Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)
Klasse: Insekten
Ordnung: Schmetterlinge
Familie: Schwärmer (Sphingidae)
Unterfamilie: Macroglossinae
Gattung: Macroglossum
Körperbau und Merkmale
Das Taubenschwänzchen, ein tagaktiver Nachtfalter aus der Familie der Schwärmer, erreicht eine Spannweite von 40-50 mm. Sein Körper ist untersetzt, graubraun mit weißen Flecken an den Seiten des verbreiterten Hinterleibs. Sein deutscher Name leitet sich vom zweigeteilten Haarbüschel am Hinterleibsende ab, das eine gewisse Ähnlichkeit mit den Schwanzfedern von Tauben hat. Die Vorderflügel sind grau, die Hinterflügel gelborange. Die Raupen werden 45 bis 50 Millimeter lang und sind variabel gefärbt. Ihre Grundfärbung ist meist grün; es gibt aber auch braune, rotbraune oder grauviolette Exemplare. Sie tragen einen weißen Längsstreifen.
Verbreitung und Lebensraum
Als Wanderfalter ist das Taubenschwänzchen in fast ganz Europa bekannt. Sie kommen dann in Europa bis in den hohen Norden, in Großbritannien, Island und in weiten Teilen Russlands (im Osten bis Sachalin) vor. Im Winter findet man sie auch südlicher als sonst. Ihre Verbreitung reicht dann im Westen bis nach Gambia und in Asien vereinzelt bis in die südlichen, tropischen Bereiche, wie Indien und Vietnam. Die Tiere legen dabei große Distanzen zurück und können bis zu 3.000 Kilometer in weniger als 14 Tagen bewältigen.
Das Taubenschwänzchen kann man nahezu überall im offenen Gelände vorfinden. Einzige Voraussetzung ist, dass genügend nektarreiche Futterpflanzen existieren. Sie kommen sowohl in naturnahen Bereichen, wie z. B. Trockenrasen und Wiesen, als auch in Parks, Gärten und in Städten an Balkonen vor, wenn dort blühende Pflanzen wachsen.
Die Eiablageplätze, und damit verbunden die Raupenvorkommen, sind seltener, da die Falter ihre Eier nur an Plätzen ablegen, an denen sowohl genügend Nektarpflanzen als auch Raupenfutterpflanzen wachsen. Dies ist notwendig, da die Weibchen während der lange andauernden Eiablage immer wieder Nektar zu sich nehmen müssen. Ideale Fortpflanzungshabitate sind warme und sonnige Wiesen oder Acker- und Waldränder mit Labkrautbewuchs und Blütenreichtum.
Entwicklung/Fortpflanzung/Lebensweise
Taubenschwänzchen sind, unüblich für Schwärmer, tagaktiv. Sie fliegen ganzjährig. Auch an stark bewölkten Tagen, bei Regen und bei Temperaturen um 10 °C sind sie aktiv. Bei Kälte vibrieren sie sitzend (Wärmezittern), anders als andere Schwärmer nicht mit ausgebreiteten, sondern mit flach über dem Körper versetzten Flügeln.
Sie versammeln sich am Abend oft zu Schlafgemeinschaften. Dazu suchen sie meist vertikale, von der Sonne aufgewärmte Felsflächen, oder ähnliches auf. Beachtenswert ist das Erinnerungsvermögen der Falter. Sie kehren Tag für Tag an reichhaltige Nektarquellen zurück, ebenso bleiben sie ihren Ruhe- und Schlafplätzen oft ein ganzes Falterleben lang treu.
Die Suche nach geeigneten Geschlechtspartnern findet in der Regel an den Schlafplätzen, also senkrechten Stein- oder Erdwänden statt, die durch die Sonne aufgewärmt sind. Die Männchen fliegen diese Stellen mit hoher Geschwindigkeit ab, bis sie ein paarungsbereites Weibchen entdeckt haben. Dieses sendet zum Anlocken Pheromone aus, was man gut an den ausgestülpten Pheromondrüsen am Hinterleib erkennen kann. Haben sich zwei Partner gefunden, fliegen sie gemeinsam lebhaft umher. Die Begattung findet im Sitzen statt und dauert meist weniger als eine Stunde, in Ausnahmefällen auch zwei.
Die Weibchen begeben sich nach der Paarung auf Nektarsuche und legen erst anschließend ihre Eier ab. Dies erfolgt meist am späten Nachmittag. Sie suchen dazu geeignete, an sonnigen Plätzen stehende Pflanzen und fliegen im Schwirrflug an diese heran, um jeweils ein Ei durch Vorbiegen des Hinterleibes anzuheften. Die Pflanzen werden vor der Eiablage genauestens, Ästchen für Ästchen inspiziert. Gelegt wird immer nur ein Ei pro Pflanze an junge Knospen, die noch nicht aufgeblüht sind. Insgesamt werden bis zu 200 Eier, mit Unterbrechungen zur Nektaraufnahme, auf diese Weise gelegt.
Nahrung
Der Energieverbrauch der Taubenschwänzchen ist, bedingt durch ihr Flugverhalten, enorm hoch. Sie benötigen bei einer Eigenmasse von ca. 0,3 Gramm pro Tag etwa 0,5 Milliliter Nektar. Um diese Menge zu saugen, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Ein Taubenschwänzchen kann deshalb bei zusammengesetzten Blütenständen, wie Dolden oder Rispen, bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen.
Die folgenden angeführten Gattungen sollen einen Überblick über einen Teil ihrer wichtigsten Nektarpflanzen geben: Klee (Trifolium), Fuchsien (Fuchsia), Storchschnäbel (Geranium), Flammenblumen (Phlox), Natternkopf (Echium), Schneckenklee (Medicago), Verbenen (Verbena), Flieder (Syringa), Veilchen (Viola), Primeln (Primula), Tabak (Nicotiana), Sommerflieder (Buddleja), Jasmin (Jasminum) und Zieste (Stachys). Unter den Nektarpflanzen finden sich sowohl einige Kulturpflanzen, wie z. B. Rotklee und Luzerne, als auch Garten- und Balkonpflanzen, wie z. B. Fuchsien, Petunien, Buddleja und Phlox.
Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Labkraut-Arten.
Gefährdung/Bestand in Europa
Das Taubenschwänzchen ist weit verbreitet und kommt häufig vor, es ist nicht gefährdet.
Wissenswertes
Taubenschwänzchen sind wie alle Schwärmer ausgezeichnete Flieger. Ihr Flug ist sehr schnell und wendig. Wegen seines auffälligen Flugverhaltens, das dem eines Kolibris ähnelt, wird es auch Kolibrischwärmer genannt; zahlreiche „Kolibri-Sichtungen“ in Europa gehen auf diese Art zurück. Beim Nektarsaugen stehen sie im Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel, den sie bereits beim Anflug ausrollen und zielsicher in die Blütenkelche einführen. Sie gehören zu den wenigen Insekten, die auch rückwärts fliegen können. Die Schlagfrequenz der Flügel beträgt ungefähr 70 bis 90 Schläge in der Sekunde, die Fluggeschwindigkeit beträgt in den Spitzen bis zu 80 km/h.
Quellen
http://de.wikipedia.org/
Steinbachs Naturführer „Schmetterlinge“, Mosaik-Verlag 2001