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Der Wolf in den bayerischen Alpen

1. Die Alpen sind ein zusammenhängender Lebensraum.

In den angrenzenden Alpenländern gibt es bereits Wölfe, Bären und Luchse - warum also nicht auch in den bayerischen Alpen?

Der Lebensraum bayerische Alpen ist genauso für diese Arten geeignet wie in den anderen Alpenländern. Ziel ist der gemeinsame Schutz dieser Arten im gesamten Alpenraum. Das sieht auch die Alpenkonvention (von Deutschland unterzeichnet) vor. Die Alpenländer arbeiten daher gemeinsam an Schutzkonzepten und an Lösungsstrategien bei auftretenden Konflikten. Die Broschüre "Große Beutegreifer in den Alpen und Karpaten" (von alparc, unterstützt durch das Bundes-Umweltministerium) gibt einen Überblick (download).

Im Rahmen der Alpenplattform erarbeiten derzeit alle Alpenländer einen Strategie-Managementplan für die "Großen Beutegreifer".  Die Länder bringen hier zwar ihre regionalen Erfahrungen ein, der Strategieplan wird aber ein abgestimmtes einheitliches alpenweites Handeln sicherstellen. "No-go-Areas" wie derzeit vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (AVO) gefordert, werden damit sicher nicht vereinbar sein, da sie schlichtweg rechtswidrig sind.

 

2. Schafhaltung in den bayerischen Alpen ...

... durch den Wolf bedroht?

Bis Dezember 2010 hat der bayerische Wolf 19 Schafe gerissen - Almbauern und einige Politiker fordern nun seinen Abschuss und eine "no-go-Area" bayerische Alpen, die Schafhalter drohen mit Aufgabe der Schafbeweidung:

Die Forderungen des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) vom Januar 2011:

  • "Der bayerische Alpenraum ist als wolfsfreies Gebiet auszuweisen (No-go-area).
  • Der Freistaat Bayern wirkt darauf hin, daß auch Österreich die Ausweisung wolfsfreier Gebiete prüft.
  • Der Freistaat Bayern wirkt darauf hin, daß es zu keinen Emissionen benachbarter Wolfspopulationen in den bayerischen Alpenraum kommt.
  • Der im Mangfallgebirge ansässige Wolf ist gemäß § 45 Abs. 7 BNatSchG unverzüglich zu entnehmen."

Der BN hält diese Forderungen für rechtlich und fachlich falsch:

 

Eine Koexistenz ist möglich ....

Eine Koexistenz von Wolf und Schafhaltung ist möglich, und gerade der BN kann und will hier ein Vermittler sein. Unsere Vorfahren haben den Wolf ausgerottet. Über Jahrtausende entwickelte und bewährte Herdenschutzsysteme verschwanden damit aus dem öffentlichen Gedächtnis. Es scheint heute selbstverständlich, dass wehrlose Nutztiere sich frei in der Landschaft bewegen – so auch viele kleine, nicht betreute Schafherden in den bayerischen Alpen. Doch nun kehren die großen „Raubtiere“ wieder zurück und zeigen uns, dass dies eben nicht der Normalfall ist.

Denn in einem Wolfsgebiet sollten Schafe und Ziegen nicht ungesichert auf Wiesen und Weiden stehen. Weder am Tag noch in der Nacht. Schafe und Ziegen stellen für Wölfe eine äußerst leichte Beute dar, da ihnen mittlerweile der Fluchtreflex fehlt.

Es müssen wieder Schutzsysteme aufgebaut werden. Die bayerischen Behörden und Verbände der "Arbeitsgruppe Wildtiermanagement" sind dabei, konkrete Lösungen zu finden (Prävention =Vorsorge).  In verschiedenen europäischen Regionen haben die Viehhalter bereits wieder gelernt, mit dem Wolf umzugehen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat in den letzten Jahren bereits Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern ausgewertet und einen umfangreichen Handlungsleitfaden für Viehhalter erstellt: www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/merkblaetter/p_37807.pdf

 

 

... auch in den bayerischen Alpen

Die Beweidung im bayerischen Alpenraum unterscheidet sich von der im Flachland, da Schafe und vereinzelt auch Ziegen meist ohne Zaun und Hirte auf der Alm unterwegs sind. Eine flächige Einzäunung zum Schutz vor dem Wolf ist daher und auch aufgrund des felsigen Geländes nicht möglich. Einfache Patentrezepte gibt es nicht.

Im Revier des bayerischen Wolfs wurden 2010 kurzfristig die Schafe abgetrieben und hierdurch entstandene Futtermehrkosten abgegolten. Versuchsweise ist auf einer Alm eine zeitweise Behirtung mit nächtlichem Einpferchen umgesetzt – aus dieser Herde wurden keine weiteren Schafe mehr gerissen. Nun müssen dauerhafte regional angepasste Lösungen gescht werden. Einfache Patentrezepte gibt es nicht. Wer aber jetzt schon behauptet "geht nicht" und mit der Aufgabe der Schafbeweidung droht oder wolfsfreie Alpen (no-go-Areas") fordert, macht es sich zu leicht. Auch wenn der Aufwand hoch ist, sollte uns das der Wolf wert sein.

Zudem ist auch nicht jede Beweidung per se gut für die Biodiversität. Für eine naturgemäße Schafbeweidung im Alpenraum, im kleinräumigen Mosaik aus Bergwäldern und lichten Alm-Weiden, ist besonders wichtig, dass die Schafe zu rechten Zeit am rechten Ort unterwegs sind. Bei zu intensiver Beweidung kann der positive Effekt für Biotope schnell durch übermäßigen Verbiss, Trittschäden und Nährstoffüberfrachtung ins Gegenteil umschlagen. Gerade Schafe fressen wenig selektiv und sehr bodennah und können daher in zu großer Dichte den Artenreichtum verbissempfindlicher Arten reduzieren. Zudem gibt es in den Hochlagen erosionsanfällige Hänge, für die eine Beweidung generell ungünstig ist.

Schutz der Biodiversität heißt daher: eine bessere Lenkung der Herden durch Behirtung und Nachtpferche und am besten eine permanente Behirtung mit Herdenschutzhunden. Sofern dafür eine Zusammenlegung der Herden nötig ist, dürfen die Schafzahlen nicht erhöht und die Beweidung nicht auf dafür ungeeigneten Flächen intensiviert werden. Welches Maß an Beweidung die wertvollen Pflanzengesellschaften im Rotwandgebiet vertragen, muss deshalb nach Ansicht des BN bei der Erarbeitung regionaler Lösungen auch mit auf den Prüfstand. Der Wolf darf weder Anlass für eine Intensivierung noch für eine Aufgabe der Schafbeweidung sein – beides wäre kontraproduktiv für die Biodiversität. 

Treten dennoch Verluste auf, werden bereits jetzt Ausgleichszahlungen an betroffene Tierhalter geleistet (siehe Bayerisches Wildtiermanagement). Dass jeden Almsommer viele Tiere durch ganz andere Ursachen umkommen – zum Beispiel durch Hunde, Witterungsextreme und Absturz – wird von den Almbauern schließlich auch akzeptiert.

 

 

 ... der Wolf ist daher auch keine Bedrohung für die Biodiversität der Almweiden

Anstatt "No-go-Areas" zu fordern, müssen sich nun alle Beteiligten an die Erarbeitung funktionierender lokal angepasster Schutzkonzepte machen. Almbauern und Bund Naturschutz sollten sich durch die Rückkehr des Wolfes nicht auseinanderdividieren lassen.

Der BN fordert

  • ein Förderprogramm Herden- und Nutztierschutz mit gelenkter Beweidung in vom Wolf besiedelten Gebieten
  • die Einführung von Bonussystemen zur Inwertsetzung der seltensten Tierarten Bayern
  • endlich die Einführung einer "Natura 2000"-Prämie
  • und die Einführung einer "Biodiversitätsprämie" für Nutzungen, die die Biodiversität  erhalten und sichern (z.B. auch auf artenreichen Almweiden)

Der BN würde sich wünschen, dass die Almbauern - anstatt den Abschuss des Wolfes zu fordern- diese konkreten Forderungen unterstützen würden: für die Biodiversität, in der auch der Wolf einen Platz hat.

 

 

 

3. Der BN setzt sich schon seit Jahrzehnten für Schafbeweidung ein:

Überall in Bayern ist der BN an Beweidungsprojekten beteiligt, denn extensive Schafweide ist die Voraussetzung für den Erhalt sonnendurchglühter Magerrasen und bunter Wacholderheiden. Ob Coburger Fuchsschaf, Waldschaf oder Rhönschaf – diese alten, heute gefährdeten Schafrassen sind „Lieblingskinder“ des BN. Kürzlich feierte das BN-Rhönschafprojekt 25-jähriges Jubiläum, es war bundesweit das erste Modellprojekt einer engen Zusammenarbeit zwischen Schäfern und Naturschützern. Und der BN kämpft gemeinsam mit dem Landesverband Bayerischer Schafhalter gegen unsinnige EU-Bürokratie und für Beweidungsprämien, ohne die Schäfer wirtschaftlich nicht überleben könnten.
Naturschutz und Schfhalter sollten auch beim Wolf konstruktive Lösungen finden, anstatt wie die Almbauern dem Wolf ein Lebensrecht abzusprechen - der BN wird weiterhin daran arbeiten: für Schafbeweidung und Wolf

 

 

 

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