Der Turmfalke (Falco tinnunculus)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Falkenartige (Falconidae)
Unterfamilie: Eigentliche Falken (Falconinae)
Gattung: Falken (Falco)
Sein deutscher Name deutet darauf hin, dass sich die Tiere ihre Behausungen gerne auch in hohen menschlichen Bauwerken suchen. Weitere Trivialnamen sind regional verbreitet, so z.B. „Rüttelfalke“, ein Hinweis auf den typischen "rüttelnden" Flug des Turmfalken, sowie „Mauer-, Dom- und Kirchenfalke“ ebenfalls als Hinweise auf beliebte Nistplätze. Die Bezeichnung tinnunculus bedeutet auf Deutsch „klingend“ oder „schellend“.
Körperbau
Mit 35 cm Körpergröße und 75 cm Flügelspanne zählen Turmfalken zu den kleineren Vertretern der Falken. Ihr Schwanz ist lang, ebenso die Flügelspitzen. Männchen und Weibchen kann man gut an den unterschiedlichen Kopffärbungen erkennen. Während die weiblichen Vögel einheitlich rotbraun gefärbt sind, haben die Männchen einen hellgrauen Kopf. Auch die Oberschwanzdecken sowie der Hinterrücken und die Schwanzfedern sind hellgrau. Ihre Oberseite ist rotbraun mit schwarzen Tupfen.
Verbreitung und Lebensraum
In etwa 11 Unterarten kommen Turmfalken in nahezu ganz Europa bis nach Ost-Asien und Afrika, südlich der Sahara, vor. Sie sind die häufigsten und am weitesten verbreiteten Falken.
In Abhängigkeit vom Klima und vom Nahrungsangebot weisen die Vögel sehr unterschiedliches Zugverhalten auf. So sind bei ihnen typische Eigenschaften von Stand-, Strich- und aber auch von Zugvögeln bekannt. Als Standvögel bleiben sie ganzjährig im selben Gebiet, während Strichvögel im Winter zwar ihr Brutgebiet verlassen aber in den jeweiligen geographischen Breiten bleiben und keine größeren Wanderungen nach Süden unternehmen. Zugvögel haben jahreszeitlich bedingt unterschiedliche Aufenthaltsgebiete.
Turmfalken sind sehr anpassungsfähig. Ihre Brut- und Jagdgebiete müssen nicht unbedingt identisch sein. Ihre Nester suchen sie in Felsnischen und Höhlen. Aber auch Mauerlöcher oder Simse in meist hohen Gebäuden wie Kirchen, Rathäusern und Schulen werden genutzt. Zum Jagen fliegen sie zu Freiflächen mit niedrigem Bewuchs. Geschlossene Waldgebiete sowie offene Dünen- und Steppengebiete werden gemieden.
Fortpflanzung
Im zeitigen Frühjahr kann man die männlichen Turmfalken bei Ihren Balzflügen beobachten. Begleitet werden diese von erregten Rufen. Nach der Paarung lockt das Männchen das Weibchen zu seinem ausgewählten Brutplatz. Die Tiere bauen selber keine Nester. Gerne nutzen sie verlassene Brutstätten anderer Vögel.
Die vier bis sechs Eier werden vom Weibchen allein ausgebrütet. Das Männchen versorgt es während der Brutzeit mit Nahrung. Nach etwa 27 bis 29 Tagen schlüpfen die Jungen und werden von beiden Eltern mit Futter versorgt bis sie selbständig sind.
Nahrung
Turmfalken gehen auf Freiflächen mit geringem Bewuchs auf die Jagd nach Kleinsäugern wie Wühlmäusen, Spitz- und Langschwanzmäusen. In städtischer Umgebung erbeuten sie vor allem Kleinvögel. In warmen Gebieten ergänzen Reptilien und Insekten ihren Speiseplan.
Die tagaktiven Vögel sieht man gelegentlich auf Zaunpfählen oder auf anderen Erhöhungen sitzen und nach Beute spähen. Plötzlich fliegen sie los und ergreifen ihre Opfer mit den Fängen (Jagd von der Sitzwarte). Ein typisches Jagdverhalten für den Turmfalken ist der „Rüttelflug“, ein Ruderflug, bei dem der Vogel eine ganze Zeit über einer bestimmten Stelle in der Luft steht und nach Nahrung sucht. Dabei schlägt er sehr häufig und energisch mit den Flügeln.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
www.wikipedia.de
www.natur-lexikon.com