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ZERSCHNITTENER LEBENSRAUM

Hoch oben bei der Ortschaft Kösten hat man einen wunderbaren Blick auf den Gottesgarten im Obermaintal – und auf die Autobahn, die seit dem Jahr 2006 die Landschaft und den Lebensraum zerteilt.

Zur Linken blickt man auf die Basilika Vierzehnheiligen, ein barockes Monument, das im 15. Jahrhundert von Balthasar Neumann erbaut wurde. Auf der rechten Seite ragt der Staffelberg empor, mit rund 539 Metern der Hausberg der Stadt Bad Staffelstein. Der Staffelberg ist – wie das gesamte Gebiet des südlichen Maintals – Teil  des Naturparks Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst und zählt seit 2008 zu den Geotopen in Bayern. Seit Mitte der 80er-Jahre ist das Gebiet rund um das Hochplateau als Naturschutzgebiet Staffelberg ausgewiesen. Rechts davor steht das barocke Kloster Banz, eine ehemalige Benediktiner-Abtei.

Intakter Lebensraum: das Obermaintal mit Kloster Banz und Vierzehnheiligen vor dem Bau der Autobahn.

Doch der Gottesgarten ist mehr als das malerische Ensemble von Kulturdenkmälern. Das weite Tal mit Wiesen- und Ackerflächen sowie Galeriewäldern und Hecken ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen sind mittlerweile selten geworden. So etwa der Waldwasserläufer, der besonders stark vom Klimawandel betroffen ist, oder der Eisvogel, der in Deutschland als streng geschützt gilt und europaweit unter Schutz steht. Ebenso der Pirol, ein Charaktervogel lichter Auenwälder, der sich einst im Gottesgarten besonders wohl fühlte. Seine Art wird in Deutschland bereits auf der Vorwarnstufe der Roten Liste geführt. Und auch Flussuferläufer (Rote-Liste-1-Art) und Blaukehlchen (besonderer Schutz nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie),  zwei Vogelarten, die nicht als direkt bedroht gelten, sind hier zu finden.

Tiere und Pflanzen ergriffen die Flucht

Die Autobahn hat den Lebensraum vieler Tierarten, die sich auf den weiten Wiesen- und Ackerflächen im Obermaintal tummelten, verändert. So zum Beispiel das Revier der  Ringelnatter: Sie liebt gewässerreiche und biotopartige Gebiete und leidet unter dem Straßenverkehr. Versucht sie die Autobahn zu überqueren, bezahlt sie dies, wie viele andere Tiere, mit dem Leben. Manche Tierart, wie etwa das Große Granatauge, eine seltene Libellenart, hat schon beim Bau der Autobahn die Flucht ergriffen und wurde seither nicht mehr im Naturraum Gottesgarten gesehen. Ob der Dunkle und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, zwei im Klageverfahren verhandelte und europäisch geschützte Schmetterlingsarten feuchter Wiesen, die von den Planern vorgesehenen Ausgleichsflächen auf Dauer annehmen, wird erst die Zukunft zeigen.

Auch der Anblick bestimmter Kräuter wird seltener. Dazu gehören der Portulak-Sumpfquendel, der in einigen Bundesländern auf der Roten Liste bedrohter Pflanzen steht, der Wohlriechende Schöterich, der lockere und leicht feuchte Kalkböden liebt oder das Mädesüß, das Grasland mit feuchtem Boden bevorzugt. Der Autobahnbau durch den Gottesgarten hat vieles verändert: Gelitten haben die Vielfalt der Natur, die Schönheit der Landschaft und die Lebensqualität der Menschen.

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