Steckbrief der Woche: Libellen-Schmetterlingshaft
Unterklasse: Fluginsekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Netzflügler (Neuroptera)
Familie: Schmetterlingshafte (Ascalaphidae)
Gattung: Libelloides
Art: Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus)
Körperbau
Am schwarzen Körper der Libellen-Schmetterlingshafte sitzen durchsichtige Flügelpaare. Auffällig durchsetzt sind diese von einem schwarzen Adernetz. Der Vorderrand des ersten Paares ist gelb (selten weiß), genau wie weitere Partien auf den restlichen Flügelflächen. Die Tiere erreichen eine Flügelspanne von 42-55 mm. Die schwarzen Fühler am Kopf sind etwa körperlang und am Ende verdickt. Die Männchen sind gut durch ihre schwarzen gekrümmten Hinterleibszangen von den Weibchen zu unterscheiden.
Bei flüchtiger Betrachtung könnte man die prächtigen Netzflügler für einen Schmetterling halten. Diese haben allerdings geschuppte und keine netzförmig geäderten Flügel.
Die Larven des Libellen-Schmetterlinghaftes sind bräunlich gefärbt und haben einen kurzen breiten Körperbau. Am Kopf tragen sie stark bezahnte, dolchförmige Saugzangen. Im Vergleich zu den Larven der Ameisenjungfer („Ameisenlöwen“), denen sie sehr ähnlich sehen, tragen sie nach außen gerichtete Höcker an den Seiten der Hinterleibsringe. Auch können sie vorwärts laufen und verbergen sich im Geröll und unter Steinen (und nicht im Sand).
Verbreitung und Vorkommen
In Mitteleuropa sind die Tiere selten. Bei uns begegnet man ihnen nur im südlichen Deutschland (z.B. Kaiserstuhl, Schwäbische und Fränkische Alb). Hier halten sie sich an warmen, grasigen oder steinig-felsigen Stellen auf.
Lebensweise
Schmetterlingshafte sind sehr scheu. Wenn man Glück hat sieht man sie bei warmem trockenem Wetter von Mai bis Juni umher schwirren. Ihr Flug ähnelt teilweise dem der Libellen, daher ihr deutscher Namenszusatz. Gerne verharren die Tiere, dicht über dem Boden, an Grashalmen mit weit geöffneten Flügeln und lassen diese von der Sonne bescheinen. Bereits bei der geringsten Störung fliegen sie davon. Sobald die Sonne verschwindet, werden die Flügel dachartig übereinander gefaltet. Und nun scheinen sie überhaupt nicht mehr schreckhaft zu sein. Selbst wenn man den Halm abreißt bleiben die Tiere meistens sitzen.
Fortpflanzung
Zur Paarung nutzt das Männchen seine langen Hinterleibszangen. Damit ergreift es das Weibchen in der Luft und setzt sich mit ihm gemeinsam in Bodennähe ab.
In zwei Reihen werden die länglichen Eier dachziegelartig übereinander an Pflanzenstängel geklebt. Die schlüpfenden Larven machen eine zweijährige Entwicklungsphase durch, bevor sie im letzten Larvenstadium überwintern. Im darauf folgenden Frühjahr verpuppen sich die Tiere. Aus ihnen schlüpfen dann die Imagines („erwachsene“ Tiere).
Nahrung
Sowohl die Larven als auch die Imagines ernähren sich räuberisch von anderen kleinen Insekten.
Bedrohung
Auf der Roten Liste der bedrohten Arten Deutschlands sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft. In Bayer ist der Libellen-Schmetterlingshaft stark gefährdet (RL 2).
Grund für die Gefährdung ist unter anderem der Verlust von extensiv genutzten Flächen als geeigneter Lebensraum.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
www.tieroekologie.de
www.schmetterling-raupe.de