Die biologische Vielfalt schwindet rapide. Dabei wissen wir oft nicht einmal, was wir verlieren. Erschreckend ist die Geschwindigkeit: die Veränderungen der biologischen Vielfalt in den letzten 50 Jahren sind viel schneller erfolgt als in jedem anderen vergleichbaren Zeitraum der Menschheitsgeschichte. Die Ursachen des Verlustes nehmen nicht ab. Der Mensch ist derzeit für die 6. große Aussterbewelle in der Erdgeschichte und die größte seit dem Verschwinden der Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren verantwortlich (BfN 2007).
Beispiele für Gefährdungsgrade:
Von den ca. 47.000 Arten, die weltweit auf ihre Gefährdung hin untersucht sind, stehen knapp 17.000 als „gefährdet“ in der „Roten Liste“ der IUCN (2009): beispielsweise jede 3. bekannte Amphibien- und Fischart, jede 4. bekannte Säugetierart, oder jede 8. bekannte Vogelart.
Bayern: 50 % der 16.000 bewerteten Tierarten sind gefährdet, darunter einige Artengruppen besonders stark, z.B. 70% der Reptilien, 68% der Ameisen, 63% der Amphibien, 61% der Heuschrecken, 60% der Tagfalter (LfU 2003). 43 % der 2.727 einheimischen Farn- und Blütenpflanzen, 50% der Moose und 40% der Großpilze sind gefährdet (LfU 2003).
Weitere Beispiele für den alarmierend schlechten Zustand der Natur weltweit, in Europa, Deutschland und Bayern: --> Infoblatt "Zustand der Biodiversität".
Die EU hat einen "Aktionsplan Biodiversität" verabschiedet.
Dennoch wurde das Ziel, den Artenverlust bis 2010 zu stoppen nicht erreicht:
Europa- und weltweit ist zentral für die weitere Zerstörung der biologischen Vielfalt das „Versagen der öffentlichen Institutionen und Versäumnis der traditionellen Wirtschaftswissenschaften, den wirtschaftlichen Wert des Naturerbes und der Ökosystemleistungen anzuerkennen.“ (EU-Kommission 2008).
„Der Artenschwund in Europa ist das Ergebnis von Millionen einzelner Werteentscheidungen der letzten Jahrzehnte. ... Die Biodiversitätsentwicklung ist leider weiterhin negativ, was nicht daran liegt, dass man nicht wüsste, wie man dem Artenschwund begegnen könnte. Es fehlte bislang der politische Wille, die seit langem als notwenig anerkannten Maßnahmen auch wirklich durchzusetzen.“ (Wirtschafts- und Sozialausschuss des Europäischen Parlamentes (WSA), Stellungnahme Nat 436 Halbzeitbewertung Aktionsplan Biologische Vielfalt, 15.07.2009).
Gefährdungsursachen:
Für unseren Lebensstil und Konsum verbraucht die Menschheit immer mehr Fläche und greift ständig in die Natur ein: Überbauung von Böden, Intensivierung der Nutzung, Begradigung und Eindeichung von Flüssen, Trockenlegung der Feuchtgebiete und Entwässerung der ganzen Landschaft, Schadstoffeinträge aus Industrie und Verkehr, Pestizide und Gentechnik in der Landwirtschaft, Monokulturen in der Forstwirtschaft, Jagd, invasive Neobiota usw.. Neben den Flächenverlusten ist es v.a. die Verinselung und Zerschneidung von Lebensräumen, die die Artenvielfalt reduziert. Dazu kommt nun noch der Klimawandel, der eine zusätzliche starke Bedrohung für die Biodiversität darstellt (vgl. BN-Infodienst "Naturschutz in Zeiten des Klimawandels")
Auch der Erhalt der Biodiversität weltweit hängt unmittelbar mit unserem Lebensstil zusammen: die 40 Mio. in Deutschland lebenden Rinder und Schweine verursachen den Import von jährlich Mio. Tonnen an Soja und anderen Futtermitteln. Damit frisst deutsches Vieh tropische, global höchst bedeutsame Artenvielfalt der tropischen Regenwälder. Auch Biosprit in deutschen Autos kann zu Lasten dieser Zentren der biologischen Vielfalt gehen. Wir sind mit unserem Lebensstil also nicht für Zerstörung oder Erhalt der Natur in unserem direkten Umfeld verantwortlich, sondern weltweit.