4. Ist Atomstrom billig?
Nein. Atomkraft ist die am höchsten subventionierte Energiequelle.
Deshalb werden seit mehr als 20 Jahren in keinem Land, in dem Atomstrom marktwirtschaftlich mit anderen Stromquellen konkurrieren muss, Atomkraftwerke bestellt oder gebaut.
Seit 1960 steckten die diversen Bundesregierungen steckten seit 1960 mehr als 20 Mrd. € in die Weiterentwicklung der Atomkraftwerke, Kosten, die eigentlich von den Stromkonzernen bezahlt werden müssten. Darüber hinaus kommt die Bundesregierung für die Kosten der Stilllegung von Atomkraftwerken auf (z. B. Greifswald 5 Mrd. €, Versuchsreaktor Karlsruhe 1 Mrd. €, "Entsorgung" der Uranabbauflächen in Sachsen und Thüringen 10 Mrd. € usw.)
In Deutschland hat sich der Strompreis zur Markteinführung der Atomkraft (1970 bis 1985) verdoppelt. Der Durchschnittspreis stieg um 5 Ct/kWh auf 9,44 Ct/kWh. (Zum Vergleich: Die Markteinführung von Strom aus Wind, Sonne und Biogas hat den Stromkunden bisher weniger als 0,5 Ct/kWh gekostet.)
Die Stromkonzerne legten 35 Mrd. € "Entsorgungs"-Rücklage an, die für sie bis heute steuerfrei blieb und die sie zum Aufkauf von Marktkonkurrenten missbrauchten. Die tatsächlichen Entsorgungskosten sind nicht absehbar, da sie sich vermutlich über Jahrzehntausende erstrecken.
Der größte Marktvorteil gegenüber anderen Stromerzeugern steht im Atomgesetz: Atomkraftwerke sind von einer angemessenen Haftpflichtversicherung befreit (Kohle-, Gas- oder Windkraftwerke nicht). Schon 1992 bezifferte der Bundeswirtschaftsminister diese Subvention auf 3,60 DM (1.80 €) pro Kilowattstunde! (Wirtschaftswoche , 6. Nov. 92)
Nach einer Katastrophe gibt es für die Überlebenden keinen Schadensersatz.
Atomstrom ist nicht konkurrenzfähig
Trotz aller Finanzspritzen ist Atomkraft bis heute nicht wettbewerbsfähig. Das Branchenblatt "atomwirtschaft" räumt in seiner Ausgabe 12/2001 ein, dass Gas, Kohle und Wind die Kilowattstunde billiger erzeugen als ein neues Atomkraftwerk.
Die blauen Balken geben den minimalen Preis, die violetten Balken den maximalen Preis an. Seit dieser Veröffentlichung in der atomwirtschaft 12/ 2001 sind die Kosten für fossilen Strom gestiegen, die für die Windkraft gefallen.
Alte und neue Kraftwerke
Die Kosten für eine Kilowattstunde Strom setzen sich aus den Kosten für das Kraftwerk (sog. Kapitalkosten, auch Abschreibung), aus den Brennstoff- und den Betriebskosten (Personal, Wartung) zusammen. Gaskraftwerke sind vergleichsweise preiswert, haben aber einen hohen Brennstoffpreis. Bei Wind- und Atomkraftwerken ist es umgekehrt: Der größte Preisanteil kommt von den Anlagekosten. Windkraftwerke brauchen keinen Brennstoff.
Das obige Preisdiagramm der atomwirtschaft vergleicht die Gesamtkosten, also z. B. neue Atomkraftwerke mit neuen Windkraftwerken.
Würde man alte (abgeschriebene) Atomkraftwerke mit abgeschriebenen Windkraftwerken vergleichen, so wäre das Ergebnis noch eindeutiger zugunsten der Windkraft, da Windkraftwerke nahezu keine Betriebskosten aufweisen.
In der öffentlichen Diskussion aber werden zumeist abgeschriebene Atomkraftwerke mit neuen Windkraftwerken verglichen, was betriebswirtschaftlicher Unfug ist
Der Stromkonzern Vattenfall (einer der 4 deutschen Stromriesen) gab im Februar 2006 bekannt, dass sich "die Beschaffungskosten für regenerativen Strom nicht so stark erhöht haben wie die für konventionellen Börsenstrom". Erneuerbarer Strom trägt also zur Dämpfung des Strompreisanstiegs bei.
Windkraft an günstigen Standorten Norddeutschlands ist mittlerweile preiswerter als der Strom, den ein Elektrizitätsversorger an der Leipziger Strombörse EEX kaufen kann. Der "gleitende Durchschnittspreis" (Monatsmittel) stieg im Fühjahr 2006 auf fast 7 Ct/kWh. Es ist demnach vernünftiger, in Windkraft zu investieren als in Atomkraft.
Fehlende Haftpflichtversicherung

Wirtschaftswoche, 6.Nov. 1992
Daraus: Entscheidender Kostenblock fehlt
Eberhard Moths, im BMWi für langfristige Energiefragen zuständig, kam beim gemeinsamen Rechnen mit den Prognos-Gutachtern zu horrenden Abgaben. "Nur für die jährliche Risikoversicherung", sagt Moths im Hinblick auf die Kosten, "wären mehr als 500 Milliarden Mark auf die Stromrechnung draufzuzahlen." "Das wäre", so Moths, "ein Aufschlag von 3,60 Mark je Kilowattstunde".
"Kernkraftwerksbetreiber tragen nicht die vollen volkswirtschaftlichen Kosten der Produktion. Schäden an Gütern und Personen in einer Unfallregion sind praktisch überwiegend unversichert und würden gegebenenfalls vom Staat getragen." (Prof. Kai Konrad, Finanzwirtschaft FU Berlin, 07.01.99)
Bis heute wurde keine angemessene Haftpflichversicherung vorgeschrieben.