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Der Seidenschwanz

 

 

Steckbrief der Woche: Der Seidenschwanz (Bombycilla garrulus)

 

Klasse: Vogel (Aves)

Ordnung: Singvögel (Passeriformes)

Familie: Seidenschwänze (Bombycillidae)

Gattung: Seidenschwänze (Bombycilla)

 

Beschreibung:

Der Seidenschwanz ist ca. 18 cm groß und 50-60 g schwer. Damit hat er in etwa die Größe eines Stares. Seine Gestalt ist kompakt. Während der Vogel aus der Ferne eine eher unscheinbare, rostgraubraune Färbung besitzt, sind aus der Nähe einige ungewöhnliche Charakterisierungen auszumachen. Auf dem Kopf hat er eine große Scheitelhaube, die spitz nach hinten läuft und teilweise aufgerichtet werden kann. Ein schwarzer Streifen mit feinen weißen Rändern zieht sich vom kräftigen Schnabel, über die Augen hin zum Nacken. Ein weiteres Kennzeichen ist der schwarze Kehllatz. Der Schwanz endet mit einer schwarz-gelben Binde. Bei den Männchen befinden sich zudem auf einigen der Flügelschwingen lack-rote Hornblättchen.

Sein Ruf hört sich wie ein gläsernes „Sirrrrrr“ an oder lässt sich mit dem Klappern eines Schlüsselbundes vergleichen. Aufgrund seiner geselligen Lebensweise ist der Seidenschwanz eher selten einzeln anzutreffen.

 

Verbreitung:

Der Seidenschwanz ist in dem gesamten Taigagebiet (borealer Nadelwald) zu finden, das sich von Nordskandinavien über Sibirien bis hin zur Hudson Bay in Kanada zieht. Das Verbreitungsgebiet wird im Norden durch den Übergang von der Taiga zur Tundra gebildet. Die südliche Grenze ist regional unterschiedlich. Meist werden nur die nördlichen Gebiete der Taiga besiedelt, aber in Nordasien sind Seidenschwänze auch in den südlichen Waldgebieten zu finden. Die Vögel überwintern in den südlich angrenzenden Gegenden ihrer Brutgebiete. In unregelmäßigen Perioden sind die Vögel dann auch in Ost- und Nordeuropa zu finden, wobei sie invasionsartig in großen Gruppen einfliegen. Grund dafür ist der hohe Konkurrenzdruck in den angestammten Gebieten, der sich durch hohe Brutraten und Nahrungsmangel ergibt. Die Mitte Deutschlands bildet hier die Vorkommensgrenze solcher Schwärme, sie kommen aber auch in Bayern noch vor. Meist kehren Seidenschwänze in ihre Brutgebiete zurück.

 

Lebensraum

Seidenschwänze brüten in Kolonien, die sich meist in Mischwaldbeständen mit viel Unterholz und Fichtenanteil befinden.  Doch auch Birken- und Lärchenwälder werden als Bruthabitate genutzt. Bei den bereits erwähnten invasionsartigen Einfällen von Seidenschwanzschwärmen in südliche Regionen nutzen die Vögel auch von Menschen geschaffene Lebensräume wie Parklandschaften, Friedhöfe und Stadtränder.

 

Nahrung

Im Sommer, also während der Brutzeit, frisst der Seidenschwanz vor allem Insekten, die er im Flug erbeutet. Dagegen besteht die Nahrung im Herbst und Winter aus Beeren von Eberesche, Mistel, Wacholder, Ligusten oder Weißdorn. Ebereschenbeeren machen hier allerdings den Hauptanteil der Nahrung aus. Um sich zu ernähren muss der Seidenschwanz jeden Tag fast das Doppelte seines Körpergewichtes fressen.  Alkohol, der sich in überreifen Beeren befinden kann, bauen die Vögel über ihre übergroße Leber ab.

 

 

Fortpflanzung

Die Brutzeit ist von Mai bis Juli. Dann suchen sich die Vögel jedes Jahr von neuen ihre Partner aus. Zur Balz überreicht das Männchen dem Weibchen u.a. Geschenke in Form von Beeren. Seidenschwänze finden sich meist in Brutkolonien zusammen, die sich wiederum an Waldrändern und/oder in Wassernähe befinden. Die Nester, bestehend aus Moos, Haaren, Gras und kleinen Zweigen, werden in den oberen Baumbereichen angelegt. Nach der Balz legt das Weibchen vier bis sechs Eier, die blaugrau gefärbt und schwarz gepunktet sind. Maximal zwei Wochen später schlüpfen die Jungen, die dann ausschließlich vom Männchen mit Nahrung versorgt werden. Mit 17 Tagen sind die Jungen flügge und nach einem Jahr ausgewachsen und fortpflanzungsfähig.

 

Wissenswertes

Da Seidenschwänze unregelmäßig, aber dafür in großen Schwärmen in Mitteleuropa vorkommen, wurden diese Vögel schon immer von der Bevölkerung als Mythos betrachtet. Den Tieren wurden dabei vor allem negative Eigenschaften angedichtet. So galt das Auftreten von Seidenschwanzschwärmen als schlechtes Omen. Aus diesem Grund heißt der Seidenschwanz auch heute noch in den Niederlanden „Pestvogel“ und in der Schweiz ist der Name „Sterbevögeli“ gebräuchlich. Dagegen wurden die Tiere im Englischen nach einer bestimmten Bevölkerungsgruppe benannt. Der Artname „Bohemian“ spielt auf das Volk der Böhmen an, die als sehr vagabundierfreudig und farbenfroh galten.

 

Quellen

„Steinbachs großer Vogelführer“, Steinbachs Naturführer, 2004, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

www.wikipedia.de

 

 

 

 

 

 

 

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