Der Kleinspecht (Dendrocopos minor)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Buntspechte (Dendrocopos)
Körperbau und Merkmale
Der zu der Gattung der Buntspechte gehörende Kleinspecht ist mit einer Spannweite von 24 bis 28 cm der Winzling unter seinen nächsten Verwandten. Sein Gewicht liegt zwischen 20 und 25 Gramm.
Sein auffälligstes Merkmal ist, wie auch bei den anderen Buntspechtarten, sein schwarz-weiß kontrastiertes Gefieder. Der Rücken und die Flügel sind quergebändert. Auf der Brust ist er weißlich gefärbt, und trägt schwarze Längsstreifen. Die obere Seite des Schwanzes ist schwarz, die untere Seite weiß mit schwarzen Flecken. Aufgrund seiner geringen Größe und seines sehr spitzen Schnabels besteht dennoch kaum die Gefahr einer Verwechslung mit anderen Spechten.
Die beiden Geschlechter unterscheiden sich nur durch die Färbung des Scheitelflecks. Bei männlichen Kleinspechten ist er rot, bei den Weibchen ist er bräunlich bis schwarz gefärbt.
Verbreitung und Lebensraum
In elf Unterarten ist der Kleinspecht ganzjährig in weiten Teilen Europas mit Ausnahme von Irland, Island und den Mittelmeerinseln, verbreitet. Sein Vorkommen erstreckt sich außerdem in einem breiten Streifen über den ganzen asiatischen Kontinent bis nach Japan. Prinzipiell wird sein nördliches Verbreitungsgebiet durch die Waldgrenze und sein südliches durch die Steppen und Wüsten Zentral- und Ostasiens begrenzt.
Abhängig von seinem Lebensraum kommt der Kleinspecht in Mitteleuropa als Zugvogel, Standvogel oder Strichvogel vor. Als Strichvögel verlassen sie vor allem im Winter ihr Brutgebiet, unternehmen jedoch im Gegensatz zu den Zugvögeln keine ausgedehnten Wanderungen in den Süden.
Fortpflanzung und Lebensweise
Der tagaktive Kleinspecht lebt und brütet bevorzugt in lichten Laubwäldern, auf Streuobstwiesen, in Obstgärten, Parks und in Auwäldern. Allgemein zieht er Standorte in Wassernähe vor. Um seine Bruthöhlen bauen zu können und um trotz seines kurzen Schnabels nach Nahrung hacken zu können, zieht er prinzipiell einen alten Baumbestand aus Weichhölzern wie Birken oder Pappeln vor. Auch stehendes Totholz ist für seine Lebensweise essentiell.
Kleinspechte legen ihre Bruthöhlen stets selbst an. Die beiden Partner hacken sie gewöhnlich so in die horizontalen Seitenäste meist abgestorbener Bäume, dass die Einflugöffnung nach unten zeigt. So ist die Höhle wettergeschützt. Durchschnittlich beträgt die Dauer des Höhlenbaus zwei Wochen. Es wird dabei ein Volumen von fast einem Liter ausgemeißelt.
Kleinspechte führen eine Saisonehe, das heißt, das die Paare nur für den Fortpflanzungzeitraum eine Gemeinschaft bilden. Aufgrund ihrer hohen Standorttreue sind bei den Kleinspechten Wiederverpaarungen jedoch nicht ungewöhnlich.
Das Weibchen legt vier bis sechs Eier, die zehn bis zwölf Tage bebrütet werden. Die darauffolgende Nestlingszeit umfasst 18 bis 21 Tage während der die Jungen von beiden Eltern gefüttert und gehudert werden. Nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungen noch zwei Wochen von den Eltern mitgefüttert.
Nahrung
Aufgrund seiner geringen Größe ist ihm sogar die Nahrungssuche an dünnen Zweigen vor allem in den Baumkronen möglich, die den anderen, größeren Spechten unzugänglich bleiben. In den Sommermonaten vertilgt er neben Insekten auch Spinnen. In den Wintermonaten ernährt er sich von den lebenden Insektenlarven und Käfern, die er unter der Rinde von Bäumen findet.
Gefährdung und Bestand in Europa
Auch aufgrund seines in den dichten Baumkronen stattfindenden Lebens kann der Bestand des Kleinspechtes nur geschätzt werden. In Mitteleuropa geht man von 220.000 Brutpaaren aus. Eines der bedeutendsten Vorkommen liegt mit 16.000 bis 32.000 Brutpaaren in Deutschland.
Zwar gibt es immer wieder Anzeichen für einen leichten Bestandsrückgang, doch stuft ihn die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) noch als "ungefährdet" (least concern) und Birdlife Europe mit "gesichert" (secure) ein.
Die Gründe für den Bestandsrückgang des Kleinspechtes liegen vor allem in der Veränderung seines Lebensraumes. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten und die Rodung von Wäldern und Streuobstwiesen zählen genauso dazu, wie auch die Ausbreitung seines stärksten Konkurrenten, des Buntspechtes. Dieser profitiert von der immer weiter verbreiteten Aufforstung mit Fichtenbeständen und gilt als der wesentlichste Nesträuber des Kleinspechtes.
Wissenswertes
Die Reihen spitzer „kikiki…“-Rufe erinnern an die des Turmfalken
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
KOSMOS Naturführer, 2005, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
Der große Vogelatlas, 2006, Eugen Ulmer KG
Die Kosmos Vogelenzyklopädie, 2003, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com