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Warum sollte der Mensch die biologische Vielfalt bewahren?

Für den Erhalt der biologischen Vielfalt gibt es eine Reihe von Gründen:

  • Natur hat einen Eigenwert, wir haben eine ethische-moralische Verpflichtung, das Leben in voller Vielfalt zu erhalten. Die 1 Art Mensch hat ethisch und moralisch nicht das Recht, über die Existenz aller anderen Arten zu entscheiden. Er trägt für einen respektvollen Umgang die Verantwortung. Viele empfinden dies auch als Ehrfurcht vor der Natur.
  • Kulturelle Gründe: Die Artenvielfalt ist in Deutschland auch durch kulturelle Nutzungen vergrößert worden, sie ist auch Kulturvielfalt und Kulturerbe. Mit dem Erhalt der gesamten Vielfalt wird die Vielfalt von Natur- und Kulturlandschaft erhalten.
  • Eine arten- und strukturreiche Landschaft dient unserem Wohlbefinden und unserer Erholung. Wir finden sie schöner (ästhetische Gründe), wir fühlen uns darin wohler, verbinden damit Heimat (emotionale Gründe), fahren dorthin in Urlaub, erholen und schöpfen Kraft aus schöner Landschaft. Wir lassen uns von vielfältiger, schöner Landschaft inspirieren (Kunst, Musik, Philosophie etc.). Die Vielfalt der Natur hat auch eine positive therapeutische Wirkung auf Körper und Psyche („Seelenschutzgebiete“). Im Nationalpark Bayerischen Wald gibt es daher einen „Seelensteig“ in der Waldwildnis.
  • Pädagogische Gründe: Lernen braucht Vielfalt, die Beobachtung von Vielfalt fasziniert. Kinder lernen mit Vielfalt grundlegende ökologische Prozesse. Eine natürliche Umwelt ist für die kindliche Entwicklung förderlich und erhöht Konzentration, Ausdauer, Motivation, Konfliktfähigkeit und soziale Kompetenz.
  • Ökologische Gründe: Ökosysteme sind durch eine bestimmte Artenzusammensetzung und –vielfalt einschließlich genetischer Vielfalt gekennzeichnet. Viele Arten stehen in  - uns vielfach noch nicht bekannten – funktionalen Wechselbeziehungen und hängen voneinander ab (Nahrungsketten, Bestäubung, Symbiosen etc.).
  • Wirtschaftliche Gründe: Das Leben und Wirtschaften des Menschen ist existenziell von zahlreichen Ökosystemleistungen abhängig, Biodiversität hat Versicherungscharakter und bietet vielfältige Handlungsmöglichkeiten. Natur ist ein wichtiger Standortfaktor.
    Der ökonomische Nutzen der Ökosysteme wird auf ca. 50 Billionen € pro Jahr geschätzt (StMUG 2008). Andere Schätzungen gehen von ca. 60 Billionen (1012) US$/ Jahr aus (BMU). Zum Vergleich: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Welt lag im Jahr 2007 bei etwa 54.300 Milliarden (= 54 Billionen) US-$. Der ökonomische Wert der biologischen Vielfalt liegt über dem, was wir Menschen für uns produzieren

Leistungen der Ökosysteme:

·          Versorgende Leistungen: Produktion von Nahrung, Süßwasser, Brennholz, Fasern, Biochemikalien, genetische Ressourcen etc.

·          Tragende Leistungen: Bodenbildung, Nährstoffkreislauf, Bestäubung, Primärproduktion etc.

·          Regulatorische Leistungen: Klimaregulierung, CO2-Speicherung, Wasserregulierung, Wasserreinigung, Hochwasserschutz, Krankheitsregulierung

·          Kulturelle Leistungen: Erholung, Ästhetik, Inspiration, Bildung, Kulturerbe, Ortsverbundenheit.

Mindestens 40% der globalen Wirtschaft und 80% der Bedürfnisse der indigenen Bevölkerung und dörflicher Gemeinschaften fußen heute auf biologischen Ressourcen.

„Ökologische Zerstörung ist ökonomischer Selbstmord.“

Wobei klar ist: nicht alles ist ökonomisch fassbar und jede ökonomische Bewertung braucht einen ethischen Rahmen. Wirtschaftliche Gründe zählen nur zusätzlich zu den vielen anderen Gründen. Der Wert der Natur und die Würde der Kreaturen ist über jeden Preis erhaben.

(K. Töpfer). Zukünftige Handlungsmöglichkeiten werden zentral von den natürlichen Ressourcen bestimmt, die die biologische Vielfalt bietet. Die Vielfalt ist Lebensversicherung. Die von gesunden, biologisch vielfältigen Ökosystemen zur Verfügung gestellten Dienstleistungen sind das Fundament menschlichen Wohlergehens und Lebens (Lebensversicherung). Biologische Vielfalt ist Antriebsmotor für alle wesentlichen Lebensvorgänge, der Verlust stellt eine ernsthafte Bedrohung für die menschliche Entwicklung dar. Viele Arten sterben aus, bevor der Mensch sie nutzen kann. Wir können nur grob schätzen, was Naturzerstörung kostet. Allein durch den rapiden Verlust der Wälder droht das globale Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um 6% zu sinken – das wären 2 Billionen Euro. Die Kosten eines wirksamen Biodiversitätsschutzes wären geringer als die volkswirtschaftlichen Kosten des fortgesetzten Nichts-tuns. Jeder investierte Dollar zahlt sich 100-fach aus (Sukhdev 2008).

 

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