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Naturschutz und Grünes Band - Kein Thema für das Heimatministerium?

Auf der Abschlussveranstaltung zum Entwicklungsgutachten für den bayerisch-tschechischen Grenzraum in Weiden setzt das Heimatministerium auf graue Infrastruktur statt auf Erhalt und Entwicklung des Naturerbes Grünes Band. BN fordert Veröffentlichung des Gutachtens.

Perle am Grünen Band Bayern-Tschechien: Das Naturschutzgebiet Pfrentschweiher, Foto: Berndt Fischer

02.03.2016

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) befürchtet, dass der Schutz und die Entwicklung der einzigartigen biologischen Vielfalt am Grünen Band Bayern-Tschechien bei dem vom Heimatministerium in Auftrag gegebenen Entwicklungsgutachten für den bayerisch-tschechischen Grenzraum keine Rolle spielt. Auf der Abschlussveranstaltung am vergangenen Montag in Weiden stellte Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder als wichtigste geplante Maßnahmen der Staatsregierung insbesondere den Ausbau von Verkehrsachsen und des Breitband- und Mobilfunknetzes sowie die Stärkung der Wirtschaft mit Ausbau von Gewerbeflächen vor. Damit droht eher eine Belastung statt eine weitere Stärkung des einzigartigen Naturerbes Grünes Band Europa.

„Das Gutachten wurde bislang nicht veröffentlicht und daher bleibt fraglich, ob es sich bei der Schwerpunktvorstellung um eine selektive Zusammenfassung des Heimatministeriums handelt oder ob das Gutachten tatsächlich ökologische Belange und das einzigartige Naturerbe Grünes Band auch als Grundlage eines nachhaltigen, grenzüberschreitenden Tourismus nicht aufgreift. Der BN fordert die Staatsregierung auf, dass Gutachten baldmöglichst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN. Unter den zahlreichen Experten, die in Workshops und durch Interviews an der Erstellung des Gutachtens in den letzten zwei Jahren mitgewirkt haben, waren sowohl das Projektbüro Grünes Band des BN als auch BN-Aktive,  die sich seit Jahren für die grenzübergreifende Zusammenarbeit und den Erhalt der wertvollen Lebensräume im Grünen Band entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs einsetzen.

Das 346 Kilometer lange Grüne Band entlang der Grenze Bayern-Tschechien beheimatet zahlreiche Hot-Spots der Artenvielfalt und ist ein zentraler Teil des längsten Lebensraumverbundes der Welt, des über 12.500 Kilometer langen Grünen Bandes Europa. Von der EU wurde das Grüne Band Europa als Modellprojekt zur Umsetzung sogenannter ‚Grüner Infrastruktur‘ ausgezeichnet, d.h. der Vernetzung von Lebensräumen und Bereitstellung von Naturleistungen für den Menschen. Mit einer Absichtserklärung hat sich Deutschland in 2013 ebenso wie 19 weitere europäische Staaten zur Unterstützung des Grünen Bandes Europa bekannt.

Trotzdem ist die Bilanz zur Sicherung der bayerischen Seite des Grünen Bandes absolut defizitär: Gerade mal 32 % der Länge stehen von Hof bis ins Dreiländereck Bayern-Tschechien-Oberösterreich unter Naturschutz. Auf tschechischer Seite sind die naturnahen Flächen entlang des Grünen Bandes mit 94 % weitaus umfassender unter Schutz gestellt. Liana Geidezis, Leiterin des BUND-Projekts Grünes Band betont die positive Rolle Tschechiens: „Nicht nur beim Thema Naturschutz ist Tschechien ein Lichtblick. Auch hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten der tschechisch-bayerischen Region setzt Tschechien eher auf nachhaltigen Tourismus, wie Karla Šlechtová, die tschechische Ministerin für Regionale Entwicklung, in Weiden betonte. Hieran kann sich auch das bayerische Heimatministerium ein Beispiel nehmen, anstatt einseitig auf den Ausbau grauer Infrastruktur und die damit einhergehende Zerstörung und Zerschneidung des Naturkapitals Grünes Band zu setzen.“

Für Rückfragen:
Dr. Liana Geidezis, Melanie Kreutz, BUND Projektbüro Grünes Band
Tel. +49-911-575294-10
E-Mail: gruenesband@bund-naturschutz.de

 Bildergalerie Grünes Band Bayern-Tschechien

 

 



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