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Pressemitteilung des Bundes Naturschutz in Bayern e.V.

26.08.2004
Kategorie: Abfall

Ortsumgehung Reisbach

Bund Naturschutz fordert Gesamtverkehrskonzept
zur Entlastung der Bevölkerung im Vilstal und lehnt Südumgehung von Reisbach ab.
Staatsminister Erwin Huber soll beim Sparen mit gutem Beispiel vorangehen und FFH-Verordnung akzeptieren

Der Bund Naturschutz Bayern lehnt den Bau einer Südumgehung in Reisbach weiterhin ab. Durch die Ausweisung eines Natura-2000-Schutzgebietes müssen die Biotope am Schleifmühlbach dauerhaft geschützt werden. In Zeiten knapper Finanzen dürfen auch in der Heimatgemeinde von Herrn Staatsminister Huber keine Steuermittel für umweltzerstörende und nicht notwendige Straßenbaumaßnahmen verschwendet werden. Im Rahmen eines Verkehrskonzeptes für das Vilstal müssen die Belastungen für die Bevölkerung durch den Straßenverkehr gemindert werden.

Bereits seit zwei Jahren versucht die Marktgemeinde Reisbach den Bau einer Ortsumgehung im Süden von Reisbach durchzusetzen. Durch die geplante Südumgehung von Reisbach wird die Zerstörung einer Reihe von unersetzlichen Biotopen befürchtet. Peter Hirmer, der Vorsitzende der Bund Naturschutz Kreisgruppe Dingolfing-Landau, stellt fest: "Wir lehnen als Bund Naturschutz den Bau der Südumgehung Reisbach weiterhin ab". Eine erste Überprüfung der neuen Planungen hat ergeben, dass auch die nunmehr vorgelegten Vorschläge des Marktes Reisbach zur Beschränkung der Eingriffe in die Biotope am Schleifmühlbach nicht ausreichend sind.

Insbesondere am Schleifmühlbach werden Arten und Lebensräume, die nach europäischen Recht geschützt sind, durch den geplanten Straßenbau gefährdet. Im Rahmen einer faunistischen Untersuchung konnten im genannten Gebiet 38 gefährdete Tierarten festgestellt werden. Folgende nach der FFH-Richtlinie geschützte Lebensraumtypen und Tierarten sind vorhanden:

91EO* Auen-Wälder mit Alnus glutinosa, Fraxinus excelsior, Prunus padus (Alno-Padion),
9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum),
9130 Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
1014 Vertigo angustior (Schmale Windelschnecke)
1166 Triturus cristatus (Kammmolch)
1193 Bombina variegata (Gelbbauchunke)

Für die Erhaltung dieser Lebensräume und Tierarten hat Bayern eine besondere Verantwortung. Das Bayer. Landesamt für Umweltschutz hatte das Gebiet am Schleifmühlbach als Teilfläche 04 des Nachmeldegebietes 7342-601 "Habitate der Gelbbauchunke im Landkreis Dingolfing-Landau" zur Meldung nach der FFH-Richtlinie vorgesehen. Im September 2003 wurde die Teilfläche nachträglich wieder gestrichen. Dr. Artur Steinhauser, der Sprecher der Bürgerinitiative Reisbach: "Ich kann diese Streichung aus naturschutzfachlicher Sicht nicht nachvollziehen. Für die Meldung eines FFH-Gebietes dürfen nur naturschutzfachliche Gründe ausschlaggebend sein. Die naturschutzfachliche Wertigkeit des Gebietes ist aber unumstritten. Andere Gründe - wie etwa der geplante Bau der Südumgehung Reisbach - dürfen sich auf die Meldung als FFH-Gebiet nicht auswirken". Für Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutzes Bayern, ist deshalb klar: "Die Bayerische Staatsregierung muss das Gebiet am Schleifmühlbach als Natura-2000-Gebiet melden, wenn hier nicht eine "lex Huber" geschaffen werden soll."

Neben den Aspekten des Naturschutzes stellen sich auch eine Reihe von anderen Fragen im Zusammenhang mit dem geplanten Bau der Südumgehung von Reisbach. Für den Bau der Straße werden vom Markt Reisbach Kosten in Höhe von 5 Millionen Euro erwartet. Ca. 70 % dieser Kosten sollen durch den Freistaat Bayern übernommen werden. Trotz der angespannten Situation des Bayer. Staatshaushaltes sollen im nächsten Doppelhaushalt 2005/2006 wieder Mittel für die Straßenbaumaßnahme eingestellt werden. Staatsminister Erwin Huber wird in der Presse mit der Aussage zitiert, dass er persönlich den Bau der Umgehungsstraße unterstützen und seinen Einfluss bei der staatlichen Förderung geltend machen werde. Richard Mergner: "Angesichts der vergleichsweise geringen Verkehrsentlastung durch die Südumgehung Reisbach und der massiven Auswirkungen auf die Landschaft und die Natur stellt sich die Frage, ob die vorgesehenen Gelder nicht an anderer Stelle im Staatshaushalt sinnvoller verwendet wären".

Dies gilt aus der Sicht des Bundes Naturschutz auch deshalb, weil durch die geplante Umgehungsstraße die Belastungen der Menschen im Vilstal durch den Verkehr eher steigen werden. Jeder zusätzlicher Ausbau der Trassen werde weiteren Verkehr im Vilstal verursachen. Notwendig wäre für das Vilstal ein Verkehrskonzept, das Verkehr vermeidet und lenkt. Im Gegensatz hierzu verlagert die Umgehung Reisbach das Problem nur auf Nachbarortschaften.


 

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