Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Sperlingskäuze (Glaucidium)
Unterarten: ۰ Glaucidium passerinum passerinum
Glaucidium passerinum orientale
Körperbau/Merkmale
Nur etwa starengroß werden die Sperlingskäuze und sind somit die kleinste in Mitteleuropa heimische Eulenart.
Zu den markanten Bestimmungsmerkmalen gehört der runde, aber flachstirnige Kopf mit den auffälligen gelben Augen. Über ihnen befinden sich markante weiße „Augenbrauen“, die man auch als Überaugenstreifen bezeichnet. Das Federkleid wirkt auf der Oberseite und am Kopf einheitlich dunkelbraun bis rötlich dunkelbraun und ist mit kleinen weißen Flecken durchsetzt. Brust und Bauch sind weiß und mit schmalen braunen Längsstreifen gezeichnet. Den verhältnismäßig langen Schwanz des Kauzes zieren fünf schmale weiße Querstreifen. Er ist beim Sitzen deutlich länger als die Flügelspitzen.
Die Flügelspannweite der Vögel beträgt zwischen 35 – 38 cm. Das Gewicht eines erwachsenen Sperlingskauzes liegt bei 59 -69 g. Die Weibchen sind stets größer als die Männchen.
Aufgrund seiner kleinen Körpergröße hat er eine Vielzahl an Fressfeinden, zu denen u.a. der Baummarder (der v.a. eine Gefahr für das Gelege darstellt), der Sperber und der Habicht zählen.
Verbreitung und Lebensraum
Das favorisierte Habitat des Sperlingkauzes zeichnet sich durch abwechslungsreich strukturierte boreale Nadel- aber auch nadelwalddominierte Mischwälder aus. Hierbei sind Alt- und Totholzbestände mit verlassenen Brut- und Depothöhlen verschiedener Spechtarten, Lichtungen, hohe Rufwarten sowie Hochmoore und Waldwiesen zur Jagd unerlässlich. Die Vögel bevorzugen als natürlichen Lebensraum Mittelgebirgs- und Berglagen bis zur Baumgrenze.
Aufgrund dieser Präferenzen finden wir ihn von Nordost-Europa über einen breiten Gürtel, der sich bis nach Ost-Sibirien zieht. Aber auch in Mitteleuropa ist er zu finden. Im Alpenraum vermutlich als Eiszeitrelikt verblieben, erstreckt sich sein Vorkommen auch in die tschechischen und deutschen Mittelgebirge, zu denen u.a. der Harz, Spessart, Schwarzwald, Bayrischer Wald sowie der Odenwald zählen.
Lebensweise und Fortpflanzung
Die meisten größeren Eulen sind nachtaktiv. Der Sperlingskauz dagegen hat seine Hauptaktivitätszeit während der Dämmerung. Somit entgeht er seinen Feinden. Nur an trüben Tagen und in der Brutzeit jagen die Tiere auch tagsüber.
Erblickt der Sperlingskauz einen Feind, nimmt er eine Tarnstellung ein, wobei er sich steil aufreckt. Lässt sich der Fressfeind nicht täuschen, erfolgt eine schnelle Flucht.
Das Revier eines Sperlingskauzes umschließt eine Fläche von bis zu 2,5 km² und wird, unabhängig vom Geschlecht, gegen jeden Artgenossen intensiv verteidigt.
Der spezifische Reviergesang besteht generell aus einer ansteigenden „Tonleiter“ wobei die Tonfarbe „pfiffähnlich“ ist.
Oftmals ist diese Art Gesang schon im Spätoktober zur Herbstbalz zu hören, die ausschließlich der Reviergründung dient. Sind die Besitzverhältnisse jedoch klar, so vernimmt man diesen Gesang erst im Februar und März, der zweiten fortpflanzungsorientierten Balzzeit. Diese Frühjahresbalz beginnt gleichfalls mit Reviergesängen, die in Paarungsrufe übergehen. Insgesamt zeigt sich das Stimmrepertoire des Sperlingskauzes als sehr umfangreich.
Bei der Wahl der Bruthöhle sind vor allem ein enges Einflugloch sowie eine ausreichende Tiefe der Höhle sehr wichtig, um einen ausreichenden Schutz vor Fressfeinden zu gewährleisten. Ist eine geeignete Höhle gefunden, so wird diese gesäubert und mit einer 2 cm dicken Schicht gerupfter Daunen ausgelegt; weiteres Nistmaterial wird nicht eingetragen.
In der Zeit zwischen Anfang April und Anfang Mai legt das Weibchen jeweils im Abstand von zwei Tagen drei bis sieben weiße Eier. Nach einer Brutzeit von ca. 30 Tagen schlüpfen die Jungen. Diese Brut ist die Einzige des Jahres. Die Fütterung des Nachwuchses geschieht ausschließlich durch das Weibchen. Sie nimmt das Futter am Höhleneingang oder außerhalb der Höhle vom Männchen in Empfang und verfüttert es dann an den Nachwuchs. Nach 30 bis 35 Tagen verlassen die Jungen die Höhle. Sie werden weitere 4 Wochen von den Altvögeln versorgt, bevor sie aus dem elterlichen Revier abwandern, um sich eigene Brutareale zu erschließen. Diese liegen zumeist in der näheren Umgebung ihrer Aufwuchsgebiete.
Nahrung
Im Allgemeinen gehören bis zu 50 Kleinvogelarten sowie Kleinsäugetiere, wie zum Beispiel Spitzmäuse, Erdmäuse, Rötelmäuse und Bilche aber auch Amphibien und Reptilien zum breiten Nahrungsrepertoire des Sperlingskauzes. Vor allem im Winter stehen Kleinvögel wie Meisen und Finken auf der Speisekarte des Sperlingskauzes. Für die kalten Monate sowie für die Brutzeit deponieren die Vögel überschüssige Beute in Depothöhlen.
Gefährdung/Bestand in Europa
Da der Sperlingskauz zu den schwer zu erfassenden Arten zählt, kann sein europäischer Gesamtbestand nur geschätzt werden. Im Allgemeinen geht man hier von etwa 35.000 Brutpaaren aus, wobei der Anteil der mitteleuropäischen Brutpaare auf ca. 5.000 geschätzt wird.
Eine schnell fortschreitende Veränderung und Zerstörung ihrer Lebensräume machen auch dem Sperlingskauz zu schaffen. Hierbei spielt vor allem die immer intensiver werdende Forstbewirtschaftung eine Rolle. Aber auch die Fällung von höhlenbeherbergenden Bäumen sowie die Anlage von Forstwegen führen zu einer vermehrten Gefährdung. In den letzten Jahren wurden zunehmend Tieflagenbruten beobachtet, also Bruten in suboptimalen Habitaten. Die Gründe hierfür sind noch nicht ganz klar.
Wissenswertes
Bei Erregung und nach jedem Ortswechsel schlägt der Sperlingskauz seinen Schwanz entweder wie der Würger, seitwärts oder tut es dem Zaunkönig gleich, der ihn in solchen Situationen steil aufrichtet (stelzt).
Nicht nur, aber auch aufgrund der Tatsache, dass der Sperlingskauz seine im Winter gefrorene Beute, die er in den Depots bis zum Verzehr gelagert hat, in seinem Körpergefieder auftaut, ist dieses oftmals stark verschmutzt. So sind ausgedehnte Wasser-, Regen- oder Schneebädern gepaart mit Schütteln, Kratzen und Putzen ein wichtiger Bestandteil der Körperpflege.
Der Sperlingskauz nimmt in der Regel keine Nisthilfe an.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
http://www.eulenwelt.de/europ_sperlingskauz.htm
http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/001/00009/HWG00009.html