Unfall in Windscale 1957
7. Oktober bis 12. Oktober 1957
Im Reaktor Windscale Pile No. 1 (der Standort hat mittlerweile seinen Namen in Sellafield geändert) nahe Liverpool (Großbritannien) beginnt ein Techniker den Reaktor anzuheizen, um die sog. Wigner-Energie aus dem Moderator Graphit zu glühen. Bei dem verwendeten Reaktor handelt es sich um einen von zwei luftgekühlten und graphit-moderierten Reaktoren. Sie werden mit Uran betrieben und dienen dazu, Plutonium für Atomwaffen herzustellen.
Der verwendete Reaktortyp ist noch sehr primitiv aufgebaut. Er wird durch einen von riesigen Lüftern erzeugten Luftstrom gekühlt. Am Morgen des 7. Oktober 1957 wird der Reaktor kontrolliert heruntergefahren und die Luftkühlung abgestellt. Der Reaktor wird danach im unteren Leistungsbereich wieder angefahren. Die Techniker stellen allerdings einen Temperaturabfall anstelle eines Temperaturanstiegs fest. Am nächsten Tag wird der Reaktor in einem höheren Leistungsbereich gefahren als erlaubt, damit die Wigner-Energie schneller beseitigt werden kann.
Dabei waren die Techniker allerdings einem Trugschluss aufgesessen: Im normalen Betrieb liegen Temperaturspitzen niedriger als beim Ausglühen. Im nicht kontollierten Bereich fing das Graphit deshalb an zu brennen. Blaue Flammen schlugen aus dem Reaktor. 750 Mrd. Bq gelangten in die Atmosphäre. Das Feuer brannte vier Tage und verbrauchte einen Großteil des Kernbrennstoffs. Den Technikern gelang es nicht, die 150 Kernbrennstäbe aus dem Reaktor zu ziehen. Als letzte Konsequenz wurde der Reaktor mit Wasser geflutet.
Radioaktive Gase, vor allem Jod, Krypton und Xenon konnten in die Atmosphäre entweichen. Die Milcherzeugung in einem Gebiet von 520 km² wurde verboten. Der Unfall wurde auf der INES-Skala in die Stufe 5 eingeordnet.
Mit der völligen Stillegung der abgeschalteten Reaktoren wurde 1990 begonnen, sie wurde erst 1999 fertig gestellt.
Interessante Unfallschilderung
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