Kranke Kühe, kranke Menschen: Die Strahlung des benachbarten Mobilfunksenders wurde zur Belastungsprobe für Josef Stengel und seinen Betrieb.
Vertreter des Bundes Naturschutz (BN) informierten sich im Februar auf dem Stengel-Hof über den aktuellen Stand in dem Fall, der vor über zehn Jahren seinen Anfang nahm: Ende 1997 wird neben dem Anwesen, in unmittelbarer Nachbarschaft der Viehweiden, ein Sendemast des Netzbetreibers T-Mobile errichtet. Im Laufe des Jahres 1998 erkranken die ersten Kühe des auf Milchwirtschaft spezialisierten Betriebs, und es häufen sich Fehl- und Totgeburten. Stechmücken und Bremsen, die auf Viehweiden für gewöhnlich anzutreffen sind, meiden den Bereich um den Sendeturm, Schwalben und Singvögel bleiben aus. Zeitgleich treten bei den Stengels selbst – Vater, Mutter und Sohn – Schlafstörungen, Unruhe- und Erschöpfungszustände und chronische Infekte auf.
Rätselhaftes Rindersterben
„Bis ins Jahr 2001 rätselten wir über die Ursachen“, erinnert sich Friedrich Stengel. Den Hinweis auf eine mögliche Strahlenbelastung durch den 80 Meter vom Haus und nur 20 Meter von der Weide entfernten Sendemast gibt schließlich der Tierarzt, nachdem im Jahr 2000 kein einziges gesundes Kälbchen zur Welt gekommen ist und die noch lebenden Kühe im nunmehr dritten Jahr unter Verhaltens-, Bewegungs- und Fortpflanzungsstörungen leiden. Blutbilder der Tiere ergeben extrem geringe Werte für weiße Blutkörperchen (Leukozyten), was auf eine geschwächte Immunabwehr hindeutet. Doch weder Infektionen noch andere Krankheiten oder eine durch Ernährungs- und Haltungsfehler verursachte Abwehrschwäche lassen sich nachweisen. Stattdessen bestätigen mehrere Tierärzte, darunter selbst der vom Umweltministerium entsandte Amtstierarzt, unabhängig voneinander, die Blutwerte seien typisch für eine fortgesetzte Strahlenbelastung.