710 ZW 04 Moos „Prima, ein weiches Moospolster – der perfekte Schlafplatz für Zauberwesen!“ ruft Jan aus. „Naja, viel zu feucht; mir ist meine Liege unter einer schönen Blume lieber, verplappert sich der Waldelf. Schnell beginnt er zu erklären: „Moose wachsen meist dort, wo andere Pflanzen nicht wachsen können: sie besiedeln Waldböden weil es dort für Andere zu dunkel ist. Sie gedeihen auf Felsen, Borke und Blättern; also nicht auf dem Boden, denn sie kommen fast ohne Nährstoffen aus.“ „Aber wie kommen sie dann an Nährstoffe, etwas brauchen sie ja - helfen also doch Zauberwesen?“ fragt Nils frech dazwischen. „Die holen sie meist direkt aus dem Regenwasser“ kontert Nobert. „Aber gut, da gibt es etwas, das an Zauberei zu grenzen scheint: die Fels- und Baumbewohner unter den Moosen können komplett austrocknen und leben auch nach mehreren Jahren einfach wieder auf, wenn es feucht genug ist. ZW 04 Moos Flag, Blue 5 681 Andechser Hofladen ZW 04 Andechser Hofladen Flag, Red 30 688 ZW 01 Weiher Die Stadtbären Jan und Nils sind auch zu Besuch hier im Wald. Sie haben eine Menge Fantasie und sind entschlossen, das Wesen der Natur zu finden. „Schau' mal, Jan“ flüstert Nils, „dieser See: das Wasser ist klar, braun und ich sehe keine Pflanzen am Grund.“ „Logo, der See verhext!“ kombiniert Jan. Andächtig hocken die Bären am Ufer und versuchen, dem Zauber auf den Grund zu gehen. „'Tschuldigung Jungens – Nobert mein Name,“ nörgelt sie ein Waldelf an, ohne von seiner Campingliege (natürlich in Elfengröße), „da liegt ihr aber gründlich falsch!“ Er erklärt: „Die Braunfärbung kommt von Stoffen (Huminsäuren), die der Regen aus den Moorböden heraus wäscht. Moorige Böden gibt es hier viele. Und das Wasser sammelt sich hier im See.“ „aber die Wasserpflanzen...“ wirft Nils ein. „Lass' mich halt ausreden!“ unterbricht Nobert. „Die Färbung lässt das Licht nicht durch, wie eine Sonnenbrille. Und wo nicht genug Licht, da keine Pflanzen.“ „Aha! Trotzdem, die beschauliche Stille und der braune See ohne Pflanzen haben etwas Zauberhaftes. Wenn man nur herausfinden könnte, was“ denken sich Nils und Jan – sagen es aber nicht laut. ZW 01 Weiher Flag, Blue 5 690 ZW 02 Pestwurz „Schau mal, diese Riesenblätter – die wachsen doch auch bei uns!“ meint Jan zu Nils, „Ja, und zwar auch da wo es Schilf gibt.“ Klar, diese Pflanzenart bevorzugt sickernasse oder zeitweise überflutete, nährstoffreiche Böden und ist daher oft an Bach- und Flussufern zu finden. „Pestwurz (Petasites hybridus)“, nuschelt Nobert, reißt sich ein Blatt ab und schneuzt heftig hinein. „Haben die Menschen im Mittelalter gegen die Pest verwendet – und vorher in der Bronzezeit als Klopapier.“ „Schade, die Blüte habt ihr verpasst“ fährt er fort, „die ist zwischen März und Mai. Blüht bevor die Blätter wachsen, komisch, was? Und erstaunlich hübsch: an einem Stängel hängen wie die Trauben an der Rispe rötlich-weiße bis rot-violette Blütenköpfe. Naja, könnt ihr euch ja auch zu Hause anschauen“ „Wir benutzen sie als Hut“ beschließen die beiden Stadtbären – und damit sind sie beileibe nicht die Ersten. ZW 02 Pestwurz Flag, Blue 5 702 ZW 03 Flechten „Sag' mal, wer hat den Baum hier beklecks?“ will Jan wissen. „Das sind Flechten,“ stöhnt der Waldelf, „das weiß man doch.“ „Nö, wissen wir nicht!“ trotzt Nils. „Erzähl uns doch etwas darüber“, beschwichtigt Jan. „Also gut“ meint Nobert, und für einen kurzen Moment fangen seine Augen an zu leuchten (ist das ein Hinweis auf das Wesens der Natur?): „Ihr müsst wissen, Flechten sind wahre Überlebenskünstler – sie können in den extremsten Lebensräumen existieren. Manche Flechten wachsen auf blankem Fels! Manche können Temperaturen von -47 Grad Celsius bis +80 Grad Celsius überstehen. Andere leben komplett unter Wasser oder auf verrostetem Metall. Eigentlich sind es zwei Lebewesen, die in einer engen Lebensgemeinschaft zusammen leben; immer ein Pilz und eine Alge. Der Pilz versorgt die Alge mit Nährstoffen (deshalb sitzt er unten), die Alge produziert mit Hilfe von Sonnenlicht, Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker, mit der sie wiederum den Pilz versorgt.“ Und selbst der knurrige Nobert findet dann doch Gefallen am Muster, das die Flechten auf den Baum zeichnen. ZW 03 Flechten Flag, Blue 10 719 ZW 06 Schwämme „Das sieht ja aus, als hätte der Baum viele Gesichter – guck das da ist die Nase...“ amüsieren sich die Stadtbären. „Ja, das ist meine Schwiegermutter, und dort oben mein Bruder, und die Nase da vorne ist neu – da hat wohl wieder jemand die Hexe geärgert“ murmelt Nobert mit todernstem Blick. „Echt?“ fragen Jan und Nils wie aus einem Munde. „Quatsch mit Soße, das war ein Scherz. Die Nasen und Augenbrauen sind Baumschwämme – Pilze“ Den eigentlichen Pilz sieht man nicht. Er besteht aus ein- oder mehrzelligen Pilzfäden (Hyphen) die in das Holz eindringen und ihm Nährstoffe (Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße) entziehen. Dabei wird das Holz zerstört und der Baum stirbt ab - das kann mehrere Jahre dauern. Pilze dringen durch entstandene Wunden in den Baum ein. Dass ein Baum mit einem Pilz befallen ist, sieht man häufig erst wenn der Pilz Fruchtkörper gebildet hat. „Grausig“ finden die Stadtbären. Aber ihnen sie begreifen: so ist die Natur. Und das finden sie auch gut und richtig, denn der tote Baum wird Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten und andere Waldbewohner. ZW 06 Schwämmw Flag, Blue 30 719 ZW 07 Boden „Nun haben wir schon alles mögliche gesehen; Wasser, Bäume, Moose, Farne, Pilze; und nirgenwo haben wir das Wesen der Natur gesehen.“ nörgeln Jan und Nils. „Vielleicht im Boden?“ schlägt Nobert verschmitzt vor, „Umgefallene Bäume erlauben uns einen Blick in den Boden zu werfen, schaut doch mal nach.“ Die Bären sehen nach „Steine“ findet Jan, „Sand und noch feineres Material – also zerkleinerte Steine“ folgert Nils. „Und Blätter und Humus.“ „Und dazwischen befindet sich immer etwas Luft und Wasser!“ ergänzt Nobert. „Im Boden überschneiden sich vier Bereiche der Natur: Minerale und Gesteine, das Wasser, lebende und abgestorbene Pflanzen und Tiere und die Luft. Die Bausteine dieser Bereiche sind also die Bestandteile des Bodens, allerdings werden sie durch Tiere, Pflanzen, Wind und Wetter verändert.“ fährt der Waldelf fort und erkärt noch dies und das. Nach einiger Zeit ist den Stadtbären klar, warum Boden so wichtig ist: Aus dem Boden stammt die Nahrung für jene Pflanzen, die uns oder den Tieren, die wir essen, als Nahrung dienen. ZW 07 Boden Flag, Blue 10 749 ZW 08 Lichtung „Ein schönes Plätzchen, hier ruhen wir uns aus“ Nobert ist selbst verwundert, so hatte er diese Lichtung noch nie wahrgenommen. So machen sie eine Pause und lauschen dem Zwitschern der Vögel. „Und, wie geht’s?“ beginnt der Waldelf, dessen Laune sich inzwischen doch erheblich gebessert hat eine Plauderei. „N a t ü r l i c h prima! Es liegt in der Natur eines Bären, sich an einer Stelle wo es Bucheckern gibt wohl zu fühlen – kann man die essen?“ „N a t ü r l i c h!“ schmunzelt Nobert. „Nur nicht zu viele (Bucheckern enthalten Blausäure). Hier haben die Menschen früher wohl auch Bucheckern gesammelt – schmecken wie Nüsse und sind sehr nahrhaft. À propos: Die Vier-Finger-Buche ist nicht die Hand eines Waldgeistes – das waren auch die Menschen. Als die Winter kalt waren und das Brennholz knapp, haben sie auch junge Bäume gefällt. Und die Bäume haben dann mehrere Seitentriebe ausgebildet. Dieser eigenartige Wuchs entstand also durch die Nutzung des Waldes. Ist aber schon eine gute Weile her – sieht man an der Dicke der Stämme“ ZW 08 Lichtung Flag, Blue 5 735 ZW 09 Seeblick „Also, jetzt erzähle ich euch mal eine Geschichte,“ setzt Nobert an, „ Es war einmal vor etwa 115000 Jahren in einer Eiszeit. Da schoben sich Gletscherzungen aus den Alpen bis hierher. Also zwischen uns und der gegenüberliegenden Kante eine einzige Eisfläche! Und wir stehen nun auf Material, das diese Gletscherzunge wie ein Schneepflug zur Seite schob („Seitenmoräne“). Vor etwa 16.000 Jahren begann das Eis dann langsam zu schmelzen und etwa 2000 Jahre später umschloss der zurückgebliebene Geschiebeschutt (Seiten- und Endmoräne) dann eine Wasserfläche: Den Ammersee!“ Von den Eiszeiten hatten die Bären schon in der Schule gehört. Aber nun hier zu stehen, und sich vorzustellen dass sich vor zehntausend Jahren eine mehrere hundert Meter hohe Eisdecke das Land bedeckte, so weit das Auge reicht... ZW 09 Seeblick Flag, Blue 10 730 ZW 10 Wurzelweg „Wisst ihr, worauf ich jetzt mal Lust habe?“ fragt Nobert. „Das ist der richtige Platz für ein kleines Spiel.“ „Au ja, fein!“ freuen sich die Bären. „Also,“ erklärt der Waldelf, „seht ihr die Wurzeln im Weg? Sie haben alle eine unterschiedliche Form! Das Spiel geht folgendermaßen: Einer von euch schließt die Augen. Der andere sucht eine Stelle aus und führt den Blinden dort hin. Dann wird getastet – aber nicht blinzeln. Merke dir, wie sich die Umgebung der Stelle anfühlt. Fertig? Dann wirst du wieder weggeführt und ein bisschen gedreht. Und Augen auf! Findest Du die Stelle, die Du ertastet hast wieder?“ ZW 10 Wurzelweg Flag, Blue 5 681 ZW 12 Tumulus Sag' mal Nobert, du kannst uns sicher erklären, was es mit dem lustigen Hügel dort auf sich hat.“ will Jan wissen. „Jetzt hast Du mich erwischt!“ bedauert der Waldelf, „ganz genau weiss ich es nicht. Aber die Landschaft hier ist besonders vielfältig. Für dieses Auf und Ab sind die Eismassen der Gletscher verantwortlich, die sich hier über das Land geschoben haben. Vielleicht ist dieser kegelförmige Hügel ein Tumulus.“ Tumuli sind die Überreste von so genannte Gletschermühlen. Das sind Wannen im Eis, die durch große Steine, Sand und Kies geschaffen wurden, die sich im Schmelzwasserstrom unter dem Gletschereis immer um die eigene Achse drehten. Diese Strudelwannen füllten sich mit Schotter, der nach Abschmelzen des umgebenden Eises als Schotterkegel herabsank – ähnlich wie in einer Sanduhr. Nobert zwinkert verschwörerisch: „Aber wer weiß, vielleicht war hier doch auch etwas Zauberei im Spiel.“ Doch die Bären sind so überwältigt von allem was sie heute gesehen und gehört haben, dass sie ihre Suche nach Zauberwesen fast schon vergessen haben. Was braucht man Zauberei, wenn die Natur selbst so spannend ist? ZW 12 Tumulus Flag, Blue 10 680 ZW 13 Bach Am Bach halten unsere Freunde noch einmal inne, lauschen den Plätschern des Wassers und dem Zwitschern der Vögel und jeder ist mit seinen Gedanken bei sich. Plötzlich unterbricht Jan das Schweigen, denn eine Sache geht ihm doch nicht aus dem Kopf. Leise flüstert er: „Aber sag' mal, Du b i s t doch ein Waldelf, also ein Zauberwesen, oder?“ „Da muss es doch noch mehr Zauber im Wald geben?“ Peinlich berührt läuft Waldelf Norbert rot an. „Öööh... voll erwischt!“ entfährt es ihm, bevor er – schwupps – in einem funkelnden Häufchen Kristallstaub verschwindet. So wird wohl die Zauber dieses Waldes weiterhin ein Geheimnis bleiben. Aber paß auf – psst – du bist ein Wesen der Natur und es lebt in und mit Dir. Hütet es gut! ZW 13 Bach Flag, Blue 10 673 ZW Parken Strecke: 4 km (Rundweg); Kurzvariante (ca. 2,7 km): Bei „Weiher“ „Pestwurz“ auslassen und gleich Richtung „Flechten“; ca. 350 m nach „Wurzelweg“ nicht links abbiegen, sondern dem Weg Richtung „Pestwurz“ folgen. Tipp: Andechser Hofladen (ca. 0,6 km; Wegpunkt Andechser Hofladen" - Montag Ruhetag!) Wege: Waldwege, Trampelpfade Empfehlung: Tour für Fußgänger (Familie mit kleinen Kindern). Mit Geschichte zum Vorlesen, Schmunzeln und Staunen. Flag, Red 10 695 zw 11 Wildgehege Unsere drei Freunde sitzen auf einer Bank an einem Wildgehege und beobachten die Rehe. „Sollten die nicht glücklich und frei im Wald leben?“ sinniert Nils. „Schon, aber das ist nicht mehr so einfach heutzutage“, meint Nobert. „Weil sie dann gejagt werden?“ schaltet sich Jan ein. „Ja und Nein. Hier ist die Natur etwas aus dem Gleichgewicht: Normalerweise haben die erwachsenen Tiere natürlichen Fressfeinde, wie den Wolf oder den Luchs. Aber diese großen Raubtiere wurden schon vor längerer Zeit in weiten Teilen Europas ausgerottet. So sind es für manchen Wald zu viele Rehe, wenn man sie nicht jagen würde. Und zu viele Rehe können großen Schaden im Wald anrichten – nicht mit Absicht, aber sie müssen eben etwas fressen. Und dann kommt der Wald im Nachwachsen nicht hinterher.“ So regelt sich alles von selbst in der Natur – ein ewiger Kreis: Boden ernährt die Pflanzen, Tiere fressen die Pflanzen, andere Tiere fressen die Tiere; Pflanzen und Tiere sterben, so landet wieder alles im Boden. Doch ist auf einmal etwas zu viel oder zu wenig, kann der ganze Kreislauf durcheinander geraten. ZW 11 Windgehege Flag, Blue 5 ZW 05 Farn „Hier wohnen die Feen!“ ruft Jan entzückt aus. Nobert seufzt: „Tun sie nicht!“. Diesmal kehrt Nils den Wissenschaftler heraus: „Farne gab es doch in der Zeit der Dinosaurier anstelle von Bäumen!“ Aber der Waldelf kennt sich besser aus: „Nunja, da hast Du recht, vor 235 Millionen Jahren (Trias) gab es die Farne auch. Aber sie sind noch viel, viel älter: die ältesten versteinerten Farne stammen aus einer Zeit vor 400 Millionen Jahren (Devon).“ Wieder streift die Stadtbären dieser Hauch von Magie, als sie ehrfürchtig die Pflanze betrachten, die schon seit so langer Zeit auf der Erde existiert. Vor etwa 360 Millionen Jahren (Karbon) gab es riesige Wälder aus Farnen zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen. Und die waren alle viel größer als heute, denn es gab damals viel mehr Kohlenstoffdioxid in der Luft als heute. Und das nehmen Pflanzen ja bekanntermaßen auf. Die Riesenwälder wurden dann von den Schichten der kommenden Erzeitalter begraben und wurden zu Steinkohle. Und wenn die Menschen diese oder Erdöl heute verbrennen, dann blasen wir das Kohlenstoffdioxid von damals wieder in die Luft – mit entsprechenden Folgen... ZW 05 Farn Pin, Red 5