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Donaustaufer Altwasser: Biotop verpflanzt – Natur zerstört

"Dass das so scheußlich aussehen könnte, hätte ich nicht gedacht."  So betroffen war der Leiter des Neubauamtes Donau-Ausbau, dass ihm dieser Satz sogar vor den Ohren des Naturschützers und Biologen Dr. Peter Streck rausrutschte. Gemeinsam betrachteten sie von der Burgruine Donaustauf aus die Baustelle der Biotopverpflanzung des Donaustaufer Altwassergebiets. Und waren sich gänzlich uneinig, ob diese Natur aus zweiter Hand erfolgreich sein würde. 

Das zerteilte Donaustaufer Altwasser im Jahr 1986 (Foto: Herbert Grabe)

Man muss es als wesentlichen Fortschritt für den Naturschutz und als einen Erfolg für den Bund Naturschutz in Bayern betrachten, dass es überhaupt zu dieser gemeinsamen Beobachtung des Donau-Ausbauers und des Donauschützers kommen konnte: Zum ersten Mal in dem jahrzehntelangen Donauausbau hatte "der Naturschutz" den Kanalbauern Zugeständnisse für das Leben in den Flussauen abgerungen.  Und das, obwohl zu Beginn der Planung für den Abschnitt zwischen Regensburg und Geisling der damalige Regierungspräsident noch nicht einmal den Naturschutzbeirat anhören wollte, "… weil sonst das Planfeststellungsverfahren gar nicht durchführbar sein könnte". 

Aber der Bund Naturschutz mischte sich auf eine ganz neue Weise ein: Mit Öffentlichkeitsarbeit und mit wissenschaftlich fundierten Argumenten machte er Druck auf die Betonlobby und auf die damit verbandelten Behörden und Politiker. Peter Streck, der Vorsitzende der Kreisgruppe Regensburg war aus einer industrialisierten Umgebung nach Regensburg gekommen. Hier hatte er die wunderbare Altwasserlandschaft bei Donaustauf kennengelernt. Die wollte er noch länger genießen und vor Zerstörung schützen. Und als Wissenschaftler und Mitglied der Fakultät für Biologie gelang es ihm, dass auf seinen Antrag hin die Donaukommission eingerichtet wurde, deren Vorsitzender er dann auch wurde.

So konnte er "mit zweierlei Hüten auftreten", wie er es selbst nennt. Mit der Donaukommission konnte er sich mit Stellungnahmen an alle Ämter und Stellen wenden, die sich mit der Planung befassten. Als Wissenschaftler wurde er dort akzeptiert. Als Vertreter des BN wurde er kompetenter und glaubwürdiger Gesprächspartner für die regionale und überregionale Presse. Er wandte sich aber auch direkt an die Menschen in der Region. In Ausstellungen, Exkursionen und Vortragsreihen machte er der interessierten Öffentlichkeit bewusst, welche Lebensvielfalt und landschaftliche Schönheit mit der Kanalisierung der Donau verloren gehen würde.

Das Donaustaufer Altwasser vor, während und nach dem "Umbau" (Quelle: Ringler: Gefährdete Landschaft, 1987).

Nach jahrelangem Kampf verstärkte sogar die bayerische Staatsregierung den Druck auf die Kanalbauer: Der damalige Kultusminister Hans Maier bat die Planfeststellungsbehörde, die Stellungnahme der Donaukommission stärker zu berücksichtigen. Und das Umweltministerium drohte sogar, "das Einvernehmen mit der Planfeststellungsbehörde zurückzustellen, wenn nicht mehr für den ökologischen Ausgleich getan werde". 

Die langen und intensiven Auseinandersetzungen zwischen Naturschutz und Kanalbauern führten am Ende zu dem Beschluss, das Biotop umzusetzen. Das heißt nicht weniger, als dass die Vegetation stückweise aus dem Altwassergebiet ausgebaut und an neu gestalteter Stelle wieder eingebaut wurde. 

Aber ließ sich die Natur auf diese Weise an der Nase herumführen? Konnten – vom strömenden Grundwasser abgeschnitten und auf viel zu kleiner Fläche – die Pflanzen weiter wurzeln und sich auch ausbreiten? Fanden Vögel, Insekten und Amphibien noch genügend unveränderten Lebensraum?  Freilich ist die damalige Mond- und Kraterlandschaft heute wieder grün. Aber eine Nachuntersuchung dreißig Jahre nach der Fertigstellung ergab: "Eine große Zahl der wertvollen und bedrohten Pflanzenarten und -gesellschaften (…) konnte nicht oder nur mehr rudimentär wiedergefunden werden." So das Resümee, das in der Zeitschrift der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft veröffentlicht wurde.

Man muss wohl einräumen: Die Natur hat beim Donauausbau zwischen Regensburg und Geisling eine weitere Niederlage hinnehmen müssen. Aber was dort angefangen wurde, sich laut einzumischen, kenntnisreich zu argumentieren, die Vielfalt und Schönheit der Natur und ihre Existenzberechtigung zu zeigen und sie zu feiern, das konnte beim Kampf um die frei fließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen erfolgreich weitergeführt werden.  

Ulrike Rohm-Berner