Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus)
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flussjungfern (Gomphidae)
Körperbau und Merkmale
Die Gemeine Keiljungfer ist eine gedrungene, kräftig gebaute Libelle mit einer Flügelspannweite von sechs bis sieben Zentimetern und einer Körperlänge von etwa fünf Zentimetern. Der für die Gattung namensgebende Keil ist eine Verdickung der letzten Segmente des Hinterleibs und nur bei den Männchen ausgeprägt. Ihre typische, gelb-schwarze Zeichnung stellt eine hervorragende Tarnfärbung sowohl in der Vegetation wie auf dem Boden dar und macht die Art eigentlich unverwechselbar, auf den ersten Blick kann sie jedoch mit anderen, ähnlich gezeichneten Flussjungfern verwechselt werden.
Verbreitung und Lebensraum
Die Gemeine Keiljungfer fast in ganz Europa heimisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der nördlichen Iberischen Halbinsel bis zum Ural. Im Norden verläuft die Verbreitungsgrenze durch England und das südliche Skandinavien, im Süden von Südfrankreich über Mittelitalien und Nordgriechenland bis zum Kaukasus.
Sie besiedelt in erster Linie Fließgewässer des Tieflandes und der Ebene, von breiteren Bächen über Flüsse und Kanäle bis hin zu großen Strömen. Daneben werden aber auch die Uferbereiche von Seen und Abbaugewässern wie Baggerweiher als Habitate genutzt. Wichtigster Faktor für die Besiedlung aller Lebensräume stellt dabei relativ feines, meist sandiges oder schluffiges Substrat als Lebensraum für die Larven dar, auch sehr kleinräumig. Durch Wasserverunreinigung sind ihre Bestände stark zurückgegangen oder gebietsweise schon ganz verschwunden.
Entwicklung/Fortpflanzung/Lebensweise
Die Gemeine Keiljungfer ist eine der ersten Libellen des Frühjahres, das Schlüpfen der ausgewachsenen Libellen beginnt etwa Ende April und dauert bis in den Juli hinein. Das Gros der Tiere schlüpft allerdings in den ersten vier Wochen. Die Flugzeit endet Anfang August, Einzelbeobachtungen von erwachsenen Libellen sind in Ausnahmefällen bis Anfang September möglich. Nach dem Schlupf verlassen die jungen Libellen das Gewässer und verteilen sich während einer maximal zweiwöchigen Reifungsperiode im Umland, oftmals mehrere Kilometer vom Entwicklungsgewässer entfernt. Erst als geschlechtsreife, adulte Tiere sind sie wieder am Gewässer zu finden. Meist kann man dort jedoch nur die Männchen beobachten, die an Fließgewässern gerne Reviere von zehn bis 20 Metern Uferlänge besetzen, die von Bäumen oder Steinen aus auf der Ausschau nach Weibchen überwacht werden. Die Weibchen kommen nur zur Paarung und zur Eiablage ans Gewässer und sind entsprechend selten zu beobachten.
Die Paarung ist langwierig und kann bis über eine Stunde dauern, die das Paarungsrad bewegungslos in der Vegetation versteckt in Gewässernähe verbringt. Anschließend fliegen die Weibchen allein zum Gewässer, wo sie im Sitzen mit angehobenem Hinterleib einen erbsengroßen Eiklumpen auspressen, den sie anschließend im Flug mit Wippbewegungen auf der Wasseroberfläche nach und nach abstreifen.
Die nachtaktiven Larven leben in Feinsediment wie Sand oder Schlamm eingegraben, wo sie als Ansitzjäger ihrer Beute ruhig auflauern. Der Entwicklungszyklus der Larven umfasst mehr als zehn Stadien und beträgt zwei, drei oder vier Jahre. Die Dauer des Entwicklungszyklus ist dabei wahrscheinlich nicht von der geographischen Lage bzw. dem Klima abhängig, sondern vom Gewässertyp. Eine zweijährige Entwicklung ist wohl nur in großen Strömen mit warmen Flachwasserbereichen möglich.
Nahrung
Die Larven verlassen nachts ihr Versteck und streifen Beute suchend am Gewässergrund umher. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Boden bewohnenden Würmern und Insektenlarven. Die erwachsenen Libellen ernähren sich ebenfalls räuberisch von kleinen Insekten, Fliegen und Stechmücken. Diese fangen sie im Flug. Sie nutzen dafür ihre zu einem Fangapparat umgestalteten Beine, mit denen sie ihre Opfer ergreifen.
Gefährdung/Bestand in Europa
Da viele Libellen hochspezialisiert und empfindlich auf Lebensraumveränderungen reagieren, sind zahlreiche Arten in ihrem Bestand bedroht. Nach der Bundesartenschatzverordnung zählen alle Libellenarten zu den 'besonders geschützten Arten'. Die Gemeine Keiljungfer ist nach Bundesdeutscher Roter Liste als "stark gefährdet" (RL 2) eingestuft, in Bayern ist sie "gefährdet" (RL 3).
Gefährdungen für die Gemeine Keiljungfer gehen aus von
- Nährstoffanreicherung/ Wasserverschmutzung (auch kurzzeitige Wasserverschmutzung
während der Larvenentwicklung)
- der Beseitigung von Feuchtgebieten
- naturfremden Ausbau und naturfremder Unterhaltung der Gewässer
- Grundwasserabsenkung
- der Pflanzenbeseitigung im Wasser- und Uferbereich
Folgende Schutzmaßnahmen können der Gemeinen Keiljungfer helfen:
- Erhaltung/Wiederherstellung, sauberer, sauerstoffreicher Fliehgewässer und naturnaher
Stillgewässer einschließlich einer Pufferzone
- Reduzierung der Gewässerverunreinigung / Nährstoffanreicherung durch weitestgehende
Abwasserreinigung
- keine Kalkung und Düngung der Gewässer
- keine chemische Pflanzenbekämpfung im Wasser- und Uferbereich
Quellen
http://de.wikipedia.org/
http://www.insektenbox.de
www.maerkische-schweiz.com
Steinbachs Naturführer „Insekten“, Mosaik-Verlag 2002