632MS Parken OrtFlag, Red621MS 01 NagelfluhDer Name dieser Gesteinsart ist bildlich zu verstehen: wie Nägelköpfe ragen runde Gesteinsbrocken aus der Felswand („Fluh“). Das Gestein wird wissenschaftlich als Konglomerat (von lat. conglomerare - zusammenballen) bezeichnet, mancherorts heißt es „Herrgottsbeton“.
Das betonartige Gestein besteht aus ehemaligen Flusskieseln, verbacken in einer Masse aus feinen Gesteinsbruchstücken und Mineralen. Kurzum: es handelt sich um auf natürliche Weise verkitteten Kieselsteine, die einen porigen, aber trotzdem recht festen Stein bilden.
Seine Entstehung begann vor etwa 30 Millionen Jahren (Tertiär): damals war das Alpenvorland ein großes, dicht bewaldetes Tiefland. Flüsse transportierten Kiesel aus den Alpen ins Alpenvorland (dabei wurden die Gesteinsbruchstücke rund geschliffen). Das gröbere Material blieb in der Flussebene liegenblieb (so wie hier in diesem Fluss). Der Kies wurde in den folgenden Warmzeiten mit Kalkabsonderungen aus dem Grundwasser regelrecht "verbacken".
Wie nahe Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hier zusammenliegen!MS 01 NagelfluhFlag, Blue7624MS 02 FlussbiegungFlüsse könnte man als ein geologisches Transportmittel für Gerölle bezeichnen. Und sie im Laufe der Zeit bewegen sie eine Menge: im gesamten Alpenvorland stehen wir mehr oder auf alten Flusskieselablagerungen.
Andererseits tragen Flüsse auch Gestein ab, was die Tiefe der Schlucht hier deutlich vor Augen führt. Das Wasser hat sich im Laufe der Zeit regelrecht durch das Gestein gefressen.
Abtrag und Ablagerung sind also geologische Gegenspieler; was gerade überwiegt, hängt unter anderem von der Strömungsgeschwindigkeit des Wassers ab. Und das sehen wir in dieser Flussbiegung direkt nebeneinander:
Das kurvenäußeren Ufer wird durch die hier stärkere Strömung abgetragen. Treffender Weise wird dieses Ufer als Prallhang bezeichnet. Wegen der geringeren Strömung am kurveninnere Ufer, Gleithang wird dort Material abgelagert.
Probieren sie es selbst: Veranstalten Sie ein ein Wettschwimmen mit zwei Blättern: eines an der Innen- das Andere an der Außenkurve!MS 02 FlussbiegungFlag, Blue10622MS 03 FlussbettNun kommt es darauf an, zu welcher Jahreszeit sie hier sind – im ungünstigsten Fall können Sie gar nicht hier sein, weil der Fluss zu stark angeschwollen ist.
Das Hochwasser folgt den Jahreszeiten. Damit ist ein weiterer Faktor für „friedliches“ (Ablagerung) und „wildes“ Wasser (Abtrag) entlarvt: Die Wassermenge.
Im Frühjahr während der Schneeschmelze drängen die Wassermassen aus den Bergen ins Vorland und bringen ihre Geröllfracht hierher.
Nach der Schneeschmelze beruhigt sich der Fluss, die Gerölle werden abgelagert, die Wassermenge wird weniger.
So laufen Sie gerade eigentlich direkt auf dem Flussbett!
Und nun Stellen sie sich das Ganze eine Nummer größer vor: Nicht im Jahresverlauf, sondern im Wechsel von Kalt- und Warmzeiten während der Eiszeitalter.
So bekommt man eine Vorstellung, wie die Schotterebenen im Alpenvorland enstehen konnten.MS 03 FlussbettFlag, Blue5622MS 04 SinterquelleAn dieser Stelle bekommen wir einen Eindruck, der Herkunft und Entstehung der „Kittsubstanz“ des Nagelfluh-Gesteins vorstellen können:
In diesem Quellbereich bildet sich Sinterstein! Pflanzen, hier v.a. Moose entziehen dem austretenden Wasser
Kohlenstoffdioxid, das ein Bestandteil der Kohlensäure ist, die wiederum im Wasser Kalk (Calciumcarbonat) gelöst hält. Fehlt
also dieser Anteil Kohlensäure, „fällt“ der Kalk aus dem Wasser und bleibt an Ort und Stelle liegen.
Geben wir nun noch noch feines Material, das sich in den Flüssen in besonders ruhigen Zeiten abgesetzt hat, hinzu. Fertig ist der „Natur-Mörtel“.MS 04 SinterquelleFlag, Blue10611MS 05 WasserformenDiese Felswand zeigt eindrucksvolle Erosionsformen auf. Das Gestein wurde regelrecht ausgehöhlt.
Deutlich erkennbar ist die Formen, die durch Wasserwirbel entstanden sind.
Die Abtragung wird durch Sand und Gerölle, die vor allem gebirgsnahe Flüsse mit sich führen, beschleunigt. Sie wirken als Schleifmittel und tragen dazu bei, dass Flüsse sich in geologisch kurzen Zeiträumen tief einschneiden.MS 05 WasserformenFlag, Blue5618MS 06 ErosionsrinneAbtragung – auf „schlau“ Erosion - aus einer kleinen Rinne wird ein Tal. Erosionsrinnen sind das Ergebnis verschiedener Prozesse wie z.B. Oberflächenabfluß von Regenwasser oder Schlamm- bzw.Schuttströ̈men. Nach Starkregenereignissen sammelt sich Wasser in kleinen Unebenheiten, es bilden sich kleinen Rillen, die sich durch stetigen Abfluss weiter einschneiden und verbreitern.
Schuttströme können durch starke Niederschläge oder Tauen von Schnee/Bodeneis ausgelöst werden. Wenn die Bodenschicht mit Wasser gesättigt ist, geht die Haftung der Bodenpartikel verloren und die zähflüssige Masse kann den Bewegungen nicht mehr standhalten und rutscht – wie Ketchup aus der Flasche - plötzlich unkontrolliert ab.
Der Wegrand hier eignet sich als kleine Modelllandschaft. Schöpfen sie einfach etwas Wasser aus dem Fluss und schütten es auf eine geeignete Stelle. So können Sie die Entstehung einer Erosionsrinne im Kleinen erleben.MS 06 ErosionsrinneFlag, Blue5613MS 07 FlusskieselJeder Stein ist ein von der Natur gefertigtes Unikat! Das Rohmaterial ist Gesteinsschutt aus den Alpen und deren Vorbergen. Die scharfen Bruchkanten des Schutts werden im Laufe des Transportes immer mehr gerundet.
Und jeder Stein hat eine eigene Geschichte! Kiesel, die aus deutlich parallel verlaufenden Schichten könnten beispielsweise ehemalige Sedimentgesteine gewesen sein, die bei der Alpenfaltung hohem Druck und hohen Temperaturen ausgeliefert waren.
Nicht selten sind Kieselsteine mehrfach oder sogar geradlinig sich kreuzend von weißen Adern durchzogen. Auch ein Zeichen für die gewaltigen Kräfte die bei der Entstehung der Alpen gewirkt haben. Die Gesteinsmassen wurden mit enormen Druck zusammengepresst und geschoben. Dabei auftretende Risse wurden nachträglich wieder mit den Mineralen Calcit oder Quarz verkittet.
Manche Kiesel entstammen einem Gestein, das sich aus einem ehemaligem Watt gebildet hat. Man kann die Wühlspuren der darin lebenden Wattbewohner noch erkennen!
Nehmen Sie sich etwas Zeit und entdecken selbst die Vielfalt, die sich unter einer grauen Staubschicht verbirgt!MS 07 FlusskieselFlag, Blue20655MS 08 BlumenwieseDurch die Schlucht hatten wir einen Einblick in das (nackte) Gestein, das sich nun unter uns befindet. So kommen wir quasi aus dem „Keller der Natur“ und betreten nun ein dreistöckiges Haus.
Herzlich Willkommen in der Lebensgemeinschaft Wiese!
Der Boden und die Moos- und Streuschicht bilden das Erdgeschoss. Dort leben Gräber (Regenwurm), Läufer (Laufkäfer, Asseln, Tausend- und Hundertfüßer) und Kletterer (Spinnen, Ameisen).
Das untere Stockwerk erkennt man an Rosettenblättern und niederliegenden Teilen der höher ragenden Pflanzen.
Im mittleren Stockwerk befinden sich niederwüchsige Gräser und Blüten der Pflanzen des untersten Stockwerks. Hier halten sich vor allem die obligaten Pflanzenbewohner (Zikaden, Heuschrecken, Blattläuse, Ameisen, Marienkäferlarven) auf.
Oberes Stockwerk – wie ein Penthouse locker und stark durchsonnt – dort finden wir Blüten der höherwüchsigen Pflanzen und die typischen Wiesen- und Blütengäste (Hummeln, Bienen, Raubwanzen).
Übrigens, auch Wälder haben verschiedene Stockwerke!MS 08 BlumenwieseFlag, Blue5663MS 09 GrubeWeniger die Grube ist hier das Objekt der Begierde, sondern ihr oberer Rand:
In der Bodenschicht (Pedosphäre) überschneiden sich vier Bereiche der Natur: die Lithosphäre (Minerale und Gesteine), die Hydrosphäre (Wasser), die Biosphäre (lebende und abgestorbene Pflanzen und Tiere) und die Atmosphäre (Luft).
Boden entsteht und entwickelt sich in Zeiträumen, die wenige 100 Jahre bis mehrere 100.000 Jahre umfassen können. Hier sind die Böden jedoch nicht älter als 10.000 bis 16.000 Jahre, da durch die intensiven Abtragung während der letzten Eiszeit ältere Böden weitgehend erodiert wurden.
Vereinfacht ausgedrückt entsteht Boden so: Gestein wird durch Witterungseinflüsse zerkleinert. Darauf fallen von Pflanzenreste, die von verschiedenen Kleinlebewesen zersetzt werden. Im Grenzbereich entstehen einerseits ein Gemisch aus Gestein- und Pflanzenbestandteilen, andererseits bilden sich daraus neue Substanzen.
Und das kann man im Aufbau des Bodens nachvollziehen – nichts wie ab in die Grube, nachschauen und ruhig falls nichts zu erkennen ist, ruhig ein wenig buddeln!MS 09 GrubeFlag, Blue20649MS 10 BodenprobeViele physikalische und chemische Eigenschaften des Bodens (z. B. Wasser- und Lufthaushalt, Bearbeitbarkeit) werden durch die Körnung bestimmt.
Bei der „Fingerprobe“ im Gelände wird das Bodenmaterial vorsichtig angefeuchtet, so dass der Boden gut knetbar ist. Der feuchte Boden wird zwischen Daumen und Zeigefinger gerieben und geknetet und mit Hilfe der Kriterien Plastizität, Rollfähigkeit, Schmierfähigkeit und Rauigkeit wird die Körnung bestimmt.
Die einzelnen Körner werden nach ihrer Größe in Sand, Schluff und Ton eingeteilt:
Bodenproben aus Ton sind gut formbar. Durch freigepresstes Wasser besitzen sie eine glänzende Schmierfläche. Durch die Einregelung der Tonteilchen ist diese zusätzlich glatt. Schluff ist weniger gut formbar und mehlig, seine Schmierfläche ist im Gegensatz zur Tonfraktion rau und wirkt daher stumpf. Schluff setzt sich sehr gut in den Fingerrillen fest. Sand ist äußerst schlecht formbar, seine Körnigkeit meist deutlich fühl- sicht- und hörbar (knirschen)
Und nicht vergessen, eine kleine Fee oder einen Kobold zu formen und mit zu nehmen – die brauchen Sie gleich noch!MS 10 BodenprobeFlag, Blue5663MS 11 Feen & KoboldeNun nähert sich die Reise durch den Fluss der Zeit dem Ende.
Weil wir uns bisher mit vielen Fakten beschäftigt haben ist es nun auch einmal angebracht, inne zu halten und uns auf das Erlebte dazwischen zu besinnen. Und dieser mystische Ort ist bestens dafür geeignet.
Natürliche Abläufe hinterlassen im Laufe der Zeit ihre Spuren.
Aber vor lauter Natur nicht vergessen: der Mensch ist ein Teil davon. Deshalb dürfen wir auch ein dezentes Zeichen unserer Anwesenheit hinterlassen. Haben sie ihr Tonfigürchen dabei? Falls nicht, ein kleines Kunstwerk aus Steinen oder Ästen tut es auch!
Halte immer an der Gegenwart fest. Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.
(Johann Wolfgang von Goethe)MS 11 Feen & KoboldeFlag, Blue10643MS 13 Maisinger SeeLetztendlich noch ein „stilles“ Wasser.
Doch man glaubt es kaum: Dieser See wurde von Mönchen im 17. Jahrhundert zur Fischzucht angelegt.
Von da an bis heute passte sich der See seiner Umgebung an und entwickelte sich zu Vogelparadies mit Schilfbewuchs und großen Moorflächen.
Übrigens liegt der Maisinger See im ältesten Naturschutzgebiet Bayerns: Seit 1939 steht der See unter Schutz, weil sich hier die erste Brutkolonie von Lachmöwen in Bayern ansiedelte.MS 12 Maisinger SeeFlag, Blue5MS Parken SeeFlag, Red