Steckbrief der Woche: Wespenbussard (Pernis apivorus)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Wespenbussarde (Pernis)
Körperbau/Merkmale
Die Gefiederfärbung sowie –zeichnung des mit einer Flügelspannweite von bis zu 150 cm ausgestatteten Greifvogels können recht stark variieren. Zumeist aber ist die Oberseite braun, die Unterseite heller gefärbt. Die adulten (erwachsenen) Männchen weisen einen taubenblauen, die adulten Weibchen eher einen braunen Kopf auf.
Zu seinen eindeutigsten Merkmalen gehören sowohl die beiden dunklen Binden an der Schwanzwurzel als auch die breite Endbinde. Aber auch ein für seine Gattung sehr typischer langer Schwanz zeichnet den Wespenbussard aus.
Die bei Jungvögeln noch graubraun gefärbte Iris ist im adulten Zustand gelb.
Die Nahrungssuche des Wespenbussards besteht im Scharren in von Wespen angelegten Erdnestern. Er hat als Anpassung an seine spezielle Ernährungsweise Merkmale entwickelt, die so in der Welt der Greifvögel einzigartig sind. Zu diesen Besonderheiten zählen zu Scharr- und Grabfüßen umgebildete Fänge, die nur wenig gekrümmte Krallen tragen. Die Nasenöffnungen sind durch ihre schlitzförmige Ausprägung so gestaltet, dass kein Sand eindringen kann. Um Wespenstichen bei der Nahrungsbeschaffung vorzubeugen, ist die dichte und harte Befiederung zwischen Schnabelwurzel und Augen fast schuppig angelegt.
Fortpflanzung
Bei diesen sehr territorialen Greifen, legt das Weibchen in der Zeit zwischen Mitte Mai bis Mitte Juni ein bis drei, in den meisten Fällen jedoch zwei, Eier. Hierbei folgt das zweite Ei dem ersten im Abstand von drei Tagen. Die Küken schlüpfen nach fünfwöchigem Bebrüten. Von nun an muss das Männchen drei Wochen lang alleine für die Jungen sorgen, erst dann hilft das Weibchen mit. Nach weiteren 45 Tagen werden die Jungvögel flügge, die Nahrungsversorgung von Seiten der Eltern hält jedoch noch einige weitere Tage an.
Ernährung
Wie schon der Name vermuten lässt, ernähren sich die Wespenbussarde vorzugsweise von Wespen, wobei sie sowohl die Larven, die Puppen als auch die Vollinsekten verspeisen. Neben diesen stehen aber auch andere Insekten sowie Würmer, Amphibien und Reptilien auf ihrem Speiseplan. Nur ausnahmsweise erbeuten diese Greife Mäuse und (Jung-) Vögel.
Verbreitung und Lebensraum
Zum idealen Lebensraum des Wespenbussards zählen neben Waldgebieten (hier bevorzugt er Laubwaldbestände) mit Lichtungen und reich strukturierten Waldrändern auch sonnige Felder, Wiesen und parkreiche Siedlungsgebiete.
Seine Nester (Horste) legt er zumeist auf hohen Bäumen im Randbereich geschlossener Waldungen an. Die Nesthöhe beträgt um die 20 m.
Der Wespenbussard ist ein Zugvogel. Erst Ende April bis Anfang Mai, wenn sich die Wespen, als seine Hauptnahrungsquelle, ausreichend vermehrt haben, kehren sie wieder aus den tropischen Regenwaldgebieten Äquatorialafrikas in ihre angestammten Brutgebiete zurück. Diese liegen in fast ganz Europa, mit Ausnahme des hohen Nordens.
Bestand in Europa, Gefährdung
Aufgrund seiner unauffälligen Lebensweise und der großen Ähnlichkeit mit dem Mäusebussard ist es schwer, den Bestand der Wespenbussarde korrekt einzuschätzen.
Obwohl bei nasskaltem Wetter, ungünstiger Witterung und in wespenarmen Jahren kaum Junge groß werden, scheint der Bestand in Mitteleuropa aber langfristig stabil zu sein.
In Bayern ist der Wespenbussard jedoch bereits als "gefährdet" eingestuft (Rote Liste 3).
Übrigens
Normalerweise lässt sich die Anwesenheit eines Greifvogelnestes schon durch auffällige weiße Flecken auf dem Boden unterhalb des Horstes erkennen. Diese entstehen, wenn die jungen Greife ihren Kot weit über den Rand des Horstes hinaus spritzen. Der Wespenbussard ist der einzige Greifvogel Europas, dessen Nachwuchs dieses nicht tut und seinen Kot auf dem Nestrand absetzt.
Quellen
Steinbachs Naturführer, 2003, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.
http://de.wikipedia.org
http://www.natur-lexikon.com
http://www.world-of-animals.de