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Alpentiere in Bayern – Bewohner der letzten Wildnis

Viele Tiere in den Alpen sind perfekt an ihre Umgebung angepasst und kommen nur in dieser Region vor – Grund genug, sie besonders zu schützen. Erfahren Sie mehr über die alpine Fauna und was ihren Fortbestand bedroht.

Alpengelbling an einer gelben Bergblume. (Foto: Wolfgang Willner)
Der Alpengelbling (Colias phicomone) zählt zu den zahlreichen endemischen Insekten der Alpenfauna (Foto: Wolfgang Willner)

Die Fauna der Alpen hängt wesentlich von der Klima- und Landschaftsgeschichte der Region ab, über 30.000 Tierarten kommen im gesamten Alpenraum vor. In den Eiszeiten wurde ihre Zahl stark dezimiert, viele Arten sind ausgestorben und bis heute nicht wieder eingewandert. Dennoch ist die Vielfalt der Alpentiere hoch, werden zum Beispiel allein in den Westalpen mehr Laufkäferarten gezählt als auf der ganzen Skandinavischen Halbinsel oder in Großbritannien. Fast ein Drittel dieser Käfer sind endemische Arten, das heißt, sie kommen nur in dieser Region vor. Auch die übrigen Tiere sind stark an den alpinen Lebensraum gebunden, einen Hinweis darauf gibt oft schon ihr Namenszusatz Alpen-, etwa bei Alpenmurmeltier, Alpendohle, Alpensalamander und Alpenschneehuhn – oder Berg-, wie beim Bergmolch.

Besonders bedeutsam sind für die Tierwelt die alpine Waldgrenze (in den deutschen Alpen bei etwa 1.800 Metern, sowie die Schneegrenze (Alpennordseite 2.500 bis 2.800 Meter), das ist die Höhe, ab der Schnee in der Regel ganzjährig liegenbleibt. Mit steigender Höhe nehmen in den Alpen die Artenzahlen der Invertebraten (Wirbellosen) ab. Intensiv diskutiert wird derzeit die Frage, ob große Raubtiere, die ursprünglich in den Alpen zu Hause waren, wieder angesiedelt werden sollten. Während für die einen Luchs, Wolf und Bär natürlich zum Ökosystem gehören, sehen andere in ihnen eine Bedrohung für ihren eigenen Aufenthalt in den Bergen oder – als Viehhalter – für ihre wirtschaftliche Existenz.

Typische Tiere in den Alpen

Alpenbock

in graublau gefärbter Alpenbock auf einem Holzstamm (Foto: Wolfgang Willner)
Der prachtvolle Alpenbock ist graublau gefärbt – und nicht mit dem Steinbock zu verwechseln. (Foto: Wolfgang Willner)

Der Alpenbock (Rosalia alpina) ist ein Käfer aus der Familie der Bockkäfer (Cerambycidae). Die Art besiedelt anbrüchiges (außen hartes und innen faules) Holz verschiedener Laubbäume in gut belichteten Buchenhangwäldern. Doch er ist durch den geringen Altholzanteil in unseren Wäldern sehr selten geworden. Er ist nicht nur in Bayern stark bedroht (Rote Liste Status 2, Stand 2005) sondern auch auf europäischer Ebene („FFH-Anhang-Art“) streng geschützt.

Alpensalamander

Zwei schwarze Alpensalamander auf hellgrauem Kies (Foto: Wolfgang Willner)
Alpensalamander wie diese bringen als einzige heimische Lurchart voll entwickelte Junge zur Welt. (Foto: Wolfgang Willner)

Der Alpensalamander (Salamandra atra) ist einheitlich schwarz gefärbt und wird bis zu 15 cm groß. Er kommt hierzulande nur in höheren Lagen zwischen 800 und 2.000 Meter vor. Er weist gegenüber anderen heimischen Lurcharten eine Reihe von Besonderheiten auf: Zum einen bringt er als einziger nach zwei- bis dreijähriger Tragzeit ein bis zwei voll entwickelte Junge zur Welt. Zum anderen ist er für die Fortpflanzung nicht auf Gewässer angewiesen. Er lebt in nicht zu trockenen Buchen- und Mischwäldern oder – oberhalb der Baumgrenze – in Zwergstrauchheiden und Alpenweiden. Der Alpensalamander ist in Bayern nicht gefährdet, er genießt aber europaweit einen besonderen Schutzstatus nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.
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Gämse

Eine Gams steht auf einem Felsvorsprung in der Sonne. (Foto: Wolfgang Willner)
Berggämsen geraten mit ihren saugnapfartigen Hufen auch auf stark geneigten Flächen nicht ins Rutschen. (Foto: Wolfgang Willner)

Die Gämse (Rupicapra rupicapra linnaeus) oder Alpengämse ist in den Alpen verhältnismäßig häufig anzutreffen. Die etwa ein bis 1,30 Meter großen, ziegenähnlichen Tiere leben im Sommer in etwa 20 Gämsen zählenden Gruppen. Im Winter bilden sie größere Herden, die in geringere Höhen hinabsteigen, wo sie ein besseres Nahrungsangebot finden.

Ihr Gesicht ist schwarz-weiß gezeichnet, die Hufe sind im Gegensatz zu anderen Paarhufern flexibel und „saugnapfartig“, das gibt den Tieren im Gebirge besseren Halt – Gämsen sind Kletterkünstler. Sie ernähren sich vegetarisch von Gräsern, Kräutern und Blättern.

Kritisch sieht der Bund Naturschutz manche Hegemaßnahmen von Jagdverbänden, die zu überhöhten Beständen und in der Folge zu Schäden an Baumartenvielfalt und Bodenvegetation führen.

Alpenmurmeltier

Zwei Alpenmurmeltiere – es scheint, als wollten sie sich umarmen (Foto: Wolfgang Willner)
Alpenmurmeltiere sind gesellige Tiere, bei Gefahr warnen sie sich durch gellende Pfiffe. (Foto: Wolfgang Willner)

Murmeltiere (Marmota marmota) kommen in Europa vor allem in den Alpen vor. Weil sie ihren Wärmehaushalt nicht gut steuern können, sind sie auf gemäßigtes bis arktisches Klima angewiesen und siedeln sich nicht in Tälern an. Auch in den Höhenlagen verbringen sie die Mittagszeit in ihrem Bau, im Winter halten sie Winterschlaf. Murmeltiere werden zwischen 40 und 60 cm groß, hinzu kommt ihr zehn bis 20 cm langer Schwanz. Die geselligen Tiere entfernen sich nie weiter als etwa 100 Meter von ihrem Bau, können sehr gut sehen und hören: Berühmt ist der Pfiff der Murmeltiere, mit dem sie andere auf Gefahr aufmerksam machen – blitzschnell ist dann die ganze Gruppe verschwunden.
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Steinadler

Ein Steinadler im Profil (Foto: Wolfgang Willner)
Der seltene Steinadler wird immer noch als Jagdkonkurrent verfolgt, die Art ist hierzulande stark gefährdet. (Foto: Wolfgang Willner)

In Deutschland kommt der Steinadler (Aquila chrysaetos) heute nahezu ausschließlich in den bayerischen Alpen vor, er kann knapp einen Meter groß werden und eine Flügelspannweite von bis zu 2,30 Metern erreichen. Die hierzulande stark gefährdete Art ernährt sich von (Wild-)Hühnern, Krähen, Kaninchen und sogar Murmeltieren. Daher wurde und wird der Steinadler immer noch als Jagdkonkurrent verfolgt. Er kreist in möglichst entlegenen Regionen im Segelflug, gut erkennbar sind dann die „Finger“, die einzelnen Federn an den Flügelenden. Steinadler errichten ihren Horst und Nistplatz an schwer zugänglichen Felswänden, aber auch in hohen Baumkronen.

Steinbock

Zwei Steinböcke präsentieren ihre mächtigen Hörner mit direktem Blick in die Kamera (Foto: Wolfgang Willner)
Steinböcke haben mächtige Hörner und wurden früher stark mystifiziert – sie konnten nur knapp der Ausrottung entgehen. (Foto: Wolfgang Willner)

Steinböcke sind eigentlich in höheren Lagen ab etwa 1.600 Metern und bevorzugt in den Südalpen heimisch, im ausgehenden 19. Jahrhundert waren die Tiere in Europa fast ausgerottet. Allen voran dem Horn der Tiere, aber auch Blut oder Exkrementen wurden damals heilende Kräfte nachgesagt. Ende der 1950er-Jahre wanderte jedoch ein Bock zur Benediktenwand bei Benediktbeuern, in den Folgejahren importierte man zwei weitere Böcke und zwei Geißen aus der Schweiz zum Aufbau einer Population. Da die Tiere in dem rund 400 Hektar großen Gebiet ganzjährig geschützt sind, haben sie sich stattlich vermehrt. Als Wanderer hat man gute Chancen, den wenig scheuen Tieren hautnah zu kommen. Doch eine natürliche Selektion fällt – abgesehen von Unfällen – aus, Luchs, Bär und Wolf fehlen bislang. Rund 80 Tiere halten Experten für das Revier Benediktenwand tragbar, 2009 wurde die Abschussgenehmigung für 14 Tiere erteilt, nachdem über 100 Tiere im Gebiet gezählt wurden. Außerhalb dieser Region ist der Steinbock in den deutschen Alpen kaum anzutreffen.
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