auskunft der Arbeitsgemeinschaft Fischotterschutz wurden in Bayern seit 1994 knapp 60 Totfunde, davon nachweislich über 90 Prozent Verkehrsopfer, gemeldet. Dies sind nur die gemeldeten Fälle, die tatsächliche Zahl dürfte noch deutlich höher liegen.
In Deutschland und Bayern wird der Fischotter in der Roten Liste gefährdeter Tierarten nach Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) eingestuft.
Der Fischotter ist eine Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie. Zum Schutz des Bestandes sind die besten Vorkommen als FFH-Gebiete (europäische Schutzgebiete) gemeldet. Maßnahmen zur Verbesserung des "Erhaltungszustandes" sind nötig. Zudem ist der Fischotter auch eine Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie.
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) setzt sich für den Schutz des Fischotters im Bayerischen Wald und in Oberbayern ein: durch aktiven Lebensraumschutz und durch Mitarbeit in der "Arbeitsgemeinschaft Fischotterschutz" (1986 gegründet). Der BN arbeitet auch in der Arbeitsgruppe zur Erstellung eines Fischotter-Managementplanes für Bayern mit.
Auch der BUND setzt sich für den Fischotterschutz ein (www.bund-neubrandenburg.de/BUND/Fischotter.htm)
Wissenswertes
Früher wurde der Fischotter wegen seines schönen und wertvollen Felles gejagt. Auch galt er bei den Fischern als Konkurrent. Wie auch der Biber wurde er zudem als Fisch betrachtet und durfte während der Fastenzeit verspeist werden.
Etwa 10% seiner täglichen Wachzeit verbringt der Fischotter damit, sein Fell zu pflegen.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com
www.world-of-animals.de