16.12.2002
PM 121/LFGS
Kategorie: Abfall
Bund Naturschutz lehnt Schwelbrenn-Anlage im Nürnberger Hafen entschieden ab
Auf einem am 17.12.02 stattfindenden Scoping-Termin sollen die möglichen Umweltauswirkungen in der Umgebung der geplanten Müll-Schwelbrenn-Anlage für Auto-Schredder im Nürnberger Hafen erörtert werden.
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) kritisiert an diesem Projekt, dass versucht wird, eine Anlage genehmigen zu lassen, für die es bisher keine Betriebserfahrungen gibt. Lediglich eine Anlage ist gerade erst in Probebetrieb gegangen, die aber allenfalls den Status einer größeren Versuchsanlage hat und noch keinen Dauerbetrieb nachweisen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die zu dem heutigen Scoping-Termin vorgelegten Unterlagen gerade bei heiklen Punkten wie dem Abfalleintrag oder der Gasreinigung wenig aussagekräftig sind.
Die Kritik des BN stützt sich auch auf die schlechten Erfahrungen mit ähnlichen Anlagen (Schwelbrennanlage Fürth) und auf eine unausgereifte Technik. Die Thermolyse ist als Verfahren bekannt, das der in Bayern schon mit seinen negativen Auswirkungen bekannten Pyrolyse gleicht: Während die nach einem etwas anderen Verfahren arbeitende Anlage im nordschwäbischen Burgau wenigstens noch läuft, ohne freilich befriedigende Ergebnisse vorweisen zu können, ist das Schwelbrennverfahren von Siemens-KWU an technischen Problemen gescheitert, wovor der BN frühzeitig gewarnt hatte.
Für das Scheitern war gerade die 1. Verfahrensstufe, die Pyrolyse, verantwortlich, nicht die 2. Stufe, die Hochtemperaturverbrennung. Diese war Bestandteil des Schwelbrennverfahrens geworden, weil eine Aufarbeitung und Reinigung der bei der Pyrolyse entstehenden gefährlichen gasförmigen und flüssigen Produkte äußerst schwierig ist. Bei den flüssigen Produkten handelt es sich um ölige oder wasserlösliche Bestandteile wechselnder Zusammensetzung mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Gerade diese komplizierte Aufarbeitung soll aber im Nürnberger Hafengebiet durchgeführt werden. Störungen sind da vorprogrammiert.
Sorge bereitet dem BN auch die Tatsache, dass überwiegend Kunststoffabfälle behandelt werden sollen, die, wie die Erfahrung zeigt, leicht in Brand geraten können. Dies stellt eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. So enthält die Shredderleichtfraktion aus dem Kfz.-Bereich Chlorverbindungen, die im Brandfall das Hafengebiet mit Dioxinen verseuchen würden; aber auch beim Normalbetrieb der Anlage ist Chlor ein störendes Element.
Der BN fordert, dass bei dem Genehmigungsverfahren das beantragte Projekt als Anlage zur Sondermüllbeseitigung eingestuft wird. Ohnehin ist fraglich, ob sich dieses Projekt jemals wirtschaftlich tragen kann, zumal in den Antragsunterlagen auch Illusionen verbreitet werden.
Dafür exemplarisch 2 Beispiele:
* In der Zielsetzung wird vom Antragsteller ausgeführt, dass aufgrund der Tatsache, dass ab 2005 eine Deponierung heizwertreicher Abfälle nicht mehr möglich ist, dieses Verfahren sehr zukunftsträchtig wäre. Ob die bei der Thermolyse entstehenden Feststoffe verkäuflich oder wenigstens deponiefähig sind, wird in den Unterlagen nicht nachgewiesen.
* Genauso wird die Option erwähnt, Flüssiggas zu erzeugen. Welche Schwierigkeiten das angesichts der wechselnden Zusammensetzung der Abfallstoffe und der flüssigen Thermolyse-Produkte aufwerfen würde, ist den Antragstellern wohl nicht klar.
Der BN befürchtet, dass in einigen Jahren wieder die Ruine einer gescheiterten Abfallentsorgungsanlage nahe am Main-Donau-Kanal stehen könnte und dass diesmal sogar noch erhebliche Sanierungskosten auf die Allgemeinheit zu kommen könnten.
Mit der Sondermüllverbrennung in Schwabach, der neuen Nürnberger Müllverbrennung in Nürnberg und der heiklen Deponie Süd wird gerade der südliche Ballungsraum ein Zentrum problematischer Müllentsorgung. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte sieht der Bund Naturschutz darin eine nicht tolerierbare Gefahr.
Aus diesen Grünen lehnt der Bund Naturschutz die Errichtung einer neuen Müllfabrik im Nürnberger Hafen ab.
gez.
Richard Mergner
Landesbeauftragter
Wolfgang Dötsch
Geschäftsführer KR Nürnberg/Stadt
Tel. 0911/81 87 8-25 oder 0911/81 87 8-0
Fax 0911/86 95 68
E-Mail: lfg@bund-naturschutz.de
Autor: Richard Mergner