BN nimmt Stellung zur Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur Einsparung von Pestiziden durch den Anbau von GVO-Pflanzen
Die Entscheidung zum weiteren Anbau von Genmais in Bayern ist nach den Worten des Vorsitzenden des Bundes Naturschutz (BN) Hubert Weiger auf der Grundlage falscher Daten gefallen. Eine entsprechende Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sei fachlich falsch und komme zu «absurden Schlüssen», sagte Weiger in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Pflanze soll den Einsatz eines Insektizids überflüssig machen, da sie selbst das Insekten tötende so genannte Bt-Gift produziert.
In der Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) wurde untersucht, wie sich der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) auf den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln und die Bewertung möglicher Veränderungen hinsichtlich der Belastung der Umwelt und des Naturhaushaltes auswirkt.
Bei der Studie seien Zahlen aus der Literatur auf Grundlage unrichtiger Voraussetzungen hochgerechnet worden. «Es wird ein Eindruck erweckt, als könne die Landwirtschaft durch den Genmais sehr viel an Pestiziden und damit Kosten einsparen», sagte Weiger. «Aber die Zahlen sind nur theoretisch und gehen von Schädlingen aus, die es hier zu Lande nicht einmal gibt.» Der in den USA verbreitete Maiswurzelbohrer komme in Deutschland fast nicht vor und müsse somit auch nicht bekämpft werden. Der Maiszünsler wiederum könne bestens auch ohne Gift bekämpft werden, etwa durch einen Wechsel der Fruchtfolge.
Es handele sich um eine «Lobbystudie», sagte der BN-Vorsitzende. «Hier wird auf gezielten politischen Druck verharmlost.» Die Studie verspreche, mit dem Bt-Mais könnten die bayerischen Bauern 2000 Tonnen Pestizide eingesparen, wenn auf allen Maisfeldern im Freistaat die neue Pflanze angebaut würde. «Die Bauern hören nur 2000 Tonnen und gehen davon aus, dass man Geld sparen kann.» Die Pestizidmenge sei aber theoretisch angesetzt und entspreche nicht der tatsächlich ausgebrachten Menge.
Außerdem sei beispielsweise nur der Herbsthonig auf genveränderte Pollen untersucht worden. Dabei waren Genmais-Pollen nur in geringer Menge nachgewiesen worden. Tatsächlich aber hätten die Bienen Pollen des vergangenen Jahres vorwiegend für ihren jetzigen Nachwuchs aufgehoben, so dass die genveränderten Pollen vermehrt erst im Frühjahrshonig auftauchen könnten.
Die eingebaute Herbizidresistenz ermögliche den Bauern ferner den Einsatz von hochwirksamen Totalherbiziden. Dies führe aber auf längere Sicht zu Resistenzen, so dass immer mehr Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden müsse. In den USA der Genmais-Anbau zu einer massiven Zunahme von 62 000 Tonnen Unkrautvernichtungsmittel geführt. «Die Genmanipulation ist das größte Geschäft für die Agrarindustrie. Zuerst konstruiert sie Genpflanzen, lässt sie patentieren und zwingt die Landwirtschaft in Abhängigkeit, dann erhöht sie das Geschäft über den Absatz von Unkrautvernichtungsmitteln.»
Umweltschützer, Imker und viele Landwirte lehnen die Gentechnik ab, da die langfristigen Folgen unklar sind. Der Genmais wurde im vergangenen Jahr zur Erprobung der Wechselwirkung mit konventionellem Anbau bundesweit auf rund 30 Feldern angebaut. In diesem Jahr soll er auf 101 Feldern bundesweit ausgesät werden, 42 davon im Freistaat.
Die Zahlen in der Studie über die angeblich allein in Bayern durch den Anbau von Gentech-Pflanzen einzusparenden Pestizidmengen entbehren jeder realistischen Grundlage, beruhen auf idealisierten Annahmen, was die künftige Akzeptanz von Gentech-Pflanzen in Bayern und der EU insgesamt angeht, kalkulieren mit Schädlingen, die künftig vielleicht auftreten könnten und beziehen sich auf Gentech-Pflanzen, deren Marktreife weder vorhanden noch in absehbarer Zeit zu erwarten ist.
Der BN fordert die bayerische Landesanstalt auf, diese Studie zurückzuziehen .
BN-Stellungnahme zur Studie zum Download (pdf)