Steckbrief der Woche: Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Ragwurzen (Ophrys)
Merkmale
Diese Orchideenart erreicht eine Höhe von 10 bis 50 cm. Die vier bis sieben bläulichgrünen Laubblätter sind am Grunde rosettig angeordnet. Nach oben hin besitzt die Pflanze ein bis zwei Stängel umfassende Hochblätter. Der verlängerte Blütenstand wird bis zu 20 cm lang und enthält zwei bis zehn Blüten. Diese sind recht unterschiedlich in Form, Farbe und Größe.
Die meist weißlichen oder rosa farbenen Kelchblätter (Sepalen) sind länglich eiförmig, stumpf, 9-13 mm lang und abstehend bzw. leicht zurückgeschlagen. Die Kronblätter (Petalen) dagegen haben eine dreieckige Form, selten lanzettlich, werden 2-7 mm lang, sind dicht behaart und meistens etwas dunkler als die Kelchblätter. Die Lippe ist eiförmig bis fast quadratisch. Sie erreicht eine Länge von 9- 16 mm und eine Breite von 10- 22 mm und ist ganzrandig, nur selten schwach dreilappig, ziemlich flach und in der Mitte etwas gewölbt. An ihrem Grund sitzen meistens hellbraune bis dunkelbraune Höcker, die vorne mit einem breiten, gelblichgrünen, aufwärts gerichteten Anhängsel versehen sind. In der Mitte sind sie samtartig, an den Rändern und über dem Anhang dichter und länger behaart. Die Zeichnung auf der Lippe ist sehr unterschiedlich.
Die Blütezeit der Hummel-Ragwurz reicht von Mai bis Juni. Im Mittelmeerraum erscheint sie entsprechend früher.
Verbreitung
Die Hummel-Ragwurz ist in Europa nur im mediterranen und submediterranen Raum beheimatet, sowie nördlich bis Südenengland verbreitet. Bei uns in Deutschland findet man sie fast nur im Süden. Größere Vorkommen existieren in Baden-Württemberg (Oberrhein, Alb) und in Rheinland-Pfalz / Saarland (Eifel/Mosel). Kleinere Vorkommen konnten in den letzten Jahren auch wieder in Nordbayern und Hessen nachgewiesen werden. In Bayern ist sie im wesentlichen auf die Unteren Flusstäler des Lech und der Donau beschränkt. Neben der Hummel-Ragwurz sind in ihrem Vorkommensbereich auch die anderen vier (oder je nach Autor fünf) Ragwurzarten vertreten, die man in Deutschland finden kann.
Lebensraum
Die Hummel-Ragwurz fühlt sich auf trockenen bis mäßig trockenen warmen Wiesen (z.B. Magerwiesen und Halbtrockenrasen) sowie auf buschigen Hängen wohl. Man findet sie auch in lichten Kiefernwäldern. Stets ist sie auf kalkhaltigen Boden angewiesen. In Bayern ist sie eine typische Art der Schotterhaiden oder -brennen der Flusstäler Lech und Donau, deren Geröll aus den Kalkalpen kommt. Dieser Lebensraum ist aber aufgrund der Begradigung und dem Aufstau der Flüsse stark gefährdet und nur noch in Relikten vorhanden.
Bedrohung
Entsprechend der Gefährdung ihrer Lebensräume ist auch die Hummel-Ragwurz in Deutschland stark gefährdet ("Rote Liste" Deutschland und Bayern: 2).
Wissenswertes
Alle Ragwurzarten sind Meister der Täuschung. Ihre Blüten ähneln gewissen Insekten und locken auf diese Weise so besonders die Männchen dieser Insektenarten an. Die Blüten ziehen darüber hinaus auch kurzsichtige Insekten an: Sie senden einen Duftstoff aus, der dem Sexuallockstoff der Weibchen ziemlich ähnlich ist. Das „betörte“ Männchen setzt sich auf die Blüte und kommt dabei mit einer Klebscheibe in Kontakt, an der die Pollinen hängen. Nachdem es den Irrtum bemerkt hat, fliegt es mit den Pollinen ab, lässt sich aber gleich von der nächsten Orchideenblüte wieder anlocken und sorgt so für die Bestäubung der Art.
Quellen
www.wikipedia.de
www.m-klueber.de
www.natur-lexikon.com