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Bedroht und übernutzt: Bergwald und Berglandwirtschaft

Nur ein intakter Bergwald kann seine Funktionen erfüllen, etwa als Wasserspeicher, Erosionsschutz oder Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Artenreiche Bergwiesen brauchen traditionelle extensive Nutzung, eine zunehmend intensive Almbewirtschaftung bedroht hingegen die Koexistenz von Kultur- und Naturlandschaft. 

Lawinenbebauung im Bergwald
Lawinenverbauung ist eine teure Alternative zum Schutz vor Lawinen – die übrigen Bergwaldfunktionen kann sie darüber hinaus nie erfüllen. (Foto: Zeitgugga6897/AdobeStock)

Mit dem zweitgrößten Flächenanteil an den bayerischen Alpen kommt dem Bergwald eine besondere Bedeutung zu. Damit wächst seine Bedeutung für die Artenvielfalt. Doch die Folgen des Klimawandels, stellenweise zu hoher Wildverbiss und die Belastung mit Schadstoffen führen dazu, dass er seine vielfältigen Aufgaben – etwa Erhalt der Artenvielfalt und Schutz vor alpinen Gefahren – derzeit nur noch eingeschränkt erfüllen kann. 

Auch der forstliche Nutzungsdruck steigt weiter an, die Gelder für die Schutzwaldsanierung sind zu knapp. Im Staatswald ist der Holzeinschlag in den letzten Jahren stark angestiegen und der immer weiter vorangetriebene Forststraßenbau schwächt die Erfüllung der Schutzfunktionen des Waldes zusätzlich. Schon 1984 mündete die Sorge um den Bergwald in einem Rodungsverbot und weitere Maßnahmen im sogenannten „Bergwaldbeschluss“ des Bayerischen Landtags. Trotzdem werden heute Rodungen beispielsweise für Skipisten und Speicherseen für Beschneiungsanlagen geplant.


Natürlicher Bergwald – eine Lebensversicherung

Blick auf bunt gefärbte Ahornbäume, im Hintergrund bewaldeter und schneebedeckter Gipfel
Der Bergwald erfüllt viele Funktionen, meist handelt es sich um von Nadelbäumen dominierten Mischwald. (Foto: Michael/AdobeStock)

Ein intakter Bergwald erfüllt viele Aufgaben: Nichts schützt so gut vor Lawinen, Steinschlag, Muren, Hochwasser und Erosion wie naturnaher gesunder Bergwald. Er fördert die Neubildung von Grundwasser, hält das Wasser sauber und reinigt die Luft. Der Bergwald speichert große Mengen des Treibhausgases CO2. So wirkt er einerseits der Klimaerwärmung entgegen, ist aber andererseits auch besonders stark betroffen: Schon ein geringer Anstieg der Durchschnittstemperaturen verkleinert die Lebensräume spezialisierter Arten wie beispielsweise der Fichte. Naturnaher Bergwald ist zudem ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Für zahlreiche Tiere wie Weißrückenspecht, Haselhuhn und Alpenbock (siehe auch Alpentiere) sind die Bergwälder die letzten Rückzugsgebiete in Deutschland.

Doch der Bergwald kann seine vielfältigen Aufgaben derzeit nur eingeschränkt erfüllen. Hauptursache sind die Belastung mit Schadstoffen, die Folgen des Klimawandels und der gebietsweise immer noch zu hohe Wildverbiss. Auch der immer weiter vorangetriebene Forststraßenbau und der in den letzten Jahren vor allem im Staatswald stark gestiegene Holzeinschlag schwächen ihn. Durch verstärkte Fällungen gibt es immer weniger dickstämmiges Totholz, das ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Entwicklungszyklus von Bergwäldern ist. 1984 fasste der Bayerische Landtag den Bergwaldbeschluss zu seinem Schutz. Danach sollte es grundsätzlich keine Rodungen mehr für Freizeiteinrichtungen geben. Leider wird die Vorgabe kaum beachtet: Allein zwischen 1984 und 1998 wurde für über 15 Hektar die Rodung zugelassen und nur für 5 Hektar versagt.

Der BN ist Mitglied im WaldBündnisBayern und setzt sich umfassend dafür ein, den Bergwald naturschonend zu bewirtschaften und zu pflegen.


Maßnahmen zum Schutz des Bergwalds

Leitbild Bergwaldbewirtschaftung

  • Der Bergwald wird naturverträglich genutzt und geschützt. Bergwald im Bereich von Naturschutz- und NATURA 2000-Gebieten wird in Zusammenarbeit von Naturschützern, Landwirten und Touristikern geschützt.
  • Der Grundsatz „Wald vor Wild“ wird konsequent umgesetzt.
  • Das Ziel eines naturnahen Bergwalds ist allgemein anerkannt, Bergwald wird nicht gerodet, die Schutzwaldsanierung wurde ausgeweitet, auch in finanzieller Hinsicht.

Forderungen des BN für den Berg- und Schutzwald

  • Waldnutzung muss daran ausgerichtet werden, dass die Funktionen nach der Waldfunktionsplanung sowie die Schutzbedürfnisse der Talräume bis weit ins Flachland hinaus erfüllt werden. Als Vorsorgemaßnahme ist in allen älteren (staatlichen) Waldteilen, in denen das Aufwachsen der standortheimischen Baumarten ohne besondere Schutzmaßnahmen nicht gesichert ist, die Nutzung, insbesondere die Fällung aller regenerationsfähigen alten Bäume einzustellen. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei der Weißtanne zu.
  • Die Bewirtschaftung muss naturnah erfolgen, damit alle standortheimischen Baumarten sowie die waldtypischen Kraut- und Straucharten aufwachsen können.
  • Ziel und Förderkriterien müssen die ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Waldnutzung sein – Biodiversität, Naturgefahrenabwehr, Klimawandelanpassung und diesbezüglich angepasste Nutzungsintensität.
  • Schalenwild muss effektiv bejagt werden, um Verbissschäden so gering zu halten, dass das Aufwachsen voll funktionsfähiger Bergwälder nicht gefährdet wird. Alle jagdlichen und wildbiologischen Maßnahmen müssen sich dem Ziel zum Wiederaufbau funktionsgerechter Schutzwälder unterordnen. Zielführend sind effektive Jagdmethoden sowie die Beschränkung der Wildfütterung (nur für Rotwild, vorwiegend in Wintergattern).
  • Holzentnahme darf im Staatswald nur erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass junge Bäume aller standortheimischen Arten – insbesondere der Tanne – ohne besondere Schutzmaßnahmen aufwachsen können.
  • Die Waldfunktionsplanung ist den neuen Bedingungen des Klimawandels anzupassen. Nötig ist eine Analyse, welche Waldteile bei befriedigend raschem Aufwachsen aller Baumarten für längere Zeit aus der Bewirtschaftung genommen werden können. Dadurch lassen sich erhebliche Mittel einsparen. Dazu müssen Schutzfunktionen (Waldfunktionsplan) und Funktionserfüllungsgrad bestimmt werden. Die Erkenntnisse müssen durch effektive Maßnahmen der Klimafolgenvorsorge umgesetzt werden. Diese sind wieder als behördenverbindlich zu bestimmen.
  • Konzentration der Mittel für die extrem teure Schutzwaldsanierung auf vorrangige Sanierungsgebiete und dorthin, wo das rasche Aufwachsen aller Baumarten gesichert ist. Die Schutzwaldsanierung ist solange als Daueraufgabe anzuerkennen, bis alle Bergwälder ihre Schutzfunktionen wieder befriedigend erfüllen können. Dafür sind ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen.
  • Bei der Bergwaldoffensive müssen die Mittel primär für den notwendigen Waldumbau, für Biodiversitätsmaßnahmen sowie die Sanierung nicht mehr funktionstauglicher Bergwälder eingesetzt werden, und nicht an erster Stelle für Erschließungsmaßnahmen, wie das bisher der Fall war.
  • Für neue Forststraßen muss es einen Erschließungsstopp geben. Andere Bringungsmethoden wie Seilbringung und Pferderückung müssen stärker gefördert werden. Wo die Bewirtschaftung mit großen Eingriffen verbunden ist, ist diese zu unterlassen.
  • Um auch in privaten Wäldern mehr Naturschutz- und Gemeinwohlleistungen zu erreichen, sind über gesetzliche Standards hinausgehende diesbezügliche Leistungen im Rahmen von Förderprogrammen nach dem Grad der Funktionstauglichkeit gestaffelt so zu entgelten, dass der Aufbau funktionsgerechter Bergwälder für den Waldbesitzer auch finanziell attraktiver ist als etwa die jagdliche Verpachtung.

Ausführliche Forderungen zum Schutzwald (PDF)


Berglandwirtschaft

rei Almkühe mit Kuhglocken vor Gipfel und blauem Himmel: Die Almwirtschaft prägt das Bild der Alpenlandschaft.
Almkühe und ihr Glockengeläut prägen das Bild der Alpenlandschaft aller Nationen. (Foto: Heidi Tiefenthaler)

Die Alpen wurden vom Menschen frühzeitig besiedelt und kultiviert. Durch Alm- und Alpwirtschaft (Oberbayern: Alm; Allgäu: Alp), die vielfach noch traditionell erfolgt, sind artenreiche Wiesen und Weiden entstanden. Die Grünlandnutzung in über 30 Prozent der bayerischen Alpen ist der alpenweite Schwerpunkt der Rinderhaltung. Dabei ist der Flächenanteil von Bio-Betrieben deutlich höher als im bayerischen Durchschnitt.

Neben den Wiesen und Weiden der Täler prägen 1384 Almen und Alpen mit mehr als 40.000 Hektar Weidefläche das Landschaftsbild. Seit rund 40 Jahren wurde so gut wie keine Alm aufgegeben. 2008 weideten auf den Almen rund 50.000 Rinder, 3360 Schafe und 1000 Pferde, in den Alpen-Landkreisen wurden zudem rund 820.000 Rinder gehalten. Daneben gibt es Mähflächen, auf denen Heu für den Winter oder die im Tal verbliebenen Tiere geerntet wird.


Landwirtschaft in den Alpen am Scheideweg

Ein asphaltierter Weg im sommerlichen Oberallgäu, im Hintergrund eine Skihütte sowie ein Lift
Werden Almwegebau ausgebaut, folgt darauf häufig eine intensivierte Nutzung – das gefährdet die Artenvielfalt der Almen. (Foto: ARochau/AdobeStock)

Doch auch die Entwicklung der Landwirtschaft in den Alpen ist nicht frei von Risiken. Sie treibt immer weiter in den Spagat zwischen Intensivnutzung auf ertragreichen, gut zu bewirtschaftenden Standorten und Nutzungsauflassung auf weniger ertragsfähigen oder schwerer nutzbaren Wiesen und Weiden. Die Intensivierung hat in den vergangenen Jahren besonders auf den Talflächen stattgefunden. Die entstandene Intensivgrünlandwirtschaft ist sehr artenarm und bietet zum Beispiel für Insekten kaum noch eine Heimat. Während bei Intensivnutzung die Besonderheiten der Wiesen und Weiden sehr schnell verloren gehen, bleiben nach Nutzungsaufgabe wertvolle Arten häufig lange erhalten. Übernutzte Weiden hingegen führen zu den folgenden Problemen:

  • Die Vegetation kann sich in Nutzungspausen nicht ausreichend erholen, außerdem bedrohen zu hohe Nährstoffeinträge das empfindliche Gleichgewicht der Artenvielfalt.
  • Es besteht eine größere Gefahr von Erosion, zum einen durch die Tiere selbst, zum anderen durch fehlendes Wurzelwerk der angegriffenen Vegetation.
  • Der Verkehr in der Region nimmt allgemein zu, zum Beispiel aufgrund der nötigen Tierpflege. Gebaute Wege zerschneiden die Landschaft und können zusätzlich die Erosion verstärken, weil das Wasser auf ihnen zu Tal rauscht anstatt im Boden zurückgehalten zu werden.
  • Der BN setzt sich auf verschiedene Weise für die naturverträgliche Landwirtschaft in den Alpen ein, etwa bei den Verhandlungen zur EU-Agrarreform, durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Weiterführung von Vertragsnaturschutz- und Landschaftspflegeprogramm, im Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft sowie bei der Regionalvermarktung.

BN-Informationen zur Landwirtschaft in Bayern


BUND Naturschutz für die Zukunft der Almwirtschaft

Leitbild Berglandwirtschaft

  • Subventionen für die landwirtschaftliche Produktion werden schrittweise durch die gezielte Finanzierung von gesellschaftlichen Leistungen der Berglandwirtschaft ersetzt.
  • Bergbauern werden für Landschaftspflegemaßnahmen und Naturschutzbeiträge gerecht entlohnt.
  • Es werden alternative Transportmöglichkeiten (Materialseilbahnen, Tragtiere) genutzt, anstatt neue Erschließungsstraßen zu bauen.
  • Der ökologische Landbau wächst stark. Auch die konventionellen Landwirte setzen kein gentechnisch verändertes Material ein.
  • Urlaub auf dem Bauernhof bildet ein weiteres wichtiges Standbein vieler Betriebe.
  • Bei der Ausweisung und Bewirtschaftung von Naturschutz- und NATURA 2000-Gebieten arbeiten Naturschützer, Landwirte und Touristiker eng zusammen.

Forderungen des BN

  • Zahlungen an die Landwirtschaft sind konsequent am Gemeinwohlprinzip nach dem Grundsatz „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ auszurichten. Dafür sind finanzielle Mittel in ausreichender Höhe bereitzustellen.
  • Definition von Mindeststandards der Guten fachlichen Praxis (GfP) und Förderung regionaler, auf der Primärproduktion aufbauende Wertschöpfungsketten
  • Deutliche Ausweitung der Definition von „umweltsensiblem“ Dauergrünland, um einen besseren Schutz wertvoller Dauergrünlandbestände zu erreichen: Sie muss mindestens die gesamte Natura 2000-Gebietskulisse sowie die organischen Böden und alle gefährdeten und gesetzlich geschützten Grünlandbiotoptypen sowie Grünlandflächen mit hohem Naturwert umfassen. Erforderlich ist darüber hinaus ein vollständiges Umbruchverbot von Dauergrünland.
  • Almen und Alpen dürfen im Vergleich zu Gaststätten im Tal nicht zu gleichwertigen Gastronomiebetrieben mit entsprechenden Erschließungsnotwendigkeiten umfunktioniert werden, etwa im Rahmen des Sennereiausbaus zu „Genussalpen/-almen“ (vgl. Alpenstrategie der Staatsregierung).

Mehr über die bayerischen Alpen