675PHW 01 TotholzAuch ein Baum stirbt irgendwann und fällt dann einfach um. Das ist in einem natürlichen Wald ein ganz normaler Vorgang – mit immenser ökologischer Bedeutung: Denn es entsteht ein „essbares Hotel“ das verschiedenste Gäste beherbergt und Ihnen gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen das passende Menü anbietet: In der Borke, die sich vom Stamm löst, finden sich Insekten wie Käfer, Fliegen, Mücken, Spinnen, Schnecken oder Holzwespen ein. Der äußere Teil des Holzkörpers (Bast und Splint) wird von Pilzen und Bakterien verputzt - also abgebaut. Anschließend wird der innere Holzkörper von Pilzen durchdrungen, die das Kernholz für viele Insektenarten interessant machen. Diese wiederum sind für Räuber (z.B. Spechte) ein Festmahl. Im stark zersetzten Holz fühlen sich Asseln und Würmer besonders wohl.
So hängt etwa ein Fünftel aller Waldtiere, sowie über 2500 Pilzarten und eine unbestimmte Anzahl von Pflanzen, Flechten, Bakterien oder Algen vom Totholz ab. Totholz bietet auch Unterschlupf, Deckung, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten, die nicht direkt am Abbau beteiligt sind.PHW 01 TotholzFlag, Blue10676PHW 02 MoorseeJedes stehende Gewässer wird von irgendwoher gespeist. In diesem Fall von einem Bach, der wiederum sein Wasser aus dem Bodenwasser der umliegenden Hängen bezieht – und speziell hier aus torfhaltigen (Nieder-) Moorböden. Während das Wasser durch den Torf fließt, wäscht es daraus die rotbraunen Huminsäuren aus. Diese lösen sich im Wasser und färben es rotbraun – dennoch bleibt es klar.
Also, tauchen Sie einmal ihre Hand ins Wasser! Verspüren Sie eine gewisse Ehrfurcht? Und fehlt nicht irgendetwas?
Genau, die Pflanzen am Grund! Sie haben soeben mit einem äußerst sensiblen System Kontakt:
Denn durch die Färbung gelangt nur wenig Licht in die tieferen Schichten. Durch den Lichtmangel gedeihen kaum Wasserpflanzen - und damit wird auch kein Sauerstoff produziert. Der geringe Sauerstoffgehalt des Wassers führt dazu, dass bei Verschmutzungen jeder Art die Selbstreinigung des Sees sehr lange dauert. Daher ist eine besondere Sorgfalt notwendig.PHW 02 MoorseeFlag, Blue35701PHW 03 BaumknieBoden kann kriechen! An steileren Hängen bewegt sich der Boden langsam aber sicher hangabwärts, ohne dabei auseinander zu reißen. Verantwortlich für das Bodenkriechen ist das Ausdehnen und Zusammenziehen des Materials durch Frostwechsel, das Quellen und Schrumpfen von tonhaltigem Material, die Last überlagernder Schichten.
Und dann reißt es doch: in vielen Fällen führt das Andauern Kriechens zum Verlust der Festigkeit der überlagernden Schichten und somit zur Entstehung von Erdrutschen (Wie etwa 75m nörlich von hier, links).
Natürlich kann man dem Boden beim Kriechen nicht zusehen. Man erkennt es aber an der Reaktion von Bäumen, die im Kriechboden wachsen:
Diese werden teilweise entwurzelt und können dann ihre Lage in liegender Position stabilisieren. Der Gipfeltrieb richtet sich auf – immer der Sonne entgegen, wodurch der Stamm eine knieförmige Biegung erhält.PHW 03 BaumknieFlag, Blue15718PHW 04 OrchideenwieseEin griechischer Philosoph benannte die Knabenkräuter wegen der Ähnlichkeit der doppelten Wurzelknollen mit den männlichen Genitalien wurden sie "Orchis" (Hoden).
Abgesehen davon begründete jener Philosoph damit einen Aberglauben, der sich hartnäckig hielt: dass Frauen, die die stärkere und saftigere der beiden Knollen aßen, einen Knaben gebären würden. Das Knabenkraut galt auch als Aphrodisiakum.
Damit niemand auf falsche Gedanken kommt: Das Knabenkraut ist in beiderlei Hinsicht erwiesenermaßen wirkungslos! So versteht sich von selbst, dass das Ausgraben untersagt ist; abgesehen davon stehen diese Pflanzen strengstens unter Naturschutz!
Und ist es nicht genug, den Anblick dieser besonderen Pflanze mit ihren wunderschönen Blüten zu genießen und diesen Ort als kleines Geheimnis im Herzen zu tragen?PHW 04 OrchideenwieseFlag, Blue35725PHW 05 NiedermoorIntakte großflächige Niedermoore filtern und reinigen das Niederschlagswasser und schaffen auf diese Weise sauberes Grundwasser. Sie tragen außerdem zum Klimaschutz bei, da sie in Pflanzen und Boden Kohlenstoff speichern, welches sonst in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt beitragen würde.
Niedermoore entstehen durch Verlandung von Gewässern in feuchten Senken oder im Einflussbereich von Quellen.
Sie werden vom nährstoffreichen Grund- und Oberflächenwasser aus einem größeren Umland gespeist. Wo Nährstoffreichtum, da üppiges Pflanzenleben und große Artenvielfalt!
Eine anderer Faustregel besagt: Wo alles unter Wasser, da wenig Sauerstoff. Deshalb werden die Pflanzenreste nicht so schnell abgebaut – es bildet sich Torf, der viele Huminsäuren enthält. Aha! Da kommt also unser rotbraunes Wasser im See her!PHW 05 NiedermoorFlag, Blue15736PHW 06 EicheDie Germanen weihten die Eiche dem Gewitter- und Wettergott Donar (Thor): alte und ehrwürdige Exemplare standen als sogenannte Donareichen unter ihrem besonderen Schutz. Bis heute gilt die Eiche in vielen Kulturen Europas als Sinnbild für Standhaftigkeit, Weisheit, Wahrheit, Treue und Heldentum.
Und so sieht sie auch schon von weitem aus, oder? Durch den Freistand entstand eine niedrige, weil ausladende Krone mit zahlreichen Verzweigungen ab etwa zwei Meter über dem Boden.
„Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng verknüpft wie der Baum.“, so der Historiker Alexander Demandt.
Ist es nicht eigenartig? Wir erkennen Bäume an schwer beschreibbaren Zügen, so gut wie wir bekannte Menschen bereits aus größerer Entfernung an Gang und Haltung erkennen.PHW 06 EicheFlag, Blue15745PHW 07 MagerwieseVon Juni bis September blüht hier der Grannen-Klappertopf. „Grannen“, weil obersten Blätter zipfelartige Fortsätze haben, „Klappertopf“, weil die Samen in den Kelchen beim Schütteln der Pflanze klappern.
Er ist ist in Europa in den Alpen und den Mittelgebirgen verbreitet – also an dieser Stelle eine echte Besonderheit!
Als Standort bevorzugt der Grannen-Klappertopf sonnige, trockene Lagen. Er gedeiht auf Magerrasen, das sind besondere Biotope die sich an nährstoffarmen Standorten ausbilden.
Nun vermutet man, Nährstoffarmut ist nicht besonders vorteilhaft. Doch eine bestimmte Eigenheit des Klappertopfs verschafft ihm einen entscheidenden Vorteil um sich gegenüber anderen Pflanzen zu behaupten: Es handelt sich um einen Halbschmarotzer! Er hat verkümmerte Wurzeln, bildet dafür jedoch kleine Saugwarzen an den Wurzeln benachbarter Pflanzen und dringt in deren Leitungsbahnen ein, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen.PHW 07 MagerwieseFlag, Blue15734PHW 08 AusblickVersetzen wir uns einmal 115000 Jahre zurück in die Würm-Kaltzeit. Während dieser Zeit schoben sich Gletscherzungen aus den Alpen bis hierher. Also zwischen uns und der gegenüberliegenden Kante eine einzige Eisfläche! Und wir stehen nun auf Material, das sich an der Flanke des Gletschers ablagerte („Seitenmoräne“).
Vor etwa 16.000 Jahren begann das Eis dann langsam zu schmelzen und etwa 2000 Jahre später umschlossen die zurückgebliebenen Seiten- und Endmoränen dann eine Wasserfläche: Den Ammersee!
Übrigens, heute ist ein ganz besonderer Tag. Denn so wie wir den Ammersee jetzt sehen, wird es nicht bleiben. Der Ammersee verlandet. Seine Zuflüsse Ammer und Windach laden laufend mitgeführtes Material im See ab. Geschätzte „Lebensdauer“ des Ammersees: noch etwa 20.000 Jahre!
Vor 3 Wegpunkten haben wir also schon einen Blick in die Zukunft geworfen! Im Zuge der Verlandung entwickelt sich ein Niedermoor.PHW 08 AusblickFlag, Blue15729PHW 09 FettwieseVon Mai bis September blüht meist hell-lila mit bis zur Mitte gespaltenen Krone an dieser Stelle die Wiesen-Glockenblume.
Beobachten Sie: Die Blüten richten sich nach dem einfallenden Sonnenlicht aus.
Die Wiesen-Glockenblume findet man unter anderem auf Fettwiesen; wie der Name schon sagt, versteht man darunter eine infolge von Düngung und Bewässerung nährstoffreiche Wiese. Man erhält diesen farbenfrohen Wiesentyp aber nur bei regelmäßiger Düngung, denn die Wiesen Glockenblume und ihre „Mitbewohner“ der Fettwiese haben hohe Nährstoffansprüche.
Hier stehen wir vor einer entscheidenden Frage: Wie sollen wir Menschen uns verhalten? Weiter „eingreifen“, d.h. Düngen und mähen, um diese Wiesen und ihre Pflanzengesellschaft zu erhalten – oder der Natur die Regie übergeben.
Was meinen Sie?PHW 09 FettwieseFlag, Blue15703PHW 10 QuellbereichEin ganz außergewöhnlicher Ort! Untergrund bewegt sich Grundwasser. Und hier gelangt es in unseren Wirkungsbereich.
Boden und Gesteins sind mehr oder weniger wasserdurchlässig. „Mehr“ bedeutet, dass hier Wasser fließt, „weniger“, dass es gestaut wird. An der Oberfläche, wo „mehr“ oder „weniger“ übereinander anstehen, biden sich Quellen. Das heißt, unter der Quelle befindet sich ein Stauer, aus der grundwasserführenden Schicht über der Quelle tritt das Wasser aus.
Und noch etwas gibt es hier zu beobachten: Quelltuffe – hier wird Moos zu Stein! Pflanzen, v.a. Moose entziehen dem Wasser Kohlenstoffdioxid, das ein Bestandteil der Kohlensäure ist, die wiederum im Wasser Kalk (Calciumcarbonat) gelöst hält. Fehlt also dieser Anteil Kohlensäure, „fällt“ der Kalk aus dem Wasser und bleibt als Tuff an Ort und Stelle liegen.
Und dann ist da noch das Wasser selbst – jenes faszinierende Element, das alles Leben auf unserere Erde erst ermöglicht. Lauschen Sie dem fröhlichen Plätschern, und erkunden Sie selbst die Stellen in der näheren Umgebung, wo es auf die verschiedenste Art und Weise zu Tage tritt.PHW 10 QuellbereichFlag, Blue155694PHW 11 Buchen suchenEinmal angenommen, wir Menschen würden nicht mehr eingreifen; dann würde sich unter den heutigen Umweltbedingungen in weiten Teilen Mitteleuropas ein solcher Buchenwald etablieren.
Man könnte auch anders sagen, die Buche würde sich an geeigneten Standorten durchsetzen; dabei stellt sie durchaus hohe Ansprüche. Mit einer ausgefeilten Ellenbogentaktik verdrängt sie andere Baumarten, die ihr den Standort streitig machen:
Die Krone einer ausgewachsenen Buche kann bis zu 600 m² beschatten. Damit hat jede andere Pflanze, die Licht zum Wachsen benötigt – und das sind bekanntermaßen die meisten – keine Chance. Aber die jungen Buchen müssen doch nachwachsen können! Auch das ist berücksichtigt: Die Rotbuche ist in der Jugend relativ schattentolerant – sie wartet dann einfach auf eine passende Gelegenheit.
Natürlich nehmen auch andere Pflanzen passende Gelegenheiten im Buchenwald wahr, wie z.B. das Buschwindröschen. Es nutzt das „Frühjahrsfenster“ um zu blühen – bevor die neuen Blätter das Fenster, bzw. das Kronendach wieder schließen.PHW 11 Buchen suchenFlag, Blue20676PHW Parken 1Parkplatz am Golfplatz
Folgen Sie dem Weg Richtung Norden und/oder Steuern Sie die Wegpunkte nacheinander an.
Für Autofahrer: hier Start und Ende der Tour;
Optional für Fahrradfahrer/Fußgänger: Hier Starten, Wegpunkt 12 (Rückweg) auslassen und direkt nach Andechs weiter.
Tipp: Falls Sie noch Zeit haben: Ein Abstecher in die Pähler Schlucht lohnt sich (Wegpunkt "Pähler Schlucht" ansteuern)!Flag, Red10693PHW Parken 2Umkehrpunkt für den Rückweg.
Tipp: Folgen Sie der Strasse weiter Richtung Norden und nutzen sie die Einkehrmöglichkeit im Kloster Andechs (Wegpunkt "Andechs", ca 1,8 km).Flag, Red25681Pähler SchluchtFlag, Red720PHW 12 Lauschiger FleckDieser kleine lichte Fläche unter Fichten, hinter einem kleinen Teich und umgeben von moosbewachsenen Baumstümpfen ist ein guter Platz, die alle heutigen Erlebnisse und Eindrücke noch einmal in Ruhe an sich vorbei passieren zu lassen und sie einmal unter folgendem Gesichtspunkt zu betrachten:
„Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ (Heraklit)
Sehen Sie das Ganze und Nichtganze, das Zusammengehende und Auseinanderstrebende, Einklang und Mißklang oder aus Allem Eins und aus Einem Alles?PHW 12 Lauschiger FleckFlag, Blue20AndechsFlag, Red