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Der Ortolan

Der Ortolan

Der Ortolan ist eine Vogelart aus der Familie der Ammern und ein weit verbreiteter Sommergast Europas. Hier liegen über 50 Prozent seiner weltweiten Brutgebiete. Hauptsächlich die Intensivierung der Landwirtschaft führte seit 1970 zu starken Rückgängen der Bestände, von denen sich die Art bis heute nicht erholt hat. Sie ist deshalb stark gefährdet. 

Beschreibung
Das Männchen hat einen graugrünen Kopf, eine gelbe Kehle und gelbe Augenringe. Die Unterseite ist zimtbraun. Die Weibchen unterscheiden sich durch eine mattere Kopffärbung von den Männchen. Die Jungvögel sind eher unscheinbar gefärbt. Der Ortolan unterscheidet sich von anderen Ammern wie der Goldammer auch in seiner Form. So ist der Schwanz (im Gegensatz zur Goldammer) gerade abgeschnitten und die Flügel sind länger und schmaler. Der Körperbau ist eher schlank. Mit einer Länge von 17 cm und einem Gewicht von 20g bis 28g hat er ungefähr die Größe eines Haussperlings. Er ernährt sich von Samen und Insekten.

Lebensraum
Der Ortolan ist ein ausgesprochener Zugvogel. Er überwintert in Afrika. Nach fünf Monaten Aufenthalt kehrt er im April oder Mai ins Brutgebiet zurück. Als Sommergast bewohnt er große Teile des europäischen Kontinents. Eine Ausnahme bilden einige Teile Spaniens, das westliche Frankreich, das nördliche Deutschland und Dänemark, die meisten Gebiete Norwegens sowie Island und Großbritannien.

Der Ortolan hat eine Vorliebe für trockenwarme Standorte, z.B. terrassierte Weinberge, Trockenrasen, Kulturflächen und Felsensteppe. Er bevorzugt eher offene Flächen mit vereinzelten Büschen zur Deckung. Eine Singwarte in der Nähe (ca. 20m) der Bruthabitate ist i.d.R. zwingend erforderlich.

Die brutorttreuen Männchen kehren als erste aus den Winterquartieren zurück und beginnen sofort zu singen. Sie benutzen immer wieder dieselben Singwarten, häufig auf Büschen. Dort sind sie schwer zu entdecken, denn meist liegt die Warte unterhalb der Spitze.

Gesang
Der Ortolan singt meistens von Busch- oder Baumspitzen sowie von Telegraphenleitungen. Singwarten in Franken sind Obsthochstämme, Eichen in Windschutzstreifen und Waldränder mit vorgelagerten Äckern. Der etwas melancholisch klingende Gesang ähnelt dem der Goldammer („Piep piep piep- was hab ich Dich liiieb“), klingt aber kürzer, melodischer und reiner geflötet ("tsrie tsrie-tsrie-tsrie-tsü-tsü-tsü"). Ortolanmännchen verfügen jeweils über zwei bis vier verschiedene Strophen. Bei Erregung rufen sie "tsli-ü" oder "psie".

Brut
Ortolane sind Bodenbrüter. Die Weibchen schreiten selbst zur Tat und bauen ein lockeres Bodennest aus Gras, Halmen, Wurzeln und vielen Haaren. Häufig wird es zwischen krautigen Pflanzen, in niederem Getreide oder zwischen Hackfrüchten platziert. Dort hinein werden die 4 bis 6 Eier gelegt, die in der Farbe stark variieren. Diese werden 11 bis 12 Tage bebrütet. Die jungen Ortolane fliegen nach 12 bis 13 Tagen aus.

Bestand
Der Ortolan ist ein weit verbreiteter Sommergast Europas. Hier liegen über 50% seiner globalen Brutgebiete. Die europäische Brutpopulation ist mit über 5.200.00 Brutpaaren (Bird life 2004) zwar sehr groß,  ging zwischen 1970 und 1990 jedoch massiv zurück. Obwohl die Art in manchen Ländern stabil ist, setzte sich der Negativtrend der Bestandszahlen vor allem in Europa in den Jahren 1990 bis 2000 fort. Die Population hat sich längst nicht auf die ehemalige Bestandsgröße erholt.

Gefährdung in Bayern:
Der Ortolan ist in der Roten Liste Bayern (2005) stark gefährdet (= "2"), ebenso in Deutschland. Haupt-Gefährdungsursache ist der Verlust der Lebensräume, da der Ortolan sehr stark an an spezielle gefährdete Lebensräume gebunden ist und da weitere Verluste seiner Lebensräume aktuell anhalten.

Übrigens
Der Gesang des Ortolans soll Ludwig van Beethoven zur Fünften Symphonie inspiriert haben!

 

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