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Bayern: Biodiversitätsstrategie und Forderungen des BN

Bayerns Verantwortung

Auch wenn Bayern im Vergleich zum tropischen Regenwald kein „hotspot“ der Biodiversität ist, trägt Bayern Verantwortung für die hier heimische Vielfalt. Biologische Vielfalt kann nicht nur in den Zentren der Welt erhalten werden, sondern sie braucht ein Netz über die gesamte Welt. Bayern muss hier seiner Verantwortung gerecht werden. Auch wenn beispielsweise der bodensaure Buchenwald relativ arm an Blütenpflanzen ist, kommen die beiden Hauptarten Buche und Weiße Hainsimse nur in Europa vor. So auch die Hochmoore, die in Bayern in Bezug auf Mitteleuropa einen Verbreitungsschwerpunkt haben und zahlreiche Spezialisten aufweisen - wie den Hochmoorlaufkäfer, der in bayerischen Spirkenfilzen weltweit den Hauptteil seines Vorkommens hat.

Als einziges deutsches Bundesland mit Alpenanteil trägt Bayern auch in besonderem Maße Verantwortung für den Erhalt der alpinen Lebensräume und der dort beheimateten Tier- und Pflanzenarten. Zusätzlich trägt Bayern besondere Verantwortung für Arten mit Vorkommensschwerpunkt in Bayern, bei den Tierarten z.B. für den Rotmilan (fast 60% des Weltbestandes in Deutschland), die Flussperlmuschel, den Königssee-Seesaibling oder einige Alpen-Endemiten. Für insgesamt mindestens 286 Pflanzensippen (> 10% aller Pflanzensippen) hat Bayern eine internationale Verantwortung, d.h. ein bedeutender Anteil des weltweiten Vorkommens liegt in Bayern. Die meisten Arten sind Offenlandarten. Einige Arten kommen sogar nur in Bayern vor: z.B. sind 54 Pflanzenarten reine „Bayern“, z.B. die Riednelke, das Bayerische Löffelkraut oder das Bodensee-Vergißmeinnicht. Sie kommen weltweit nur in Bayern vor, d.h. Bayern hat die alleinige Verantwortung für ihren weltweiten Erhalt.

Zustand der Biodiversität in Bayern:

Zahlreiche Beispiele belegen die dramatischen Rückgänge von Arten und Lebensräumen auch in Bayern (--> Infoblatt "Zustand der Biodiversität").

Über die Hälfte der erfassten Tier- und Pflanzenarten Bayerns sind bedroht oder gefährdet. Über den Zustand der Vielfalt der Arten und Lebensräume liegen umfassende Dokumentationen vor, die „Roten Listen“ geben einen Überblick über die Gefährdungssituation bekannter Arten und Lebensräume. Auch der „Umweltbericht Bayern“ stellt fest: „Gefährdete und repräsentative Arten sowie die Biodiversität von Lebensgemeinschaften entwickeln sich überwiegend kritisch.“ (Kernaussage im Kapitel „Natur und Landschaft“, StMUG 2007). Es gibt nur wenige positive Entwicklungen und der Gefährdungsgrad vieler Arten und Lebensräume ist nach wie vor schlecht bzw. verschlechtert sich weiter. Insgesamt ist bei den gefährdeten Arten die Dominanz abnehmender Trends ungebrochen. Nach wie vor gehen wertvolle, teils unersetzliche Lebensräume verloren, setzen sich Habitat-Fragmentierung und Isolation von Vorkommen fort, werden natürliche dynamische Prozesse auf winzige Restflächen zurückgedrängt. Erst zwischen 2003 und 2009 sind in Bayern wieder sieben Pflanzenarten ausgestorben (Woschee 2009).

Der Erhalt der Biodiversität ist möglich und Naturschutz in den letzten Jahrzehnten durchaus erfolgreich, jedoch nur punktuell. Insbesondere auch Dank des ehrenamtlichen Einsatzes zahlreicher Arten- und Biotopschützer – auch im BN - konnten vor Ort regionale Erfolge erzielt werden. Auch wenn Riednelke, Weißstorch oder Wanderfalke im Bestand anstiegen, der Biber zurückgekehrt ist und sogar Luchs, Bär und Wolf Bayern langsam wieder zurückerobern - der landesweite Rückgang vieler Arten und Lebensräume konnte nicht gestoppt werden. 

Die vorhandenen Instrumente und Maßnahmen in Bayern zum Schutz der Natur greifen nur partiell und werden durch gegenläufige Entwicklungen (Zerstörungen) vielfach konterkariert. „Wesentliche Ursache für den Rückgang heimischer Tier- und Pflanzenarten ist die Verarmung und der Verlust der Lebensräume. Die drastische Abnahme ist nicht nur Resultat von Flächenschrumpfungen, sondern auch von Flächenzersplitterungen …“ (Bayerische Biodiversitätsstrategie, StMUG 2008). Insbesondere die Bereiche „Landwirtschaft“, „Wasserwirtschaft“ und „Verkehr“, aber auch „Klimaschutz“ müssen daher bei Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität eine zentrale Rolle spielen. Gerade hier werden immer noch bzw. beim Klimaschutz zunehmend Maßnahmen durchgeführt, die zum Rückgang und Verlust von Arten und Lebensräumen führen.

 

Die Biodiversitätsstrategie Bayern:

Der Ministerrat hat am 01.04.2008 eine bayerische Biodiversitätsstrategie verabschiedet. Der BN hat diese im Grundsatz begrüßt, aber auch etliche Kritikpunkte und vor allem Forderungen nach Konkretisierung, Finanzierung und konsequenter Umsetzung in allen Ressorts gefordert. Mehr Infos:

  • Zitate aus der bayerischen Biodiversitätsstrategie.
  • Bewertung der Strategie durch den Bund Naturschutz.
  • Forderungen des Bund Naturschutz zur Biodiversitätsstrategie und zum Schutz der Biodversität in Bayern.
  • Resolution zum Schutz der Biodiversität der BN-Landestagung April 2010.

 

 

 

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