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2. Sind Atomkraftwerke sicher?

Atomunfälle in Unfall Windscale 1957, Bohunice (1976), Harrisburg (1979),Tschernobyl (1986), Tokai Mura (1999) und
 an vielen anderen Orten setzten große Mengen Radioaktivität frei. Direkte Todesopfer waren zu beklagen, noch gravierender die langfristigen Krebsopfer und die Schädigung der Nachgeborenen.

Kann denn so etwas wie in  Tschernobyl kann bei uns hier in Deutschland wirklich passieren? Wird nach dem Film "Die Wolke" oft gefragt.

2 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Romans wurde Gudrun Pausewangs Annahme von der Reaktorrisiko-Studie bestätigt, die  das Bonner Innenministeriums  präsentierte. Ein technisches Reaktorversagen hierzulande ist nicht auszuschließen. Die errechnete Versagenswahrscheinlichkeit ist sogar vergleichsweise hoch. Deutsche Reaktoren enthalten mehr Radioaktivität als der Unglücksreaktor von Tschernobyl und die Umgebung ist viel dichter besiedelt. Deshalb läge bei einer Reaktorkatastrophe in einer deutschen Atomanlage die Zahl der Opfer weit über der von Tschernobyl.

Große Teile Deutschlands würden für Jahrhunderte unbewohnbar.

Der Unglücksreaktor in Tschernobyl hatte nur eine Leistung von 1000 MW und war erst wenige Wochen in Betrieb. Die Produktion radioaktiven Mülls hatte gerade erst begonnen. Sein radioaktiver Inhalt war also viel kleiner als der eines deutschen Reaktors mit 1400 MW Leistung und jahrelanger Betriebsdauer.

Die Risikostudie Kernkraftwerke der deutschen Bundesregierung ( Phase A 1979 und Phase B 1989) errechnete 14000 Soforttote und hunderttausende sog. Langzeittote für eine Reaktorkatastrophe in einem deutschen Druckwasserreaktor. Die Wahrscheinlichkeit für ein technisches Versagen liegt bei 3 mal in 100 000 Reaktorjahren.

> Phase B
Menschliches Versagen und Sabotage werden in der Studie nicht beziffert.

Deutsche Atomreaktoren sind gegen diese Katastrophe nicht haftpflichtversichert. (vgl. Atomgesetz)

Reaktorbetriebsjahre:

Die in der Risikostudie berechnete Unfallwahrscheinlichkeit ergibt sich rein technisch aus der Haltbarkeit und Zuverlässigkeit der Bauteile eines Reaktors. Je länger der Reaktor in Betrieb ist und je mehr Reaktoren in Betrieb sind, desto größer die Versagenswahrscheinlichkeit.
Aus diesem Grund ist ein "Reaktorbetriebsjahr" eine vernünftige Maßeinheit zur Beschreibung der Unfallwahrscheinlichkeit. Ein Reaktorbetriebsjahr ist, wie der Name sagt, die Gesamtheit aller Betriebszustände eines Reaktors (darin eingeschlossen auch die Störfälle) in einem Betriebsjahr.
Tritt eine schwere Reaktorkatastrophe im Mittel dreimal in 100000 Reaktorbetriebsjahren ein (wie es in der Zusammenfassung der Risikostudie heißt: Wahrscheinlichkeit 3/100.000 pro Reaktorbetriebsjahr), so lässt sich daraus durch Multiplikation mit der Betriebsdauer der Reaktoren und ihrer Zahl die Gesamtwahrscheinlichkeit ausrechnen.
Für einen Reaktor mit 35 Jahren Betriebsdauer ergibt sich die Unfallwahrscheinlichkeit von 3*35/100.000 = 1/1000.
Für 166 Reaktoren mit je 35 Jahren Betriebsdauer folglich: 166/1000 = 1/6.
Das ist dieselbe Wahrscheinlichkeit, mit der man beim Würfeln eine "Sechs" mit einem Wurf erzielt.

In Mitteleuropa stehen mehr als 166 Atomreaktoren.

Die Risikostudie Kernkraftwerke ist von Umfang und Tiefe her weltweit führend. Vergleichbare Studien gibt es weder aus den USA, noch aus Frankreich oder Osteuropa.

Für wenige Jahre gab es in Deutschland ein Atomgesetz, das "sichere" Atomkraftwerke zu fordern schien: Atomartikelgesetz.

Ein Vergleich, welche Reaktoren in welchen Ländern sicherer sind, ist kaum zu ziehen. (Die Int. Atomlobby hat mehrmals vor solchen Vergleichen gewarnt, weil es das Image der AKWs noch weiter in Mitleidenschaft zieht.)

Man kann nur hoffen, dass die französischen oder die osteuropäischen Reaktoren nicht noch unsicherer als die deutschen sind.

Wie glaubwürdig Darstellungen der Reaktorsicherheit sind, zeigt ein Beispiel aus der atomwirtschaft, Dez. 1983.

Dort beschreibt Dipl. Ing. H.-P. Born, VEW, Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG, Dortmund (Vortrag beim Deutschen Atomforum in Bonn) die

"Hauptmerkmale (Vorteile)"

des RBMK-Reaktors (Anm. Tschernobyl-Typ):

- der Reaktor ist nicht von einem tonnenschweren Hochruckbehälter umschlossen

- die Verlässlichkeit des ganzen Systems ist sehr hoch dank der Überwachungs- und Kontrollmöglichkeit der einzelnen horizontal liegenden Kanäle aus Zirkon

- die Nachladung erfolgt "on-load" mit Brennstoffstäben

- der Kühlkreislauf kann in kleinere isolierte Gruppen von Kanälen aufgespalten werden (beim RBMK- 1000 sind hierzu acht Kreislaufpumpen vorhanden),

- die Möglichkeit, den Reaktor während des Betriebes in jede beliebige Anzahl getrennter Sektionen zu unterteilen und

- die Möglichkeit der nuklearen Dampfüberhitzung

Der erste große Block RBMK-1000 (1000 MW) ging 1974 im KKW Leningrad in Betrieb und wurde inzwischen dort um drei weitere gleich große Blöcke ergänzt.

Außerdem wurde dieser Reaktortyp auch in den Kernkraftwerken Kursk (2 Blöcke), Tschernobyl (3 Blöcke) und Smolensk (1 Block) installiert."

3 Jahre später wollte niemand mehr dieses Sicherheitslob wahrhaben.

 

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