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Donaudurchbruch bei Weltenburg

Wer heute im Internet nach dem Donaudurchbruch oder der Weltenburger Enge recherchiert, erfährt vieles, aber nicht, dass er sich diese Mühe hätte sparen können, wenn sich in den 50-er, 60-er und 70-er Jahren Planer und Politiker durchgesetzt hätten. Denn dann läge das malerische Kloster entweder an einem riesigen Stausee oder aber an einem brackigen Altwasser. Zweimal musste der Bund Naturschutz sein Gewicht in die Waagschale werfen, um den Donaudurchbruch zu retten, der heute als eine der eindrucksvollsten Landschaften Bayerns bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch (Foto: Landschaftspflegeverein Kehlheim VöF e.V)

Ja, richtig gelesen: Schon seit 1921 gab es Forderungen nach einer Schiffbarmachung der Oberen Donau bis Ulm. In den 70-er Jahren wurde ernsthaft erwogen, den Engpass der Weltenburger Enge durch einen gewaltigen, bis zu 80 Meter in die Landschaft einschneidenden Kanal im Süden weiträumig zu umgehen. Dieser Kanal sollte an der geplanten Staustufe Eining ausgeleitet werden, hätte an Abensberg vorbei durch das friedliche Hopfental geführt und wäre bei Saal wieder in die Donau eingeleitet worden. Das hätte der Weltenburger Enge natürlich das Wasser abgegraben: Was sich seit Jahrtausenden als gewaltiger Strom durch die Felsenschlucht des Durchbruchstals zwängt, hätte dann mit dem "Restwasser" auskommen müssen, das die Schifffahrt übrig lässt. Und bestimmt wäre irgendwer auch noch auf die Idee gekommen, dass man in den Kanal, wenn man ihn schon baut, auch noch schnell ein oder zwei Kraftwerke einbauen könnte.

Im Mai 1977 veranstaltete der "Verband Obere Donau", ein Lobbyverband von Donauanliegergemeinden und Wirtschaftsunternehmen, eine Werbefahrt mit einer "Ulmer Schachtel", um Politiker, Presse und Behördenvertreter für die Schiffbarmachung der Oberen Donau zu begeistern. Doch die aufwändige Veranstaltung wurde kein rechter Erfolg: Einer der geladenen Gäste hatte kurzerhand den damaligen BN-Landesgeschäftsführer Helmut Steininger an Bord geschmuggelt, und der hielt beherzt dagegen. Ergebnis des Husarenstücks: Die Presse berichtete fast ebenso viel über den Protest des BN wie über die Forderungen der Schifffahrtslobby.

"Grenzen des Wahnsinns"

Als die "Ulmer Schachtel" Ingolstadt passierte, so berichtete der Münchner Merkur, stand auf der Donaubrücke die frisch gegründete Kreisgruppe mit Spruchbändern und Sprechchören, die dem mitreisenden Innenminister Bruno Merk zuriefen: "Merk, merk auf, die Donau geht drauf!" Doch Merk merkte nicht auf, sondern sprach sich ungerührt weiter für die Kanalisierung aus. Aber die Front bröckelte: Der Kelheimer Landrat Faltermeier erklärte, "dass die Erhaltung des Donaudurchbruchs für seinen Landkreis wichtiger sei als jedes Ausbauprojekt."

Zwei Monate später, im Juli 1977, veranstaltete der Bund Naturschutz gemeinsam mit dem damaligen Weltenburger Abt Dr. Thomas Niggl OSB eine eigene Pressefahrt mit großer überregionaler Resonanz. Eine von vielen Schlagzeilen: "Naturschützer halten Wacht an der Donau". Viel zitiert wurde damals das Wort Hubert Weinzierls von den "Grenzen des Wahnsinns", die dann überschritten würden, "wenn man landschaftliche Perlen wie die Weltenburger Enge vernichten wolle". Doch die Auseinandersetzung dauerte noch bis 1982, bis die Kanal- und Staustufenpläne endgültig vom Tisch waren.

Kloster Weltenburg am Stausee?

Noch unglaublicher muten aus heutiger Sicht Planungen aus den fünfziger Jahren an. Wie aus einem Schreiben der Regierung von Niederbayern an das Landratsamt Kelheim vom 3.8.1955 hervorgeht, hatte der Bürgermeister der Stadt Kelheim ein "Plan über eine vorgesehene Staustufe mit Kraftwerk am Fuße des Goldberges und mit umfangreichen Sprengungen in der Weltenburger Enge" vorgelegt.

Dokument des Wahnsinns: Flächennutzungsplan mit Staustufe

Das Stauwehr wäre nach diesen Planungen kurz oberhalb von Kelheim und unterhalb der Befreiungshalle gelegen; das malerische "Klösterl", das dort an den Felsen klebt und nicht nur einen bekannten Biergarten enthält, sondern auch eine bedeutende historische Höhlenkirche, wäre teilweise überstaut worden und auf dem Landweg nicht mehr erreichbar gewesen. Die vorgesehene effektive Stauhöhe lag bei 3,70 m ab Normalwasserspiegel. Das hätte einen Rückstau bis oberhalb von Staubing bedeutet, etwa drei Kilometer oberhalb von Kloster Weltenburg! Das Kloster selbst wäre wohl einige Zentimeter oberhalb des Stausees geblieben; wie das jedoch seinen Fundamenten bekommen wäre, dieses Experiment würde glücklicherweise nie unternommen.

Der damals noch recht staatsnahe Bund Naturschutz sowie der Deutsche Naturschutzring protestierten heftig, und die Rhein-Main-Donau AG (RMD) tat, was sie auch heute noch gerne tut: Sie dementierte. Doch obwohl sie angeblich an keinen konkreten Planungen arbeitete, gründete sie Ende 1958 eine Tochterfirma namens "Obere Donau AG", in deren Aufsichtsrat die die bayerischen Staatsminister Eberhard (Finanzen) und Goppel (Innere Verwaltung) saßen. Die Frage, wozu eine eigene Aktiengesellschaft für einen Zweck gründet, den man gar nicht verfolgt, wurde allerdings nie beantwortet.

Naturwunder gerettet - zum Glück!

Auch der unvergessene Professor Dr. Otto Kraus, der von 1949 bis 1967 erster Leiter der Bayerische Landesstelle für Naturschutz und damit der oberste amtliche bayerische Naturschützer war, schaltete sich mehrfach ein und machte klar, dass eine Verbauung der  Weltenburger Enge absolut indiskutabel war. Doch noch lange kehrte keine Ruhe ein. Erst 1968 war die Sache wohl endgültig beerdigt, wie aus einem knappen und spürbar missgelaunten Schreiben der Rhein-Main-Donau AG vom 26.8.68 an das LRA Kelheim hervorgeht: "Zwischen unserem Schreiben vom 17.4.1957 und heute sind keine neuen Planungen für die Errichtung einer Staustufe bei Kelheim (…) durchgeführt worden." Nur eine AG hatte man für diesen Zweck gegründet, aber das kann ja jedem Mal passieren.

Heute schlagen Politiker, Journalisten, aber auch ganz normale Bürger die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie von diesen alten Plänen erfahren. Aber Naturschutz besteht ja oft darin, Planungen so lange aufzuhalten, bis das öffentliche Bewusstsein "nachgereift" ist. Dass sich Wanderer, Bootfahrer und Touristen auch heute noch an dem Wunder des Donaudurchbruchs erfreuen, verdanken sie denen, die dieses Naturdenkmal vor Jahrzehnten zweimal vor der Zerstörung bewahrt haben. Ihnen sollten sie, während sie seine Schönheit genießen, einen kurzen, dankbaren Gedanken widmen!



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