Der Grünspecht (Picus viridis)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Picus
Körperbau
Grünspechte werden bis zu 31 cm lang und erreichen eine Flügelspanne von etwa 52 cm. Ihre Oberseite sowie der Schwanz sind olivgrün, die Unterseite dagegen hell grünlich bis grau. Markant ist ihre rote Kappe, die von der Stirn bis in den Nacken reicht. Vom kräftigen Schnabel bis hinter die Augen tragen die Tiere eine schwarze Gesichtsmaske. Die Flügel der Vögel sind braunschwarz, gelblich oder bräunlichweiß gefleckt. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Unterscheiden kann man sie am Wangenfleck, der bei den Männchen rot, bei den Weibchen schwarz ist.
Verbreitung und Vorkommen
In drei Unterarten kommen Grünspechte in großen Teilen Europas und Vorderasiens vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Skandinavien und Großbritannien bis zum Mittelmeerraum. Weiterhin sind sie im Kaukasus bis zum Nord-Iran und Turkmenien zu finden.
Bevorzugte Brutgebiete suchen die Vögel in halboffenen Landschaften wie z.B. am Rand von Laub- und Mischwäldern (im Gebirge auch in Nadelwäldern), in Parks und besonders gern auf Streuobstwiesen.
Gefährdung:
Der Grünspecht ist in Bayern aktuell nicht gefährdet und keine Art der "Roten Liste". Andere Spechtarten wie der ähnlich aussehende Grauspecht sind aber wegen des Rückgangs an Alt- und Totholz und strukturreicher Wälder in Bayern gefährdet.
Lebensweise
Grünspechte sind Standvögel, das heißt sie sind ganzjährig in einem Gebiet anzutreffen und wandern nicht jahreszeitlich bedingt. Die tagaktiven Vögel bewegen sich vornehmlich am Boden, was ihnen auch den Namen „Erdspecht“ eingebracht hat.
Fortpflanzung
Bereits ab Dezember versuchen die Männchen mit ihren Balzrufen Weibchen anzulocken. Erst im März bzw. April findet dann die Paarbildung statt und die Tiere besetzen feste Reviere. Als Nistplätze werden gerne verlassene Höhlen anderer Spechtarten genutzt, gegebenenfalls legen sie aber auch eigene Höhlen an. Bei der Baumauswahl sind Grünspechte wenig wählerisch. Es werden Buchen, Eichen, Bergahorn, Linden, Birken, Pappeln, Weiden und Erlen bewohnt. Auch in verschiedenen Obstbäumen nisten die Tiere gerne.
Die fünf bis sieben Eier werden im Nest für 14 bis 18 Tage bebrütet. Im Juni/ Juli verlassen die Jungvögel die Bruthöhle (nach 23 bis 27 Tagen), werden jedoch noch einige Zeit von beiden Eltern betreut.
Nahrung
Besonders am frühen Morgen sieht man die Grünspechte auf Freiflächen im Boden wühlen und nach Nahrung suchen. Sie sind ausgesprochene Spezialisten für bodenlebende Ameisen (ganz entgegen der Annahme, dass alle Spechte an Bäumen klopfend ihre Nahrung suchen). Bei der Jagd hilft ihnen die bis zu 10 cm lange Zunge, die weit in die Ameisenbauten hinein reicht. Am Zungenende sitzen praktische Widerhaken. Aber auch Würmer und andere Wirbellose werden nicht verschmäht. Gelegentlich verzehren die Spechte auch Samen und Früchte.
Im Winter graben sie im Schnee um an Nahrung zu gelangen, suchen aber auch Felsspalten, Leitungsmasten etc. ab um Insekten und Würmer zu erbeuten.
Weitere Infos
Verwechslungsgefahr droht mit dem ähnlich aussehenden Grauspecht, der ebenfalls bei uns heimisch ist. Allerdings ist er etwas kleiner und hat einen grauen Kopf, ein dunkelrotes Auge und nur einen sehr schmalen schwarzen Streifen am Kinn. Auch die Rotfärbung am Kopf zeigt Unterschiede zwischen beiden Arten. Nur die männlichen Grauspechtechte tragen etwas rot am Vorderkopf, beim Weibchen fehlt die Zeichnung komplett.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com