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Aus für den Hafenlohrtalspeicher

September 2008: Der BN freut sich zusammen mit der Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal (AGH) darüber, dass der in einem der wertvollsten Täler Bayerns geplante 15 km lange Trinkwasserspeicher von der Bayerischen Staatsregierung endlich aufgegeben worden ist.

In dieser überfälligen Entscheidung sehen wir einen großartigen Erfolg des gemeinsamen 30 jährigen Widerstandes der Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal (AGH), der 4 betroffenen Gemeinden und des Bundes Naturschutz, so Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des BN.

Nach Auffassung von Sebastian Schönauer, dem Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der AGH sind mit dieser Entscheidung endlich die Konsequenzen daraus gezogen worden, dass nicht zuletzt auf Grund der zwischenzeitlich zu ungunsten der Speicherplanung veränderten Rahmenbedingungen dieses Natur und Heimat zerstörenden Projekt gar nicht mehr hätte genehmigt werden können/dürfen:

  • Die Stauseeplanung wurde im Aschaffenburger Bereich gestrichen –vom Ahlmichdamm bis Lichtenau wurden 70 Hektar zum Naturschutzgebiet „Oberes Hafenlohrtal“.
  • Der wertvolle Erlenbruchwald bei Erlenfurt wurde Naturschutzgebiet "Auenwald bei Erlenfurt“.
  • Das Hafenlohrtal wurde in die Flora – Fauna Habitat – und in die Vogelschutz – Richtlinie der EU aufgenommen und ist somit FFH –geschützt.
  • Der Kreistag des Landkreises Main – Spessart sprach sich – wie die Regionalversammlung – mehrheitlich gegen den Bau eines Trinkwasserspeichers im Hafenlohrtal aus.

Zum Aus für den Hafenlohrtalspeicher hat sicherlich auch beigetragen, dass die Zahlen und Prognosen, mit denen Regierung und Wasserwirtschaft über viele Jahre versucht hatten, die Zerstörung eines der schönsten und ökologisch wertvollsten Täler Unterfrankens zu rechtfertigen, längst widerlegt worden sind.

Falsch waren und sind:

  • die Bedarfsprognosen der Wasserwirtschaft - der Trinkwasserverbrauch sollte bis zum Jahr 2000 auf 200 bis 250 Liter pro Kopf steigen! Der echte Bedarf aber ging auf 123 l / Tag / Einwohner zurück.
  • die pessimistischen Voraussagen der Regierung von Unterfranken. Die Trinkwasserqualität hat sich nicht verschlechtert, Grundwasser wurde saniert, auch die Menge des verfügbaren Trinkwassers reicht aus.
  • die "wasserwirtschaftlichen Gründe". Statt der geforderten "Auflassung kleiner und kleinster Erschließungen oder aber besonders gefährdeter Gewinnungen" im Hinblick auf die "Gefährdung der Versorgungssicherheit" bzw. wegen "mangelnder Wirtschaftlichkeit" bedeutet Kleinräumigkeit erhöhte Versorgungssicherheit ( 1986 wurde dazu die Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung Bayern - IKT - gegründet).

BN und AGH bedanken sich bei allen Gemeinden und Mitgliedern, die sich 30 Jahre lang nicht haben einschüchtern und entmutigen lassen, sondern engagiert für die Rettung eines der wertvollsten Teile bayerischer Heimatnatur gekämpft haben, aber auch bei den Landkreisen Aschaffenburg und Main-Spessart, bei der Landtagsopposition von SPD und GRÜNEn und schließlich auch bei Staatsminister Eberhard Sinner und Umweltminister Bernhard für ihre Unterstützung.

Der BN erwartet, dass diese Entscheidung jetzt auch konsequent umgesetzt wird, dass v.a. die Ziele des Landesentwicklungsprogramms entsprechend angepasst werden und das Hafenlohrtal in ganzer Fläche als FFH - Gebiet nachgemeldet und als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird.Nach Überzeugung von Hubert Weiger und Sebastian Schönauer ist diese Entscheidung auch ein erstes positives Ergebnis der machtvollen Demonstration am vergangenen Samstag, bei der in München fast 10 000 Bürgerinnen und Bürger gegen Heimat und Natur zerstörende Großprojekte der bayerischen Staatsregierung protestiert hatten.Auch in Bayern können also staatliche Planungen gestoppt werden - zumal vor Landtagswahlen - und lohnt sich der Einsatz von Heimat - und Naturfreunden für die Erhaltung ihrer Lebensqualität vor Ort - auch wenn dafür manchmal ein sehr langer Atem erforderlich ist.