Der Neuntöter (oder Rotrückenwürger) (Lanius collurio)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Würger (Laniidae)
Gattung: Würger (Lanius)
Körperbau
Neuntöter sind etwas größer als ein Sperling. Sie tragen einen langen Schwanz. Ihr Schnabel ist kräftig, der Oberschnabel leicht hakenförmig. Die männlichen und weiblichen Tiere sind leicht an ihrer Gefiederfärbung zu unterscheiden. Die Männchen besitzen eine markante schwarze Augenmaske. Ihr Oberkopf und Nacken sind hell aschgrau, der Mantel rotbraun (daher der Name „Rotrückenwürger), ihre Brust rötlich-weiß. Die Weibchen dagegen sind auf der Oberseite rostbraun, unten bräunlich weiß mit einer dunklen Schuppenzeichnung. Die Jungtiere sehen den Weibchen sehr ähnlich.
Verbreitung und Vorkommen
In Europa kann man dem Neuntöter von April bis September begegnen. Er fehlt auf den britischen Inseln, in Nordeuropa und der Iberischen Halbinsel. Als Langstreckenzieher überwintert er in Ost- und Südafrika.
Die Vögel bevorzugen (halb-)offenes strukturreiches Gelände mit Dornensträuchern und Hecken. Sie sind auf Moor- und Heideflächen anzutreffen, aber auch an Waldrändern. Außerdem halten sie sich gerne in menschlich geprägtem Umfeld auf wie z.B. in Obstgärten, Weinbergen, verwilderten Gärten und Feldgehölzen.
Gefährdung:
Mit der Abnahme der geeigneten strukturreichen Lebensräume ist auch der Neuntöter in unserer Landschaft selten geworden, auch wenn er aktuell nicht in der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt wird. Der Neuntöter ist als Art der Europäischen Vogelschutzrichtlinie streng geschützt.
Fortpflanzung
Neuntöter leben als Paar nur während der Brutsaison zusammen. Aufgrund der Reviertreue kann es im Folgejahr aber zur Wiederverpaarung kommen. Die Brutzeit beginnt im Mai. Die einem tiefen Napf ähnlichen Nester werden bevorzugt in dornigen Büschen und Sträuchern, ein bis zwei Meter über dem Boden angelegt. Allein die Weibchen brüten für zwei Wochen die meist 5 bis 6 Eier aus. Bereits nach weiteren 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, werden aber im Anschluss noch einige Wochen von beiden Eltern umsorgt. Die Alttiere ziehen im August gen Afrika, während die Jungen meist erst im September folgen.
Nahrung
Oft sieht man Neuntöter von exponierten Warten aus (z.B. Strauchspitzen oder Zäunen) nach Nahrung Ausschau halten. Sie suchen nach Großinsekten, kleinen Reptilien, Kleinsäugern (z.B. Mäusen) und Jungvögeln.
Haben sie ein Opfer erspäht, fliegen sie blitzschnell los, um dann mit der Beute im Schnabel auf die Warte zurück zu kehren. Ihren Namen tragen die Vögel aufgrund ihrer Eigenheit große Beutetiere auf Dornen oder Stachel aufzuspießen, um sie so leichter verzehren zu können. Auf diese Weise legen sie auch Vorräte für Tage mit weniger Jagderfolg an.
Weitere Infos
Ihr leiser schwätzender Gesang enthält viele Nachahmungslaute anderer Vogelstimmen. Sind die Vögel erregt äußert sich das durch intensives Schlagen und Drehen des Schwanzes.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com