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Naturwaldreservat

 

Naturwaldreservat

 

Als Naturwaldreservat, Naturwaldzelle oder Naturwaldparzelle wird ein Waldgebiet bezeichnet, in dem die Entnahme von Holz und sonstige wirtschaftliche Nutzung untersagt ist. Der Wald wird im Wesentlichen der natürlichen Entwicklung überlassen, so dass im Idealfall nach langer Zeit eine neue Urwald-Wildnis entstehen kann.

 

Je nach Bundesland werden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet. In Baden-Württemberg wird die Bezeichnung Bannwald verwendet, in Nordrhein-Westfalen Naturwaldzelle. Das bekannteste Beispiel sind Flächen im Nationalpark Bayerischer Wald. In ganz Deutschland gibt es derzeit 717 Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von 31.251 Hektar. Die meisten Naturwaldreservate haben die Bundesländer Bayern (154), Baden-Württemberg (108) und Niedersachsen (106) ausgewiesen. Mit 6693 und 6616 Hektar sind Baden-Württemberg und Bayern die Spitzenreiter in der Gesamtsumme der Fläche, gefolgt von Niedersachsen (4469 Hektar). Naturwaldreservate sollen die Vielfalt der Waldgesellschaften und Lebensgemeinschaften in Deutschland repräsentieren. Sie umfassen ein breites Spektrum von mittel bis gut versorgten Böden bis hin zu seltenen oder extremen Standorten. Entsprechend ihrer weiten natürlichen Verbreitung herrschen in Deutschland Buchenwaldgesellschaften vor.

 

Durch die Ausweisung von Naturwaldreservaten können sich die natürlichen Abläufe im Wald ungestört entfalten. Dadurch bleiben die typische Pflanzen- und Tierwelt erhalten bzw. sie können wieder Fuß fassen. Bäume können hier ihre natürliche Altersgrenze erreichen, sterben ab und zersetzen sich an Ort und Stelle. Reife Naturwaldreservate zeichnen sich daher durch alte Baumriesen und starkes, abgestorbenes Holz unterschiedlicher Zersetzungsgrade aus. Sie bieten dadurch für eine große Zahl von Tieren und Pflanzen bedeutende Lebensräume. So finden im Naturwald seltene Tiere wie Wildkatze, Baummarder und Luchs ideale Lebensbedingungen vor. Bei den Insekten und anderen kleineren Organismen ist im Naturwald eine ungeahnte Artenvielfalt anzutreffen. So brauchen beispielsweise der sehr spezialisierte Totholzkäfer (über 1300 Arten) und die holzbewohnenden Pilze (rund 1500 Arten) vor allem starkes abgestorbenes Holz. In manchen bayrischen, seit 30 Jahren ungenutzten Buchenreservaten haben sich bereits Totholzmengen von über 100 Kubikmetern pro Hektar gebildet. Dies entspricht Werten wie in echten Urwäldern.

 

Naturwaldreservate tragen maßgeblich zum Erhalt der natürlichen waldtypischen Biodiversität bei. Von hier aus können spezialisierte oder seltene Arten naturnäher gewordene Wirtschaftswälder wieder besiedeln. Die Reservate sind daher von enormer Bedeutung für den Biotopverbund im Wald. Weiterhin sind sie von großer Bedeutung für die Erforschung von unbeeinflussten Waldlebensgemeinschaften. Dies schließt neben dem Boden, der Vegetation und dem Waldbestand auch die zugehörige Pilz- und Tierwelt ein. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den Naturwaldreservaten können in Naturschutzkonzepte und Waldbauprogramme für den Wirtschaftswald einfließen.

 

Defizite bestehen vielfach hinsichtlich der Größe der einzelnen Flächen. Viele Naturwaldreservate sind zu klein, um wirklich die vollständige Dynamik und Artenvielfalt zu ermöglichen. Auch sind nicht alle typischen Waldtypen gleich ausreichend repräsentiert. Das Netz der Naturwaldreservate ist daher in vielen Bundesländern, so in Bayern, nachzubessern. 

 

 

Quellen und Links:

http://www.lwf.bayern.de/oekosystem_wald/naturwaldreservate/

www.lwf.bayern.de/imperia/md/content/lwf-internet/veroeffentlichungen/lwf-faltblatt/02/nwr_web.pdf

www.naturwaelder.de

http://de.wikipedia.org/

 

 

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