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Wald

Der Bund Naturschutz zu Besuch bei den tschechischen Waldschützern im Nationalpark Sumava.


BN besucht tschechische Waldbesetzer

In Tschechien blockieren derzeit Naturschützer das Abholzen von Bäumen im Nationalpark Sumava. Der Bund Naturschutz erklärt sich mit den tschechischen Waldbesetzern solidarisch. Bei einem Besuch vor Ort überreichte der Passauer BN-Kreisvorsitzende Karl Haberzettl den Waldschützern einen großen Brotzeitkorb.

Circa 80 tschechische Naturschutzfreunde stellen sich derzeit schützend vor Bäume im Bereich Pürstling unterhalb des Lusens am Maderbach bei der Ortschaft Modrava (Mader), um sie so vor dem Fällen durch Waldarbeiter zu schützen. Die Anordnung des neuen Nationalparkdirektors Strasky, die Bäume zu fällen, ist nicht nur den Naturschützern in Tschechien, sondern auch in Österreich und Deutschland ein Dorn im Auge.

Es ist unsinnig, in der Kernzone des Nationalparks Sumava unterhalb des Lusens Bäume zu fällen, da auf deutscher Seite das Kerngebiet des Nationalparks Bayerischer Wald liegt und auch die tschechische Seite bis vor kurzem zum Kerngebiet des dortigen Nationalparks zählte. Was sich in Tschechien geändert hat, ist lediglich, dass der neue Nationalparkdirektor einen Teil dieser Fläche kurzum nicht mehr als Kernzone (Zone I) eingestuft sehen wollte und den Status daher änderte, um die Bäume unter dem Vorwand der Borkenkäferbekämpfung fällen zu können.


Abholzung widerspricht Naturschutz-Richtlinien

Karl Haberzettl (im Bild rechts) überreicht den BN-Brotzeitkorb.

Gegen die Abholzungen sprechen auch Natura 2000-Richtlinien. Danach darf es zu keiner Verschlechterung des Naturzustandes in dem Gebiet kommen. Nach Ansicht der Naturschützer gelten diese Gesetze, die FFH-Richtlinien, auch für den Bereich des Nationalparks und sind, so wie sie europaweit gelten, auch in Tschechien maßgeblich.

Karl Haberzettl, der auch Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Naturschutzfragen im Dreiländereck Bayern ,Tschechien und Österreich ist, ließ es sich daher nicht nehmen, seine Naturschutzfreunde im benachbarten Tschechien zu besuchen. Auf einer zwölf Kilometer langen Wanderung brachte er ihnen Wurst, Brot und vieles mehr aus Bayern mit.


Waldbesetzer freuten sich über BN-Besuch

Die Waldbesetzer versuchen das unsinnige Abholzen der Bäume zu verhindern.

In einer Ansprache, die auch vom tschechischen Fernsehen verfolgt wurde, betonte Haberzettl, dass die bayerischen Naturschützer den Tschechen nicht vorschreiben wollten, was sie zu tun und zu lassen hätten. Das liege ihnen fern – sie wollten ihren tschechischen Freunden aber ihre Solidarität zeigen, weil diese ihrer Ansicht nach das Richtige tun.

Die Waldbesetzer freuten sich über den Besuch und betonten, dass man sich bei allen Aktionen an Recht und Gesetz halten werde. Daher konnten sich die Baumbesetzer auch nicht direkt an Bäume anketten, da dies verboten ist. Stattdessen stellen sie sich in den betroffenen Waldflächen zwischen die Bäume, weshalb die Baumfäller unverrichteter Dinge abziehen müssen. Das Gebiet, in dem die Baumschützer aktiv sind, ist ca. 500 Hektar groß. Die Baumbeschützer sind rund um die Uhr auf acht Standorte verteilt.


Unsinnige „Borkenkäferbekämpfung“ gefährdet Status als Nationalpark

Lager der Waldschützer

Tschechische und bayerische Naturschützer erklärten, dass in einem Nationalpark der Natur der Vorrang einzuräumen sei und hier nach dem Prinzip „Natur Natur sein lassen“ gehandelt werden müsse. Um den Status eines Nationalparks nicht zu verlieren, wäre dies auch nach internationalen Richtlinien erforderlich.

Jetzt, nach dem 20. Geburtstags des Nationalparks Sumava, sollen viele dieser Richtlinien wegverordnet werden, da sie den Vorstellungen mancher Geldmacher und Forstleuten nicht entsprechen – wohl wissend, dass den Borkenkäfer in einem Nationalpark nicht durch rigide Abholzungsmaßnahmen aufhalten kann. Gerade bei solchen Abholzungen wird aufgrund des Einsatzes von Großmaschinen weit mehr Schaden im Wald angerichtet als dies der Borkenkäfer je getan hat und je tun wird.


Totholzflächen sind Refugium für vom Aussterben bedrohte Tierarten

Vor allem die Bodenschäden durch den Einsatz von Großmaschinen sind enorm.

Karl Haberzettl verwies in seiner Ansprache darauf, dass erst die ARD vor kurzem einen Film gezeigt hatte, der die Vielfalt im Nationalpark Bayerischer Wald thematisiert hatte. Viele Arten, die als ausgestorben galten, sind gerade in die Totholzflächen des Nationalparks zurückgekehrt: darunter viele Kleinlebewesen und Pilze, aber auch größere Tiere wie Habichtskauz und Luchs. Diese Vielfalt gilt es für unsere Nachkommen in den Nationalparks Sumava und Bayerischer Wald zu bewahren, damit auch unsere Nachfahren noch wirklich ursprüngliche Natur im unmittelbaren Heimatbereich erleben können und dürfen.

Die tschechischen Waldschützer werden jedoch von der Polizei mit Handschellen vom Gelände geräumt. Zusammen mit anderen Organisationen und tschechischen Wissenschaftlern hat sich der Bund Naturschutz mit Briefen an den tschechischen Umweltminister gewendet, damit dieses naturfeindliche Tun beendet werde.

 

Für Rückfragen

Karl Haberzettl
Kreisgruppe Passau
Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 08 51 / 9 66 93 66
info@bn-passau.de

 

 

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