Steckbrief der Woche: Der Gänsesäger (Mergus merganser)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Enten (Anatinae)
Tribus: Meerenten (Mergini)
Gattung: Säger (Mergus)
Körperbau und Merkmale
Seinen Namen trägt der Gänsesäger aus zwei Gründen. Zum einen liegt seine Körpergröße zwischen der der Ente und der Gans. Zum anderen hat der Gänsesäger einen roten schmalen, sägeartig gezähnten Schnabel mit einem scharfen, gebogenen Nagel an der Spitze. So kann er seine Lieblingsspeise Fisch gut festhalten.
Die beiden Geschlechter sind sehr unterschiedlich gefärbt. Im Prachtkleid ist das Männchen überwiegend weiß. Der Kopf und Hals sind schwarz. Den Kopf zieren lange Hinterkopffedern, die ihn beulenförmig erscheinen lassen. Der Rücken ist überwiegend schwarz. Die Weibchen hingegen sind überwiegend grau gefärbt. Der Kopf und der obere Abschnitt des Halses sind rotbraun. Die Färbung des Kopfes grenzt sich scharf gegen das weiße Kehlfeld ab. Die ebenfalls langen Hinterkopffedern liegen meistens an.
Verbreitung und Lebensraum
Gänsesäger besiedeln v.a. den Norden Europas, Asiens und Nordamerikas. Die Verbreitungs- und Brutgebiete Deutschlands sind der Ostseeraum, Ostbrandenburg und Südbayern. Zur Mauser oder auf dem Durchzug ist er teilweise aber auch an der Nordseeküste zu finden. Gänsesäger sind Kurzstreckenzieher. Die Populationen Großbritanniens und Islands verbleiben so meist ganzjährig in ihrem Brutgebiet.
Fortpflanzung und Verhalten
Die Brutgebiete des Gänsesägers liegen an fischreichen Seen und Flüssen. Da er ein Baumhöhlenbrüter ist, bevorzugt er baumbestandene Uferbereiche.
Gänsesäger führen eine monogame Saisonehe, d.h. sie bleiben eine Brutsaison lang zusammen. Die Weibchen legen acht bis zwölf Eier, die 30-32 Tage bebrütet werden. Da die Auswahl geeigneter Nistplätze zu gering ist, kann es gelegentlich vorkommen, dass zwei Weibchen ihre Eier in der gleichen Höhle ablegen. Schon am ersten Tag nach dem Schlüpfen verlassen die Küken, durch ihre Mutter angelockt, die Bruthöhle. Mit gespreizten Flügeln und Füßen springen sie aus einer Höhe von manchmal bis zu 20 m. Nach dem Sprung führt sie die Mutter schnellstmöglich ins Wasser. Kleinere Küken werden von ihrer Mutter beim Schwimmen auf dem Rücken transportiert. Im Alter von 60-70 Tagen werden die Jungtiere flügge.
Gänsesäger werden mit ungefähr zwei Jahren geschlechtsreif.
Die größte Gefahr für die Jungvögel geht neben schlechter Witterung und Hochwässern von Mardern, Hechten, Rohrweihen oder dem Habicht aus. Wanderfalken, Uhus und Seeadler erbeuten zudem auch die erwachsenen Tiere.
Nahrung
Der hervorragend an den Fischfang angepasste Schnabel verrät schon die bevorzugte Nahrungsquelle des Gänsesägers. Bis zu 300 g pro Tag isst er von seiner Lieblingsspeise, die zumeist aus kleinen sowie jungen Fischen mit einer maximalen Länge von 10 cm besteht. Im Süßwasser sind dies vor allem Weißfischarten, im Salz- oder Brackwasser meist Stichlinge aber auch Aale. Sie erbeuten ihre Nahrung, indem sie während des Schwimmens den Kopf in das Wasser stecken und nach Futter Ausschau halten. Jungtiere ernähren sich anfangs hauptsächlich von Wasserinsekten.
Gefährdung und Bestand in Europa
Auch die Gefährdung des Gänsesägers hat mannigfaltige Ursachen. Flussverbauungen, das Schlagen der als Brutbäume genutzten Altholzbestände, aber auch die Bejagung stellen die größten Gefahren für die Bestände dar. Erst seit Einführung eines Jagdverbotes der fälschlicherweise als Konkurrenten der Fischer betrachteten Gänsesäger in den 1970er Jahren erholen sich die Populationen. Hinzu kamen aber neue Störungsquellen in Form des Wassersports sowie der Anreicherung von Umweltgiften in den von den Gänsesägern verspeisten Fischen.
Schätzungen gehen heute von einem etwa 52.000 Brutpaare umfassenden gesamteuropäischen Bestand aus. In Mitteleuropa brüten davon ca. 1500 bis 2000 Paare.
In Bayern brüten Gänsesäger v.a. an den Alpenflüssen und Voralpenseen. Der Brutbestand wird in Bayern auf 250-290 Tiere geschätzt (LfU, 2005). Der Gänsesäger ist in Bayern stark gefährdet (Rote Liste "2"), in Deutschland gefährdet (Rote Liste "3"). Durch die lokale Zunahme von Beständen wurde in Bayern seit etwa 2005 von den Fischern der Abschuss gefordert und seit 2006 trotz Protesten der Naturschutzverbände und gegenteiliger Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojektes "Artenhilfsprogramm Äsche" (LBV, BN, LFV) auch in Einzelfällen genehmigt.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
Der neue Kosmos Vogelführer, 2005, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
Die Kosmos Vogelenzyklopädie, 2003, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com
www.bfn.de