Sieben Buckel
Mit die seltensten Biotope in Bayern sind die fränkischen Gipshügelgebiete. Infolge des Zusammentreffens besonderer geologischer und klimatischer Faktoren sind die Gipshügel mit ihrer auserlesenen Flora geradezu ein Stück pannonischer Steppe in Franken und erdgeschichtlich ein Relikt der Nacheiszeit.
Durch landwirtschaftliche Melioration blieben bis Ende des letzten Jahrhunderts nur noch vier kleine Gebiete übrig, z. T. mit weniger als einem Hektar. Drei davon in Mittelfranken und eines in Unterfranken.
Im Jahr 1905 erwarb der der Botanische Verein Nürnberg (heute Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg, NHG) eine Fläche im heutigen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (NEA) in Mittelfranken. 1957 und 1960 konnte der Bund Naturschutz (BN) weitere zwei Gebiete, ebenfalls im Landkreis NEA, durch Ankauf vor der sicheren Degradierung durch die Landwirtschaft bewahren.
Das 1960 erworbene Areal ist, wie die andern Gebiete auch, als Naturschutzgebiet (NSG) gesichert und bei Kennern besser unter dem Namen „Sieben Buckel“ bekannt. Mit damals weniger als 1,7 Hektar - heute sind die „Sieben Buckel“ das Filetstück des NSG – war es wegen seiner geringen Ausdehnung schon immer durch Fremdeinwirkungen gefährdet.
Je nach finanziellen Möglichkeiten und Gelegenheit hat die Kreisgruppe im Laufe der letzten Jahrzehnte den BN-Besitz erweitert. Die größte Gefahr für das Schutzgebiet, welches auch die größte nicht begehbare Gipskarsthöhle Süddeutschlands beherbergt, stellt jedoch der bis an den Rand des Schutzgebiets reichende Gipsabbau dar. Durch ihren engagierten Einsatz konnte jedoch die Kreisgruppe die größten Gefahren abwenden.
Den Durchbruch in den Bemühungen um die Gebietserweiterung bot das z. Zt. in Markt Nordheim laufende Verfahren zur Flurneuordnung (Flurbereinigung). Zusammen mit dem Landschaftspflegeverband, der NHG und dem Landkreis und mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfond wurden zusätzlich über sechs Hektar aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung genommen. Aus den 1,7 Hektar von 1960 wurden damit über elf Hektar, auf denen z. T. Rinderbeweidung stattfindet, und durch großflächiges Abschieben des nährstoffreichen Oberbodens bis auf das anstehende Gipsgestein eine Umwandlung in Richtung Gipssteppen erfolgen soll. Dazu wird das bei der alljährlichen Pflegemahd des Kerngebiets anfallende Mähgut auf den abgeschobenen Rohboden aufgebracht. Da alle Grundstücksbesitzer die gleichen Interessen verfolgen kann die Entwicklung zur Erreichung des angestrebten Ziels leichter gesteuert werden.
Für dieses Kleinod unserer fränkischen Heimat tragen wir eine große Verantwortung, nicht nur weil viele Fachleute aus Bayern und sogar aus ganz Deutschland nach Markt Nordheim blicken, sondern weil wir uns auch verpflichtet fühlen, das, was weitsichtige Naturschützer Mitte des letzten Jahrhunderts gesichert haben, möglichst unversehrt an unsere Kinder und Enkelkinder zu übergeben.