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Die Wildkatze

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schaffen der Wildkatze eine neue Heimat.

BN und BUND haben am 14. Februar 2008 ihre bisher größte Artenschutzkampagne gestartet: Sie wirbt für den Schutz der letzten überlebenden Wildkatzen in unseren Wäldern. Helfen auch Sie der scheuen Waldkatze und spenden Sie! 

Lesen Sie mehr zur Wildkatze unter:

http://www.bund-naturschutz.de/wildkatzenkampagne.html

www.bund.net/wildkatze

 

Die Vernetzung von Lebensräumen durch Grüne Korridore sichert nicht nur das Überleben der Wildkatze, sondern auch vieler anderer Arten.

 

Die Wildkatze


Sie leben zurückgezogen, versteckt, meist schlafen sie tagsüber und jagen nachts. Kaum jemand bekommt sie zu Gesicht. Aber sie sind da. In unseren Wäldern gibt es sie noch: die Wildkatzen. Nein, Wildkatzen sind keine entlaufenen Hauskatzen. Sie sind viel wilder als unsere Stubentiger, wirken kräftiger und haben einen buschigeren Schwanz. mit  dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Die Fellzeichnung ist verwaschen und wenig kontrastreich. Besonders im Winterfell ist die Wildkatze gedrungener und kräftiger wirkend als die Hauskatze.

Zurückgedrängt auf isolierte Vorkommen
Wildkatzen durchstreiften die europäischen Wälder Jahrtausende bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten. Es ist noch nicht lange her, da lebten Wildkatzen fast überall in Europa. Heute sind sie vielerorts verschwunden oder vom Aussterben bedroht. In Deutschland, wo sie seit Jahrzehnten unter strengem Schutz stehen, liegen ihre letzten Lebensräume wie Inseln im Meer verstreut. In Bayern gibt es Vorkommen in den Mittelgebirgen wie dem Spessart, dem Steigerwald, dem Jura oder dem Vorderen Bayerischen Wald.
Ihr Überleben ist wie das vieler anderer Tier- und Pflanzenarten durch die schnell voranschreitende Zerschneidung unserer Landschaft, durch Verkehrswege und Bauprojekte bedroht. Ohne die Vernetzung ihrer Lebensräume und die Möglichkeit zur Ausbreitung haben die Katzen keine Chance. Die Populationen der Wildkatzen sind zu klein und zu stark isoliert, um langfristig zu bestehen.


Wiedereinbürgerungsprojekt des BN - Rettungsnetz Wildkatze
Um ihr Überleben in unserer Landschaft zu sichern, hat der Bund Naturschutz schon vor 14 Jahren begonnen, Wildkatzen zu züchten. Die Zuchtstation für die Wildkatzen befindet sich im Schlosspark von Schloss Wiesenfelden und ist für Besucher zu besichtigen. Im Rahmen eines Auswilderungsprojektes wurden bislang 400 bis 500 Wildkatzen in ihren ehemals angestammten Verbreitungsgebieten in Bayern freigelassen. Obwohl die Sterblichkeitsrate hoch ist, ist das Projekt erfolgreich.

Seit Juli 2004 arbeiten BUND und BN an einem Rettungsnetz  - mit dem Ziel, die Wildkatzenwälder in Bayern, Hessen und Thüringen zu verknüpfen. Im Zentrum steht aktuell der 20 Kilometer lange Korridor Hainich - Thüringher Wald. Nach langen Verhandlungen wird dieses Jahr die wichtigste Lücke im Biotopverbund zwischen den Waldregionen geschlossen. Auf über einem Kilometer Länge entsteht ein 50 Meter breiter Wanderkorridor aus Hecken und Bäumen. Mit seiner Hilfe überwinden die Katzen eine öde Agrarsteppe.

Mehr zu: "Ein Rettungsnetz für die Wildkatze" unter www.wildkatze.info

Leitart des Naturschutes
Nun geht es bei derartigen Aktionen nicht allein um die Wildkatze. Ihre Lebensräume sind strukturreich und vielgestaltig. Deshalb eignet sich die Wildkatze so gut als Leitart des Naturschutzes: Viele andere Tier- und Pflanzenarten profitieren, wenn Wildkatzen sich wohl fühlen. In ihren Spuren werden auch Baummarder und Eibe, Laubfrosch und Lerchensporn, Laufkäfer und Dachs in unserer so sehr vom Menschen geprägten Landschaft wieder neue Wege finden.

Wildkatze Verbreitung

Biologie
Wildkatzen ernähren sich in Mitteleuropa vor allem von Mäusen, seltener und je nach Angebot auch von Kaninchen, Eidechsen, Frösche, Insekten, Kleinvögel; Aas nur ausnahmsweise; pflanzliche Nahrung wird kaum aufgenommen.
Wildkatzen bekommen nach einer Tragzeit von 63-69 Tagen zwischen März und September 2– 4, maximal 6 Junge pro Wurf ; die meisten Würfe erfolgen im April; ein zweiter Wurf im Herbst erfolgt normalerweise nur bei Verlust des Ersten.
Die Trittspuren : rundlicher Umriss; Ballen und 4 Zehen, keine Krallen im Abdruck (Von den 5 Vorderzehen erscheint der Daumen nicht im Abdruck, die hinteren Pfoten haben nur 4 Zehen)
Wildkatzen können etwa 7-10 Jahre, in Gefangenschaft über 15 Jahre alt werden.

Gefährdung:
Die Wildkatze ist nur einen "Katzensprung vom Tod entfernt". Sie ist in Bayern vom Aussterben bedroht (RL 1), in Deutschland ist sie stark gefährdet (RL 2). Südlich der Donau kommt die Wildkatze aktuell in Bayern gar nicht mehr vor. Die Wildkatze ist eine streng geschützte Art und eine Art des Anhangs II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, für die besondere Schutzgebiete (NATURA 2000) ausgewiesen wurden.

 

 

Unterscheidung Wildkatze - Hauskatze:

 

 

Merkmale

 

 Wildkatze

  

 Hauskatze

 

Fellfarbe

Grau mit cremegelbem bis ockerfarbigem Ton, weißer Kehlfleck 

glänzend, große Variabilität der Graufärbung

Fellzeichnung

deutlich abgeschwächte verwischte Zeichnung

meist kräftig durchgezeichnet

Körperbau

plumper wirkend, da langhaarig, Läufe dick

schlanker wirkend, da kurzhaarig, Läufe dünner

Kopfform

wuchtig, breite Schnauzenform

zarter, schlanke Schnauzenregion

Schnurr- und Tasthaare

weiß, kräftig ausgebildet

schwächer ausgebildet, zuweilen hornfarbig

Nasenspiegel

hell fleischfarben

meist dunkler

Ohr

klein wirkend, da längeres Kopfhaar

groß wirkend, da kürzeres Kopfhaar

Schwanz

stumpfendig, stark buschig, über 50 % der Körperlänge

Kurzhaarig, spitzendig, bis 50 % der Körperlänge

Schwanzmusterung

deutlich dunkel abgesetzte Ringe in der hinteren Hälfte

helle Felder, silbergrau gefärbt, meist nicht so scharf abgesetzt

Krallen

hell hornfarbig

hell- oder dunkelhornfarbig

Hinterfüße


schwarze Sohlenfleckung
sehr variabel
♂ 128-178mm
♀ 115-140mm


schwarze Sohlenzeichnung
meist bis zur Ferse
♂ 110-145mm~
♀ 97-130mm

Hirnschädelinhalt

32,5-50cm
Mittel 41,25cm

20-35cm
Mittel 27,5cm

Schädelindex (Hirnschädelvolumen / Schädellänge)

<2.75

>2.75

Gesamtlänge

♂ 83-97cm
♀ 73-94

♂ 69-92cm
♀ 67-81cm

Gewicht erwachsener Exemplare

♂ 3,0-6,5 kg
♀ 2,3-4,9 kg

♂ 3,0-6,5 kg
♀ 2,0-6,5 kg

Darmlänge

♂ 120-170cm
♀ 110-150cm

♂ 165-254cm
♀ 155-220cm

Tragzeit

63-68 Tage

56-61 Tage

Zahl der Würfe im Jahr

1, selten 2

Stets mindestens 2


Jungenzahl

2-4 im Durchschnitt


4-6 im Durchschnitt

 

 Angaben aus Grabe, H., & G. Worel (2001), nach Haltenorth (1957)
und Piechocki (1990), verändert.

 

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