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Neues Biosiegel kennzeichnet Lebensmittel

Biosiegel auf Tomate

>>> zur Bio-Siegel - Website
des Bundes-ministeriums für
Verbraucherschutz,  Ernährung und
Landwirtschaft

Qualitätssiegel ist ein wichtiges Signal für Agrarwende 

Der BN begrüßt das aus 2001 von Bundesverbraucherministerin Renate Künast eingeführte neue staatliche Bio-Siegel. Es kennzeichnet bis Ende September 2004 bereits 22.925 Lebensmittel, die nach den Vorgaben der EU-Bioverordnung produziert wurden. Erzeuger, Händler und Verarbeiter können das Siegel kostenlos nutzen und es zusätzlich zu ihren Handesmarken oder Verbandszeichen auf Bioprodukte anbringen. Das neue Qualitätssiegel für Lebensmittel aus dem Ökologischen Landbau ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Der BN hatte seit Jahren ein einheitliches Siegel für Bioprodukte gefordert, um mehr Transparenz gegenüber Trittbrettfahrern zu erreichen. Mit Bezeichnungen wie "kontrolliert", "umweltverträglich", "nachhaltig", "integriert" bekamen allzu oft auch konventionelle Produkte ein grünes Mäntelchen umgehängt. Dies trug zur Verunsicherung der Verbraucher bei. Inzwischen ist aber gesetzlich besiegelt, dass wo Bio drauf steht, auch Bio drin ist.

Mit dem Biosiegel hat Renate Künast ein sehr wichtiges Signal pro Ökolandbau gegeben. Das Siegel setzt auf eine erhöhte Nachfrage von Bioprodukten. Leider erhöht sich mit steigendem Absatz nicht automatisch auch die Anbaufläche des Ökolandbaus in Deutschland. Laut einer Studie des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau von 2003 werden knapp 40 % der in Deutschland gehandelten Bioprodukte importiert. Obst und Gemüse, das in Deutschland aus klimatischen Gründen gar nicht oder nur saisonal wächst, wird ebenso eingeführt wie Öko-Getreideprodukte, Geflügel und Eier. Selbst Biomilch stammt teilweise aus dem benachbarten Ausland, beispielsweise aus Öseterreich. Dabei muss ein Viertel der deutschen Biomilch nach wie vor konventionell vermarktet werden, da es vielerorts nicht möglich ist, diese Milch zu verarbeiten. Hier hilft das neue Bio-Siegel nicht weiter. Der BN möchte deshalb auf jedem Bioprodukt auch den Hauptherkunftsort angegeben sehen.


Tipps zum Sparen beim Biokauf

Saison berücksichtigen

Saisonbedingter Preis bei Bio-Salatgurken:
im Februar 03                               1,93 €/Stück
im Juli 03                                     1,04 €/Stück

Saisonbedingter Preis bei Bio-Tomaten:
im November                                 5,04 €/kg
im August                                     3,23 €/kg

Saisonbedingter Preis bei Erdbeeren:
im Januar 04                                 4,59 €/kg
im Mai 03                                     2,36 €/kg


Quelle: ZMP Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungs-wirtschaft, 2004


Das EU-Biogesetz stellt einen europaweiten Mindeststandard dar. Immerhin 80 % der in Deutschland als Öko-Lebensmittel gekennzeichneten Produkte genügen bisher schärferen Kriterien, als sie das neue Siegel vorschreibt. Im Bereich der Tierhaltung verbesserte die EU-Verordnung den bis dahin praktizierten Standard, so dass auch ökologische Anbauverbände in Deutschland ihre Richtlinien nachbessern mussten. Bei Fütterung und Düngerzukauf liegt der EU-Standard aber unter dem hierzulande üblichen Standard. Auch die Gesamtbetriebsumstellung ist auf EU-Niveau nicht eindeutig vorgeschrieben. Ministerin Künast versucht darum mit Unterstützung des BUND, in Brüssel eine Nachbesserung der EU-Bio-Verordnung zu erwirken. Gelingt dies nicht, befürchtet der BN, dass die durchschnittliche Qualität von Öko-Lebensmitteln in Deutschland mit Einführung des Siegels sinken könnte.

Trotz des Siegels wird es also auch künftig nötig sein, sich beim Einkauf über Qualitätsunterschiede zu informieren. Schon deshalb, weil die Markenvielfalt von Händlern, Verarbeitern und deutschen Bioverbänden fortdauern wird. Dass die Verbraucher den Erfolg der Agrarwende wesentlich mitbestimmen, wird im Bereich der Baby-Nahrung deutlich: Hier entscheiden sich bereits 90 % der Eltern für ökologisch produzierte Nahrung.

Marion Ruppaner, Agrarreferentin
des Bundes Naturschutz in Bayern (2005)

 

 

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