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Artenschutz

Professor Gerhard Kneitz, Vorsitzender der Deutschen Naturschutzakademie.
Ulrike Geise, Sprecherin des BN-Landesarbeitskreises Artenschutz.


Pakt für Frosch und Co

Frösche sind Symboltiere für den Artenschutz, beim BN steht der Amphibienschutz seid 40 Jahren auf der Tagesordnung. Wie der erfolgreiche Schutz von Frosch und Co. aussieht, zeigte die große BN-Amphibienschutzkonferenz am 30. Januar in Würzburg.

Seit kurzem haben Frösche Hochkonjunktur. Als Symboltiere für den Artenschutz prangen sie auf zahllosen Broschüren. Für den Bund Naturschutz in Bayern steht das Thema „Amphibienschutz“ allerdings schon seit 40 Jahren auf der Tagesordnung, so Professor Gerhard Kneitz, Vorsitzender der Deutschen Naturschutzakademie. Auch findet in Bayern alle zwei Jahre eine Amphibienschutz-Konferenz statt. Am 30. Januar war es wieder soweit. In Würzburg konnte Kneitz rund 100 Teilnehmer begrüßen.


BN rettet jährlich 700.000 Amphibien

Eine Armada von 6.000 Ehrenamtlichen engagiert sich in Bayern alljährlich im Frühjahr für den Amphibienschutz. An 560 vom Bund Naturschutz betreuten Amphibienwanderwegen tragen sie rund 700.000 Tiere über gefährliche Straßen. „Dies ist die größte Einzelaktion im Artenschutz, die es bundesweit gibt“, erläuterte Ulrike Geise, Sprecherin des BN-Landesarbeitskreises Artenschutz, den ehrenamtlichen Amphibienfreunden aus BUND-Orts- und Kreisgruppen sowie den freiberuflich und behördlich engagierte Amphibienspezialisten, die an der heuer erstmals bundesweit ausgerichteten Konferenz von BN, BUND und Naturschutzakademie teilnahmen.

Doch es sind nicht nur Naturschützer, die den in ihrer Existenz bedrohten Amphibien unter die Arme greifen. Zahllose Institutionen und Akteure mischen mal mehr, mal weniger sichtbar in Sachen Amphibienschutz mit: Kommunen und Landschaftspflegeverbände, Straßenbaubehörden, Planungsbüros und Naturschutzverwaltungen, Fischereiverbände und die EU.


Pakt für Amphibien notwendig

Was laut Geise für einen effektiven Amphibienschutz fehlt, ist ein echter Pakt, innerhalb dessen diese so unterschiedlichen Akteure auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren. Dann würde endlich auch Laienwissen in die Beurteilung der Situation verschiedener Amphibienarten integriert - und es würde womöglich mehr getan, was einen echten Schutz der Amphibien anbelangt. „Derzeit entsteht der Eindruck, dass der Artenrückgang dokumentiert, aber nicht aufgehalten wird“, so Geise mit Blick darauf, dass von 19 bayerischen Amphibienarten trotz jahrzehntelanger Schutzbemühungen 12 auf der Roten Liste stehen.

Ein attraktives Paket für Amphibienfreunden schnürte Geise zufolge der BN in Bayern. Unter amphibien.bund-naturschutz.de finden sie ein Internetangebot, über das behördliche Ansprechpartner, ein Bestimmungsschlüssel für bayerische Frösche und Kröten sowie viele weitere Informationen abgerufen werden können. Außerdem wurden eine Hotline und ein persönlicher Mailkontakt für Fragen rund um den Amphibienschutz installiert. Ergänzt wird das BN-Paket durch eine Beratung vor Ort.


Amphibien und Klimawandel

Im Schweizer Kanton Aargau sorgt Christoph Bühler dafür, dass der Amphibienschutz nicht zu kurz kommt. In dem von ihm koordinierten, mit 200.000 Euro vom Kanton unterstützten Monitoring-Projekt sind seit elf Jahren 800 Amphibienstandorte integriert. 300 davon werden jährlich zur Überwachung ausgewählt, dreimal pro Jahr suchen Freiwillige diese auf. Nach jüngsten Auswertungen stieg das Vorkommen der Gelbbauchunke durch das Schutzprojekt stark an. Bühler: „Die Kreuzkröte hingegen befindet sich trotz Fördermaßnahmen auf dem absteigenden Ast.“ Auch der in der Schweiz seltene Teichmolch nimmt im Bestand ab.

Auf die breite Palette an Möglichkeiten, die Amphibien zumindest theoretisch zur Verfügung steht, um dem Klimawandel Herr zu werden, machte Professor Michael Veith, Leiter des Fachs Biogeographie der Universität Trier, aufmerksam. Sie könnten auswandern, die Größe ihrer Population verändern oder ihre Aktivitätsphasen verschieben, also etwa früher laichen. Wissenschaftlich abgesicherte Prognosen, ob dies tatsächlich geschehen wird, seien allerdings kaum möglich.

Es gibt jedoch Beispiele von gelungenen klimabedingten Kursänderungen bei Amphibien. So schafften es spezielle, von Veith untersuchte Salamanderarten in der Türkei, bis zu vier Millionen Jahre zu überleben. In dieser Zeit überstanden sie 50 Abkühlungen, in den extremsten Fällen veränderten sich die Temperaturen innerhalb von 50 Jahren um zehn Grad. Überlebt haben die Salamander dadurch, dass sie sich auf den Karstinseln, auf denen sie heimisch sind, tief in das Lückensystem des Karstbodens zurückzogen.
Text und Fotos: Pat Christ


Mehr Info

www.amphibien.bund-naturschutz.de


Für Rückfragen

Dr. Kai Frobel
Referent für Arten- und Biotopschutz
Bund Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 09 11 / 8 18 78 18
kai.frobel@bund-naturschutz.de